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14.04.2013

20:18 Uhr

Präsidentenwahl

Venezuela entscheidet über Chavez-Nachfolger

Die Venezolaner haben die Weichen gestellt für die Zeit nach Hugo Chávez. Bei der Präsidentenwahl wurde ein Nachfolger für den verstorbenen „Comandante“ gesucht. In Umfragen lag dessen Ziehson Maduro klar vorn.

Schlange vor einem Wahlbüro in Caracas: In Venezuela wird der Nachfolger von Chavez gewählt. Reuters

Schlange vor einem Wahlbüro in Caracas: In Venezuela wird der Nachfolger von Chavez gewählt.

CaracasKnapp sechs Wochen nach dem Tod von Staatschef Hugo Chavez waren die Venezolaner am Sonntag aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Die Bürger entscheiden damit über den künftigen Kurs des ölreichen Landes, das seit Jahren durch Chavez' sozialistische Politik geprägt war.

In Umfragen klar in Führung lag der frühere Außenminister Nicolas Maduro, den Chavez vor seinem Tod Anfang März zum Wunschnachfolger erklärt hatte. Das sicherte dem 50-jährigen Ex-Busfahrer und Gewerkschaftsführer zumindest vorerst die Sympathien der "Chavistas". Maduros zehn Jahre jüngerer Herausforderer Henrique Capriles konnte aber zuletzt aufholen und traut sich selbst einen Überraschungssieg zu.

Wie sich Venezuela unter Chavez entwickelt hat

Wie hat sich die Wirtschaft unter Chavez entwickelt?

Das je Einwohner erwirtschaftete Bruttosozialprodukt ist nach Angaben der Weltbank von 1998 bis 2010 um 6,1 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Von 1974 bis 1998 war es noch um 16 Prozent gefallen. Zu verdanken hat das Venezuela vor allem seinem Öl-Reichtum: Öl und Öl-Produkte machten 2012 rund 96 Prozent der Exporte aus; 1999 waren es lediglich 76 Prozent. Zudem ist der Öl-Preis deutlich gestiegen. Lag er zu Beginn von Chavez' Amtszeit noch bei zehn Dollar je Barrel, sind es jetzt etwa 110 Dollar.

Was sind die Probleme?

Die Inflationsrate gehört zu den höchsten der Welt. Im Februar lag sie bei 32 Prozent. Das staatlich verordnete Tauschverhältnis vom Dollar zum Bolivar von 1 zu 6,3 trifft die Wirtschaft hart und hat zu einem florierenden Schwarzmarkt geführt. Bestimmte Importgüter sind bereits knapp geworden. Dazu kommt, dass die weitgehend verstaatlichte Öl-Industrie teilweise marode ist, weil ausländische Investoren vertrieben wurden. So fiel die Öl-Produktion in der Chavez-Amtszeit von 3,5 auf 2,34 Millionen Barrel pro Tag.

Schwächelt nur die Ölindustrie?

Nein. Der Ausstoß der verstaatlichten Eisenerz-, Stahl- und Aluminiumindustrie fiel 2012 so gering aus wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Einst gehörte Venezuela zu den größten Aluminium-Exporteuren der Welt, inzwischen ist es zum Importland geworden. Der Industrie setzen häufige Stromausfälle zu. So sorgten Dürren in den vergangenen Jahren häufig für Blackouts bei Wasserkraftwerken, weshalb die Behörden die Energie für Industriebetriebe rationierten.

Können die Sozialausgaben weiter finanziert werden?

Aus den Gewinnen des staatlichen Öl-Monopolisten PDVSA flossen zwischen 2004 und 2010 etwa 61,4 Milliarden Dollar in Sozialprogramme. Ob auch künftig so viel Geld sprudelt, ist ungewiss. Die USA als einer der Hauptkunden sind gerade dabei, sich durch die Schieferöl-Förderung (Fracking) unabhängig von Importen zu machen und könnten in wenigen Jahren selbst zum Öl-Exporteur aufsteigen. Dazu kommt, dass die Raffinerien in Venezuela dringend modernisiert werden müssen. 2012 kamen bei einer Explosion in der größten des Landes 40 Menschen ums Leben. Sogar die eigentlich Chavez-freundlichen Gewerkschaften demonstrierten.

Wie steht es um die Beziehungen zu Deutschland?

Deutschland betreffen die Entwicklungen in Venezuela kaum. 2012 wurden lediglich Waren im Wert von 539 Millionen Euro nach Deutschland ausgeliefert. Damit belegt Venezuela in der Rangliste der wichtigsten deutschen Lieferanten lediglich Platz 73, noch hinter Ländern wie Kambodscha und der Elfenbeinküste. Die deutschen Ausfuhren nach Venezuela belaufen sich auf 904 Millionen Euro - das entspricht nicht einmal 0,1 Prozent des gesamten Exportvolumens.

Capriles könnte den seit Chavez Tod amtierenden Präsidenten Maduro in eine Stichwahl zwingen, falls dieser die Marke von 50 Prozent der Wählerstimmen im ersten Anlauf nicht übertrifft. Zuletzt zeigte sich Maduro aber siegessicher: "Wir werden einen gigantischen Sieg erringen", sagte er. Je größer der Abstand zu seinem Herausforderer sei, desto friedlicher werde das Land sein. Sollte ein geringerer Vorsprung herauskommen, liege das nur daran, dass die Opposition einige Venezolaner verwirrt habe.

Im Wahlkampf hatte Maduro betont, er werde den von seinem politischen Ziehvater Chavez geprägten Sozialismus des 21. Jahrhundert vorantreiben. Er sprach aber auch Schattenseiten in dem Opec-Land an - allen voran Korruption und Vetternwirtschaft in den Staatsbetrieben sowie die hohe Mordrate. Wahlberechtigt waren insgesamt 18,9 Millionen Venezolaner.

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Der Wahlkampf war geprägt von schrillen Tönen und Unterstellungen. Regierung und Opposition warfen sich gegenseitig schmutzige Tricks vor. So spielte Maduro mit Macho-Sprüchen auf eine angebliche Homosexualität Capriles' an, was dessen Lager empört zurückwies. Zudem mutmaßte Maduro über ein vermeintliches Mordkomplott der USA gegen Capriles, um den Tod des Oppositionskandidaten der Regierung in die Schuhe schieben zu können und damit einen Meinungsumschwung zu bewirken.

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