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11.05.2012

07:31 Uhr

Präsidentengattin Bruni

Die böse Ente beißt Carla ein letztes Mal

VonThomas Hanke

Das fiktive Tagebuch von Carla Bruni ist legendär. Nun schlägt das französische Satireblatt „Angekettete Ente“ das letzte Kapitel auf - und verabschiedet Frankreichs First Lady mit Wehmut und bissiger Ironie.

Carla Bruni in den guten Tagen als First Lady von Frankreich. AFP

Carla Bruni in den guten Tagen als First Lady von Frankreich.

ParisFür den härtesten Gegner von Nicolas Sarkozy ist dessen Machtverlust ein Schlag ins Kontor: Frankreichs Satire- und Enthüllungsblatt „Carnard Enchainé“ verliert die Figur, an der die Redaktion sich mit Lust und Fantasie abarbeiten konnte. Der meist als rasender Zwerg oder an Carla Brunis Hand baumelnde Puppe abgebildete Oberdynamiker war nicht nur für die Zeichner des Canard ein Geschenk. Die Sprüche des Präsidenten, seine erratischen Aktionen und exzentrischen Berater füllten fast alleine die Seiten der Wochenzeitung, die profitabler und vor allem besser informiert ist als die meisten anderen französischen Printprodukte.

Aber nicht nur Sarko ist nächste Woche weg, sondern auch seine Gattin Carla, und damit auch das erfundene „Tagebuch der Carla B.“, das der Canard jede Woche auf der letzten Seite druckt. Diese Woche verabschiedet die Präsidentengattin sich mit einem Eintrag in Gedichtform. In Schüttelreime hat die „Angekettete Ente“, so der übersetzte Name des Blatts, ihre ganze Häme gefügt:

„O Sturm, O Verzweiflung, O feindliche Sozialdemokratie

Der Lohn meiner Mühen ist diese Infamie?“

klagt die Präsidentengattin. Ihr „Cäsar“ sei am Boden zerstört, wirke so klein, als hätte er "seine hohen Absätze" verloren:

„Ein zerschlagenes Wesen in meinem Bett, einem Schatten gleich

Ohne Willen und Kraft, sein Szepter ganz weich“

Die vermeintliche Carla erregt sich darüber, dass der stolze Präsident künftig nur noch „als Winkeladvokat“ sein Leben fristen oder gar, schlimmer noch „zu Hause abhängt, da fürchte ich das Schlimmste“. Und sie werde künftig nicht mehr im Licht der Scheinwerfer stehen, die Titelblätter nicht mehr schmücken? „So haben wir nicht gewettet“, mault das Ex-Modell:

„Unser Vertrag ist klar, er besiegelt mein Glück

Für mich gibt es nur First Lady oder Geld zurück.“

Sie denke gar nicht daran, künftig ein beschauliches Dasein zu fristen, erzürnt sich Carla. Die Menschheit könne auf eine so begnadete Künstlerin wie sie nicht verzichten. Statt von der Bühne abzutreten gehe sie lieber ins Exil. Sein nächstes Ziel hat das bedeutende Männer sammelnde italienische Multitalent schon vor Augen:

„Adieu, undankbare Franzosen, ignorantes Pack

Ich zieh in den weißen Palast des sublimen Barack.“

Sarko selber hat den von ihm häufig genug verachteten Journalisten Anfang des Jahres gesagt: „Sollte ich die Wahl verlieren, werdet ihr euch schrecklich langweilen.“ Er könnte recht haben. Schließlich ähnelt sein Nachfolger eher der Mutti Merkel als dem französischen Speedy Gonzalez. Und kennt irgendjemand einen guten Merkel-Witz? Na eben.

Fragt sich nur noch, ob der Canard nächste Woche noch einen allerletzten Eintrag des „Tagebuchs der Carla B.“ bringt – schließlich tritt Sarkozy ja erst Dienstag ab.

Sarkozy geht - Hollande kommt

Video: Sarkozy geht - Hollande kommt

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Kommentare (6)

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Account gelöscht!

11.05.2012, 07:59 Uhr

Apropos heiße Omas: Wann zeigt Ihr endlich scharfe Bilder von Segolene Royal? Mon Dieu ...

TorstenHornung

11.05.2012, 09:01 Uhr

In wirtschaftlich turbulenten Zeiten wie diesen sind derartige Top-Aufmacher auf der Startseite des HB m.E. nicht angebracht! Wo ist der Wille zum aktiven Entwickeln neuer, alternativer Ideen zur Beherrschung und Überwindung des anklopfenden Finanzdesasters? Wann vereinigt sich die kompetente führende Wirtschaftspresse mit ihren erfahrenen Machern mindestens einmal vorübergehend deutschlandweit oder auch europaweit, um im Sinne der Leser und der Bevölkerung pragmatische Denkanstösse zu erarbeiten?

Es ist kurz nach fünf vor zwölf!

stetson

11.05.2012, 09:45 Uhr

@TortsenHornung
Wenn Sie das HB regelmäßig lesen, werden Sie eigntlich feststellen, dass das Ende der (kapitalistischen) Welt jeden zweiten Tag besungen wird. Da kann diese Woche ruhig mal locker ausklingen. Nächste Woche geht die Sch... sowieso wieder weiter.

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