Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.05.2015

08:27 Uhr

Präsidenten-Wahl in Polen

Knappes Rennen bei Stichwahl

Spannung vor der Stichwahl um das polnische Präsidentenamt: Es wird ein enges Rennen zwischen Amtsinhaber Komorowski und seinem Herausforderer Andrzej Duda – mit Signalwirkung für die Parlamentswahlen im Herbst.

Am Donnerstag trafen die beiden Kontrahenten Komorowski (l.) und Duda im polnischen Fernsehen aufeinander. Reuters

TV-Duell

Am Donnerstag trafen die beiden Kontrahenten Komorowski (l.) und Duda im polnischen Fernsehen aufeinander.

WarschauIn Polen hat am Sonntag die Stichwahl um das Präsidentenamt begonnen. Die rund 30 Millionen Wahlberechtigten müssen sich zwischen Amtsinhaber Bronislaw Komorowski und seinem nationalkonservativen Herausforderer Andrzej Duda entscheiden. Duda hatte im ersten Wahlgang vor zwei Wochen überraschend in Führung gelegen, aber nicht die nötige absolute Mehrheit erreicht. Erste Prognosen werden nach Schließung der Wahllokale ab 21.00 Uhr erwartet. Laut Umfragen wird es ein äußerst knappes Rennen zwischen dem liberal-konservativen Amtsinhaber Komorowski und seinem eher national orientierten Herausforderer Duda. Entscheidend dürften demnach die bis zuletzt Unentschlossenen sein.

Nach dem unaufgeregten Wahlkampf vor der ersten Abstimmung über elf Kandidaten, als alles auf eine Wiederwahl Komorowskis hindeutete, haben die zwei verbliebenen Kontrahenten ihre Kampagne verschärft. Der 62-jährige Komorowski und der 43-jährige Duda tourten durchs Land und versuchten diejenigen zu mobilisieren, die vor zwei Wochen zu Hause geblieben waren.

Nach einer Umfrage liegt Duda mit 48 Prozent in Führung vor Komorowski, den 44 Prozent wählen wollen. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage eines anderen Meinungsforschers führt Komorowski hingegen mit 45 Prozent vor Duda, der auf 43 Prozent hoffen könne.

Präsidentschaftswahlen in Polen: „Das alte Machtkartell wird abgestraft“

Präsidentschaftswahlen in Polen

„Das alte Machtkartell wird abgestraft“

Bei den Wahlen in Polen zeigt sich Politikverdrossenheit und Elitenskepsis. Doch anders als in Westeuropa lassen sich die Herausforderer nicht ins klassische Rechts-Links-Schema einordnen, erklärt Experte Kai-Olaf Lang.

Duda ist Kandidat der christdemokratischen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), die im Herbst auf einen Machtwechsel nach den Parlamentswahlen hofft. Der Jurist machte teure Wahlversprechen, sicherte sich die Unterstützung der großen Gewerkschaftsverbände und spricht von der polnischen Identität, die er stärken will - auch wenn es um Positionen in der EU geht.

Komorowski, der die liberal-konservative Regierungspartei Bürgerplattform (PO) hinter sich hat, setzt auf seine Erfahrung nicht nur als Staatsmann, sondern auch als früherer Verteidigungsminister - in einer Zeit, da der Konflikt im Nachbarland Ukraine Schatten auf Polen wirft. Zwei seiner Amtsvorgänger, Lech Walesa und Aleksander Kwasniewski, und fünf ehemalige Außenminister Polens haben Komorowski in den vergangenen zehn Tagen demonstrativ den Rücken gestärkt: Er stehe für Glaubwürdigkeit und Besonnenheit, für Dialog und Vernunft.

Kritiker gestehen Duda zu, im Wahlkampf als menschlich sympathischer Kandidat herübergekommen zu sein. Zugleich erinnern politische Gegner an die Zeit, als die PiS Präsident Lech Kaczynski stellte und dessen Zwillingsbruder Jaroslaw Kaczynski Regierungschef war: Eine Zeit voller Konflikte mit den Nachbarn, Isolierung in der EU, Störungen im Verhältnis zu Deutschland. Gerade in Zeiten des Konflikts in der Ukraine dürfe es keine Wiederholung eines solchen Szenarios geben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×