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02.02.2017

18:54 Uhr

Präsidentschaftskandidat in Frankreich

Auch gegen Fillons Kinder wird ermittelt

Die Affäre um gut dotierte Parlamentsjobs seiner Frau und seiner Kinder droht die Präsidentschaftskandidatur von François Fillon zu Fall zu bringen. Die Staatsanwaltschaft soll nun auch gegen seine Kinder ermitteln.

Der konservative französische Präsidentschaftskandidat Francois Fillon (r.) und seine Frau Penelope. dpa

Francois Fillon und Penelope Fillon

Der konservative französische Präsidentschaftskandidat Francois Fillon (r.) und seine Frau Penelope.

ParisIn Frankreich wächst der Druck auf den konservativen Francois Fillon, seine skandalerschütterte Präsidentschaftskandidatur aufzugeben. Am Donnerstag forderten erste Parteikollegen den 62-Jährigen offen auf, sich aus dem Rennen um den Elysee-Palast zurückzuziehen. Sie fürchten, dass die Affäre um eine mutmaßliche Scheinbeschäftigung von Fillons Ehefrau Penelope die Wähler in die Arme seiner Rivalen Marine Le Pen und Emmanuel Macron treiben könnte. Tatsächlich verliert Fillon Umfragen zufolge durch „Penelopegate“ massiv an Rückhalt unter den Franzosen. Zuletzt wurden zudem die Ermittlungen gegen ihn Insidern zufolge ausgeweitet. Demnach werden nun auch Zahlungen an zwei seiner Kinder unter die Lupe genommen.

„Ich denke, unser Kandidat muss aufhören“, sagte der konservative Senator Alain Houpert. Auch wenn die Konservativen Fillon bislang nicht geschlossen zur Aufgabe aufgefordert haben, mehren sich die Stimmen derer, die ihn nicht mehr unterstützen wollen. "Viele denken bereits über einen Plan B nach", sagte ein Parlamentarier, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Auch die Geduld vieler Wähler mit Fillon, dem bisherigen Favoriten für den Einzug in den Elysee-Palast, ist einer Umfrage zu Ende: In der jüngsten Erhebung des Instituts Harris Interactive sprachen sich 69 Prozent der Befragten für einen Rückzug Fillons aus. Fillon wird zur Last gelegt, seine Frau zum Schein als Assistentin angestellt und mit Hunderttausenden Euro aus der Staatskasse entlohnt zu haben.

Neben seiner Frau Penelope ermittele die Staatsanwaltschaft mittlerweile auch gegen seine Kinder Charles und Marie, erfuhr die Nachrichtenagentur AP am Donnerstag aus Ermittlerkreisen.

Die Voruntersuchung geht dem Verdacht nach, dass Penelope Fillon und deren Kinder von dem langjährigen Spitzenpolitiker auf Kosten der Steuerzahler im Parlament beschäftigt wurden, ohne dafür zu arbeiten. Auslöser der Ermittlungen war ein Bericht in der französischen Zeitung „Canard Enchaine“. Demnach soll Penelope Fillon über einen Zeitraum von 15 Jahren im Parlament 830.000 Euro verdient haben.

Frankreich: Fillon soll Kandidatur für Präsidentenamt fallen lassen

Frankreich

Fillon soll Kandidatur für Präsidentenamt fallen lassen

Die Mehrheit der Franzosen hat sich in einer Umfrage dafür ausgesprochen, dass Francois Fillon seine Kandidatur für das Präsidentenamt aufgeben soll. Fillon soll seine Ehefrau zum Schein als Assistentin angestellt haben.

Die Kinder Marie und Charles seien zudem als Fillons Parlamentsgehilfen angestellt gewesen, als er von 2005 bis 2007 Senator war. Gemeinsam hätten sie 84.000 Euro verdient, berichtete das Blatt. Fillon sagte zu seiner Verteidigung, er habe seine Kinder als Anwälte für „spezifische Aufgaben“ eingesetzt. Nach Angaben französischer Medien studierten Charles und Marie zu dieser Zeit allerdings noch Jura und waren im Parlament in Vollzeit beschäftigt.

Die Vorwürfe, dass Fillon seine politischen Kontakte nutzte, um seine Familie zu bereichern, nagen am Image des Konservativen, der eigentlich als katholischer Saubermann gilt. Sie könnten seine Ambitionen auf das Präsidentenamt zerschlagen. Bis die Anschuldigungen bekannt wurden, hatten Umfragen eine Stichwahl zwischen ihm und Marine le Pen von der rechtsextremen Front National vorausgesagt.

Zusätzlich könnte Fillon ein Interview seiner Frau aus dem Jahr 2007 belasten, das der öffentlich-rechtliche Fernsehsender France Télévisions am Donnerstagabend ausstrahlen wollte und in dem die Frau des damaligen Premierministers gesagt haben soll, sie habe nie als dessen Assistentin gearbeitet. Das würde Angaben Fillons widersprechen, seine Frau habe offiziell als Parlamentsmitarbeiterin für ihn gearbeitet und deshalb auch ihr Gehalt legal verdient.

Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen in Frankreich

Marine Le Pen

Die Vorsitzende der rechtsextremen Front National vertritt radikale Positionen im Hinblick auf Europa und Ausländer. In Umfragen für die erste Wahlrunde im April liegt die 48-Jährige mit mindestens 25 Prozent regelmäßig vorne. Aktuell hat sie Ärger mit dem Europaparlament. Das Parlament hatte moniert, dass ein Mitarbeiter von Le Pens Partei regelwidrig aus Mitteln der europäischen Volksvertretung bezahlt worden sei und forderte gut 298 000 Euro. Die erste Frist jedoch, ließ Le Pen verstreichen.

Emmanuel Macron

Der 39-Jährige ehemalige Wirtschaftsminister gewinnt immer mehr Sympathiepunkte und liegt in Umfragen inzwischen bei über 20 Prozent. Macron diente zwar im Élysée unter Präsident François Hollande, das Parteibuch der Sozialisten hat der smarte Politstar aber schon lange abgegeben. Klar einzuordnen ist er bisher nicht, am ehesten ist er ein Liberaler, der dem Einzelnen seine Freiheit zugestehen will. Macron fordert lautstark, das Verhältnis zum wichtigsten EU-Partner Deutschland zu verbessern: „Man kommt in Europa nicht voran, wenn man gegen die Deutschen ist“, sagte er dem Radiosender France Inter.

Benoit Hamon

Der Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten, Benoit Hamon, kritisiert den Kurs des sozialistischen Präsidenten Francois Hollande scharf. Umfragen zufolge hat der 49-Jährige aber kaum Chancen, die erste Runde der Präsidentenwahl zu überstehen, bei einer Spaltung der Partei würde dies noch unwahrscheinlicher. Der frühere Bildungsminister fordert unter anderem ein Grundeinkommen für alle Franzosen. Außerdem möchte er die Arbeitsmarktreform zurückdrehen, die Ex-Premierminister Manuel Valls durchs Parlament gepeitscht hatte. Selbst vielen Mitgliedern seiner Partei gilt Hamon als zu links.

Jean-Lus Mélenchon

Mit 65 Jahren ist der Linkenführer der älteste unter den wichtigen Kandidaten. Der von der kommunistischen Partei (PCF) unterstützte Anwärter dürfte laut Umfragen bei der ersten Runde mindestens zehn Prozent der Stimmen erhalten. Mélenchon gilt als brillanter Redner und ist ein harter Kritiker der deutschen Sparpolitik.

Am Donnerstag stellten sich 17 führende konservative Politiker öffentlich hinter Fillon und gegen, wie sie erklärten, den Versuch, seine Kandidatur zu beerdigen. „Sie werfen einem Mann, seine Frau, seine Kinder, seine Kollegen, den Wölfen vor, ohne auf ihre Argumente zu hören oder ihre Verteidigung anzuhören“, hieß es in einem Gastbeitrag der Politiker in der Tageszeitung „Le Figaro“. Unterzeichnet war der Text unter anderem von Ex-Premierminister Jean-Pierre Raffarin.

Fillon hatte sich in den Vorwahlen gegen Ex-Präsident Nicolas Sarkozy und den ehemaligen Regierungschef Alain Juppé durchgesetzt und eigentlich gehofft, das Popularitätstief der Sozialisten unter dem scheidenden Staatschef François Hollande nutzen zu können. Stattdessen kann sich nun neben Le Pen auch der unabhängige Kandidat Emanuel Macron Hoffnungen machen, bei der ersten Runde der Wahl im April die Stichwahl zu erreichen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

02.02.2017, 15:28 Uhr

Fillon hat doch überhaupt keine Chancen mehr. Der ist durch!
Es läuft alles auf Le Pen als neue Präsidentin von Frankreich hinaus.

Novi Prinz

02.02.2017, 17:46 Uhr

Fillon , le Filou ? Ohlalala ...

Account gelöscht!

02.02.2017, 18:34 Uhr

Le Pen ? Da sei die Briefwahl vor, kennt man doch.

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