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08.02.2017

10:57 Uhr

Präsidentenwahl in Somalia

Amtsinhaber gewinnt erste Runde

Nach mehr als 25 Jahren soll Somalia wieder eine funktionierende Regierung bekommen. Unter extremen Sicherheitsvorkehrungen fand der erste Wahlgang statt: Von den 21 Kandidaten sind nur noch drei übrig.

Der 61-jährige Amtsinhaber erhielt in der ersten Runde der Präsidentenwahl in Somalia die meisten Stimmen. AFP; Files; Francois Guillot

Hassan Sheikh Mohamud

Der 61-jährige Amtsinhaber erhielt in der ersten Runde der Präsidentenwahl in Somalia die meisten Stimmen.

MogadischuIn der ersten Runde der Präsidentenwahl in Somalia ist Amtsinhaber Hassan Sheikh Mohamud seiner Favoritenrolle gerecht geworden. Der 61-Jährige erhielt am Mittwoch die Unterstützung von 88 Abgeordneten. Zweiter wurde der frühere Ministerpräsident Mohamed Abdullahi Farmajo mit 72 Stimmen, gefolgt von Ex-Präsident Sharif Sheikh Ahmed mit 49. Den vierten Platz erreichte Regierungschef Omar Abdirashid Sharmarke, der 37 Stimmen verbuchte.

Sharmarke zog seine Kandidatur zurück, so dass nur noch die drei Erstplatzierten in die in zweiten Runde kamen. Die übrigen Kandidaten schieden aus.

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Abgeordnete in Somalia vereidigt

Trotz großer Kritik an Unregelmäßigkeiten beim Wahlablauf sind in Somalia 243 neue Mitglieder des Parlaments vereidigt worden. Die Abgeordneten werden den Präsidenten des Landes am Horn von Afrika bestimmen.

Der Präsident amtiert in Somalia fünf Jahre. Er wird nicht direkt vom Volk, sondern von den 275 Abgeordneten des Unterhauses und 54 Senatoren gewählt. Diese stimmten aus Sicherheitsgründen auf einem streng bewachten früheren Luftwaffenstützpunkt in Mogadischu ab und hatten zunächst die Auswahl unter 21 Kandidaten. Viele von ihnen haben zwei Staatsbürgerschaften, so auch Farmajo, der auch US-Bürger ist und Sharmarke, der einen kanadischen Pass besitzt.

Die Wahl wurde in Fernsehen und Internet übertragen. In Mogadischu versammelten sich zahlreiche Bürger vor den Bildschirmen. Der Arbeiter Alinur Muhummed hielt die Abgeordneten für korrupt. „Ich glaube nicht, das sie einen Präsidenten wählen (...), sondern eher das Bestechungsgeld, das er ihnen gezahlt hat“, sagte der 36-Jährige.

Bereits vor einigen Wochen hatten die USA, die EU und die Vereinten Nationen vor „unerhörten Missbrauchsfällen im Wahlprozess“ gewarnt. Es gebe Gewalt und Einschüchterung. Männer nähmen die für Frauen vorbehaltenen Sitze ein. Zudem kursierten Berichte, dass einzelne Stimmen für bis zu 30.000 Dollar (28.000 Euro) verkauft worden seien.

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Die mit der Al-Kaida verbundene islamistische Extremistengruppe Al-Shabaab hatte damit gedroht, die Abstimmung mit Gewalt zu stören. Aus Angst vor Anschlägen wurden in der Hauptstadt Mogadischu Hauptstraßen geräumt und der internationale Flughafen geschlossen. Am Vorabend der Wahl schlugen in der Nähe des Wahlortes zwei Mörsergeschosse ein, die vermutlich von Extremisten abgefeuert worden waren.

Das Zwölf-Millionen-Einwohner-Land am Horn von Afrika wird seit dem Sturz des langjährigen Diktators Mohammed Siad Barre im Jahr 1991 von Chaos und Bürgerkrieg heimgesucht. Die Al-Shabaab-Miliz will eine archaische Auslegung des Islams durchsetzen. Sie wurde 2011 mit Hilfe von Truppen der Afrikanischen Union gestürzt, verübt jedoch immer wieder blutige Anschläge. Dies hat dazu beigetragen, dass die Präsidentenwahl seit vergangenem Jahr mehrere Male verschoben wurde. Somalia zählt zu den sieben islamischen Ländern, die von Donald Trumps Einreiseverbot in die USA betroffen sind.

Von

ap

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