Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.07.2012

19:49 Uhr

Präsident ohne Einsehen

Assad gibt sich friedlich

Beinahe täglich werden bei Unruhen in Syrien Menschen getötet, oft durch Regierungstruppen. In einem Interview weist Präsident Assad wieder jede Schuld von sich - und lobt den Friedensplan, der längst gescheitert ist.

Syriens Regimeführer Baschar al-Assad zeigt sich nach außen gern verständnisvoll. Doch seine Armee kämpft weiter gegen die eigene Bevölkerung. dpa

Syriens Regimeführer Baschar al-Assad zeigt sich nach außen gern verständnisvoll. Doch seine Armee kämpft weiter gegen die eigene Bevölkerung.

BerlinSyriens Präsident Baschar al-Assad hält den Friedensplan des UN-Syrienbeauftragten Kofi Annan nicht für gescheitert. „Nein, der sollte auch nicht scheitern“, sagte Assad in einem Sonntag von der ARD ausgestrahlten Interview mit dem Publizisten Jürgen Todenhöfer. Es sei ein sehr guter Plan und Annan mache bisher „sehr gute Arbeit“. Annan hatte jüngst selbst erklärt, seinem Friedensplan sei es bislang nicht gelungen, ein Ende des Blutvergießens zu erreichen. Wesentlicher Teil des Friedensplans war ein Waffenstillstand, der jedoch von beiden Seiten wiederholt verletzt wurde. Am Sonntag traf Annan in Damaskus ein.

„Das größte Hindernis ist, dass viele Länder den Erfolg des Plans gar nicht wollen, also bieten sie politische Unterstützung an und versorgen die Terroristen in Syrien weiterhin mit Waffen und mit Geld“, sagte Assad in dem am Donnerstag geführten Interview. Diese Länder versuchten, den Plan zum Scheitern zu bringen. Assad beschuldigte die Außenminister Saudi-Arabiens und Katars, „diese Terroristen“ zu unterstützen. Zugleich geht er davon aus, dass die Türkei „logistische Hilfe beim Schmuggeln angeboten“ habe und die Vereinigten Staaten politische Unterstützung lieferten.

Publizist Jürgen Todenhöfer (li.) im Interview mit Assad. (AFP PHOTO / SWR) AFP

Publizist Jürgen Todenhöfer (li.) im Interview mit Assad. (AFP PHOTO / SWR)

Die internationale Gemeinschaft fordert unter anderem die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit in Syrien, um das seit 16 Monaten andauernde Blutvergießen zu beenden. Assad bezeichnete nun bereits die herrschende Regierung als Einheitsregierung, da sich die Opposition, die sich an der Parlamentswahl beteiligt habe, ebenfalls in der Regierung befinde.

Syrien-Konflikt: Clinton fordert schnelles Handeln von Damaskus

Syrien-Konflikt

Clinton fordert schnelles Handeln von Damaskus

Die amerikanische Außenministerin befürchtet eine Eskalation des Konflikts in Syrien.

Trotz aller internationalen Friedensbemühungen hat die Gewalt in dem Nahost-Land in den vergangenen Wochen einen weiteren Höhepunkt erreicht. Insgesamt sind nach UN-Schätzungen mindestens 10.000 Menschen getötet worden. Auf die Frage nach den zahlreichen Toten sagte Assad: „Die Mehrheit von Ihnen sind Menschen, die die Regierung unterstützen und ein großer Teil der übrigen sind völlig unschuldige Menschen, die durch unterschiedliche Gruppen in Syrien getötet wurden.“ Allein am Sonntag starben mehr als 30 Menschen in dem Land bei Auseinandersetzungen zwischen Assad-Truppen und Aufständischen.

Panzer, Flugzeuge, Raketen: Syriens Armee

Soldaten

In Syrien stehen nach Angaben des Londoner Instituts für Strategische Studien (IISS) 295.000 Soldaten unter Waffen. Dazu kommen weitere 314.000 Reservisten.

Panzer und Artilleriegeschütze

Das syrische Heer soll über 4950 Kampfpanzer und mehr als 3440 Artilleriegeschütze verfügen, viele aus sowjetischer oder russischer Produktion.

Boden-Boden-Raketen

Syrien soll über 850 Boden-Boden-Raketen mit unterschiedlicher Reichweite verfügen.

Flugzeuge

550 Flugzeuge nennt die syrische Luftwaffe ihr Eigen. Davon sind rund 440 russische MIG-Kampfflugzeuge unterschiedlicher Baureihen.

Hubschrauber

Die Armee kann mehr als 70 Kampfhubschrauber einsetzen, darunter viele russische Typen, aber auch 30 französische „Gazelle-Maschinen“.

ABC-Waffen

Die USA haben den Verdacht, dass Syrien über chemische und biologische Waffen verfügt und dafür technische Hilfe aus dem Iran erhält. Außerdem soll Syrien nach US-Recherchen Interesse an Atomwaffen haben und Partner im Iran und Nordkorea suchen.

Waffenlieferungen

Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI) bekam Syrien im Jahr 2011 trotz der blutigen Unterdrückung des Aufstandes gegen das Regime 291 Waffenlieferungen - 246 aus Russland und 45 aus dem Iran. Darunter waren 126 Luftabwehrsysteme und 135 Raketen. Zwischen 2001 und 2011 hat Syrien 1201 von SIPRI registrierte Waffenlieferungen erhalten. Die mit Abstand meisten (857) kamen aus Russland, der Rest aus Weißrussland, dem Iran und Nordkorea.

Embargo

Die EU hat bereits im Mai 2011 neben Sanktionen ein Verbot von Waffenlieferungen nach Syrien beschlossen. Dazu zählen nicht nur Feuerwaffen, Bomben und Granaten, sondern auch technisches Gerät, das gegen Demonstranten eingesetzt werden kann, etwa Wasserwerfer. Auf internationaler Ebene ist ein Embargo im UN-Sicherheitsrat bisher gescheitert - vor allem am Widerstand Russlands, dem Hauptwaffenexporteur nach Syrien. Aber auch China verhinderte Sanktionen.

Laut Assad gingen die meisten Verbrechen größtenteils von Banden aus. „Ob nun Al-Kaida oder Extremisten oder Gesetzlose, die sich schon vor Jahren dem Zugriff der Polizei entzogen haben.“ Einige Al-Kaida-Kämpfer seien festgenommen worden, sie stammten aus Tunesien und Libyen.

Wie bereits mehrmals in jüngster Zeit betonte der Präsident, dass sein Volk hinter ihm steht: „Ja. Natürlich genieße ich nach wie vor die Unterstützung durch die Öffentlichkeit.“

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Thomas-Melber-Stuttgart

08.07.2012, 20:07 Uhr

Es ist bekqnnt, daß die USA bereits seit 2005 subersiv in Syrien operieren und daß einige Golf-Staaten die sog. "Rebellen" mit Waffen unterstützen. Die Türkei leistet logistische Unterstützung und bietet einen "safe haven", und die USA helfem mit Kommunikationsausrüstung und vielleicht auch mit Aufklärungsergebnissen.

Liquid-X

08.07.2012, 20:41 Uhr

Mr. Goofy in Menschengestalt ist immer amüsant zu sehen!
Bald folgst Du dem Schicksal von Gadaffi, Mubarak und anderen kleinen selbsternannten Diktatoren mit zuviel Viagra im Kaffe!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×