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12.01.2010

20:22 Uhr

Präsidentenwahl

Ukrainische Wähler versteigern Stimmen im Internet

Einige über die Verhältnisse in ihrem Land frustrierte Ukrainer bieten ihre Stimmen für die Präsidentenwahl am 17. Januar meistbietend im Netz an. Ein Experte sieht das als Symptom für den Vertrauensverlust der Wähler in die ukrainische Politik.

Ein Wahlplakat des ukrainischen Oppositionsführers Viktor Janukowitsch im Zentrum der Hauptstadt Kiew. Die ukrainische Bevölkerung ist politikverdrossen. dpa

Ein Wahlplakat des ukrainischen Oppositionsführers Viktor Janukowitsch im Zentrum der Hauptstadt Kiew. Die ukrainische Bevölkerung ist politikverdrossen.

HB KIEW. Es stand in einer Internet-Annonce. "Zu verkaufen: Meine Stimme für die ukrainische Wahl am Sonntag. Zwischen 300 und 500 Hrywnja. Kann weitere Verkaufswillige liefern." "Ich glaube nicht an unsere Demokratie, und darum verkaufe ich meine Wählerstimme", schrieb ein Inserent aus Lemberg zur Begründung. Ähnlich äußerte sich ein Stimmberechtigter aus der Hauptstadt Kiew. "Mir ist völlig egal, wer gewinnt." Er habe drei Stimmen für 500 Hrywnja (etwa 43 Euro) das Stück anzubieten.

Der Staatsschutz wollte die Angebote nicht kommentieren. Ein Vertreter der Wahlkommission verwies darauf, dass Stimmenkauf verboten sei und bestraft werde. Stimmen zum Verkauf anzubieten, scheint gleichwohl nicht strafbar zu sein.

Im Telefongespräch mit Reuters berichtete der 25-jährige Bauarbeiter Wadim aus Kiew, er habe bereits Angebote für seine Stimme erhalten. "Die ukrainische Politik interessiert mich überhaupt nicht. Mir ist völlig egal, wer Präsident wird. Und Patriot bin ich auch nicht." Er könne aus seinem Familien- und Freundeskreis etwa zehn weitere Stimmen zum Verkauf besorgen. "Ich habe bereits Angebote und sei dabei, sich zwischen ihnen zu entscheiden." Von wem die Offerten stammen, sagte Wadim nicht.

Der Stimmenverkauf sei Ausdruck von Enttäuschung und einer immer zynischer werdenden Haltung der Wähler gegenüber der Politik und den handelnden Personen, sagt der Politikexperte Wolodimir Fesenko. "Die Ukrainer haben kein Vertrauen in die große Mehrheit der Kandidaten."

Die fünfte Präsidentenwahl in der Ukraine seit der Unabhängigkeit 1991 wird am Sonntag wohl noch keinen Gewinner ergeben. Umfragen zufolge dürfte Amtsinhaber Viktor Juschtschenko im ersten Durchgang scheitern. Damit dürfte es am 7. Februar zur Stichwahl zwischen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und Ex-Präsident Viktor Janukowitsch kommen.

Kommentare (1)

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Ronschik

17.01.2010, 19:00 Uhr

Wie sollen die Ukrainer vertrauen in ihren Staat gewinnen, wenn nicht einmal Exil Ukrainer ihre Wahlzettel erhalten!? Wahrscheinlich werden ihre Stimmen schon vorher zu gunsten des einen oder anderen verbraucht.

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