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18.04.2014

10:03 Uhr

Präsidentschaftswahl

Bouteflikas Anhänger feiern in Algerien

Die Wahllokale sind noch nicht einmal geschlossen, doch die Anhänger des amtierenden Präsidenten in Algerien feiern schon seine Wiederwahl. Die Opposition will das Ergebnis wegen „massiven Betrugs“ nicht anerkennen.

Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika: Zwei Jahre lang trat er aufgrund von Krankheit nicht in die Öffentlichkeit. Am Donnerstag wählte er. Reuters

Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika: Zwei Jahre lang trat er aufgrund von Krankheit nicht in die Öffentlichkeit. Am Donnerstag wählte er.

AlgierDie Ergebnisse der Präsidentschaftswahl in Algerien werden zwar erst am Freitagnachmittag erwartet, Anhänger des 77-jährigen Staatschefs Abdelaziz Bouteflika haben aber schon in der Nacht seinen Sprung in eine vierte Amtszeit gefeiert. Bouteflikas Hauptrivale, Ex-Regierungschef Ali Benflis, kündigte unterdessen an, er werde das Ergebnis wegen „massiven Betrugs und gravierender Unregelmäßigkeiten“ nicht anerkennen. Die Beteiligung sank nach offiziellen Angaben auf gut 50 Prozent.

Fast 23 Millionen Menschen waren am Donnerstag aufgerufen, einen neuen Präsidenten für den öl- und gasreichen Maghreb-Staat zu wählen. Trotz seiner nach einem Schlaganfall angeschlagenen Gesundheit und obwohl er im Wahlkampf nicht aufgetreten war, galt Bouteflika als klarer Favorit. Er zeigte sich am Donnerstag im Rollstuhl, als er seine Stimme abgab. Es war der erste öffentliche Auftritt seit zwei Jahren.

Der Konflikt in Algerien

Die radikale islamische Organisationen

In Algerien sind seit langem radikale islamische Organisationen aktiv. Anfang der 1990er Jahre entbrannte ein blutiger Konflikt zwischen Regierung und Fundamentalisten in dem nordafrikanischen Land.

Der Bürgerkrieg

Als sich während der Wahl im Dezember 1991 ein Sieg der Islamisten abzeichnete, brach die Armee die Wahl ab. In dem anschließenden Bürgerkrieg sollen bis zu 150 000 Menschen getötet worden sein.

Die radikal-islamische Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC)

Der seit 1999 amtierende Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika leitete in Algerien eine Politik der nationalen Versöhnung mit einer Generalamnestie für umkehrwillige Terroristen ein. Die radikal-islamische Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) setzte jedoch ihre Anschläge fort.

El Kaida im islamischen Maghreb (AQMI)

Die Terrororganisation, die sich seit Anfang 2007 El Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) nennt, sorgte mit schweren Anschlägen immer wieder für Schlagzeilen. Sie ist mittlerweile in der ganzen Region aktiv. Die algerische Sicherheitskräfte konnten zwar die terroristischen Aktivitäten eindämmen, aber die AQMI stellt weiter eine Bedrohung dar.

Ergebnisse wurden für Freitagnachmittag angekündigt, doch schon nach Schließung der Wahllokale feierten seine Anhänger in der Hauptstadt Algier mit Feuerwerkskörpern und Hupkonzerten. „Wir haben für Frieden gewählt, das ist alles, was wir wollen“, sagte Khadija, eine etwa 50 Jahre alte Witwe, die im Süden Algiers ihre Stimme abgegeben hatte.

Bouteflika ist schon jetzt der am längsten amtierende Präsident des flächenmäßig größten afrikanischen Landes. Von den insgesamt sechs Kandidaten galt Ex-Regierungschef Benflis als sein größter Herausforderer. Dieser kritisierte „massiven Betrug und gravierende Unregelmäßigkeiten“ und sagte, er werde das Ergebnis deswegen nicht anerkennen. Ein Bündnis von Oppositionsparteien hatte zum Boykott aufgerufen. Die Zeitung „El Watan“ schrieb am Freitag: „Heute Abend wird sich der Vorhang schließen - nach einem geschmacklosen politischen Drama“. Der Wahl mangele es an Glaubwürdigkeit.

Auch wenn viele Algerier Bouteflika zugute halten, dass er nach dem blutigen Bürgerkrieg das gespaltene Land befrieden konnte, gab nur etwa jeder zweite Wahlberechtigte seine Stimme ab. Das Innenministerium nannte in der Nacht eine Beteiligung von 51,7 Prozent. Bei der letzten Präsidentschaftswahl vor fünf Jahren hatten offiziell noch drei von vier Berechtigten gewählt. Am höchsten war die Wahlmüdigkeit in der Region Kabylei mit einer Beteiligung von 25 Prozent. In Algier machten 37 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

In dem autoritär geführten Staat gibt es trotz des Ölreichtums große soziale Probleme, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Korruption grassiert. Zwar kündigte Bouteflika anders als seine Kollegen in den Nachbarstaaten Reformen an, als der Arabische Frühling 2011 die Region erschütterte. Menschenrechtsgruppen kritisieren aber weiterhin eine Unterdrückung von Opposition und Medien.

Von

afp

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