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23.01.2006

07:15 Uhr

Präsidentenwahl in Portugal

Der Autobahn-Bauer kehrt zurück

Portugals neuer Staatspräsident ist für die Bewohner des Landes ein alter Bekannter: Anibal Cavaco Silva war vor Jahren Regierungschef. Damals baute er die ersten Autobahnen und machte seine Landsleute zu Aktionären, bugsierte sich mit dem Niederknüppeln von Demonstranten jedoch ins Aus.

Cavaco Silva setzte sich gegen insgesamt sechs linke Kandidaten durch. Foto: dpa dpa

Cavaco Silva setzte sich gegen insgesamt sechs linke Kandidaten durch. Foto: dpa

HB LISSABON. Im Palácio de Belém am Tejo haben die Portugiesen immer gern leutselige Persönlichkeiten gesehen, die den Staat gut nach außen zu repräsentieren wussten. Jetzt aber haben sie einen Konservativen in das Amt gewählt, der sich in seiner Regierungszeit von 1985 bis 1995 das Image eines unterkühlten Zahlenmenschen erworben hat. Von Anibal Cavaco Silva versprechen sie sich neue Impulse nach den politischen und wirtschaftlichen Frustrationen der vergangenen Jahre.

Der 66-jährige Wirtschaftsprofessor erhielt nach Auszählung praktisch aller Stimmen 50,6 Prozent. Der sozialistische Abgeordnete Manuel Alegre (69), der gegen den Willen seiner Partei als Unabhängiger kandidiert hatte, kam auf 20,7 Prozent. Der offizielle Kandidat der Sozialisten, der frühere Staatspräsident Mário Soares, landete mit 14,3 Prozent abgeschlagen auf dem dritten Platz.

„Ich liege nie falsch und ich habe selten Zweifel“ – kaum ein Satz charakterisiert den 66-jährigen Wirtschaftswissenschaftler besser als diese Bemerkung aus seiner Amtszeit als Ministerpräsident. Damals zeigte er sich immun gegen jede Kritik an seinem Reformkurs und hielt unbeirrt von Streiks und Demonstrationen daran fest. Mit finanzieller Unterstützung der EU beschloss er den Bau der ersten Autobahnen in Portugal und brachte ein Privatisierungsprogramm auf den Weg, das die breite Öffentlichkeit zum Kauf von Aktien animierte. Ein Wirtschaftswachstum von jährlich 5 Prozent machte sich in einer Hebung des allgemeinen Lebensstandards bemerkbar, und die Regierung hatte einen festen Rückhalt in der Wirtschaft.

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