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18.11.2016

08:22 Uhr

Präsidentschaftswahl in Frankreich

Der Außenseiter macht das Rennen

VonThomas Hanke

Vor dem ersten Wahlgang wird die Kandidatensuche der Konservativen in Frankreich spannend. Bei der dritten Fernsehdebatte kann sich im Windschatten von Juppé und Sarkozy ein dritter Politiker nach vorne arbeiten.

Der französische Ex-Premier hat gute Chancen, die Urwahl der Konservativen zu gewinnen. AFP; Files; Francois Guillot

François Fillon

Der französische Ex-Premier hat gute Chancen, die Urwahl der Konservativen zu gewinnen.

ParisFrançois Fillons Mischung aus ruhigem Auftreten, sonorer Stimme und radikalen Reformen, wie dem Abbau von 600.000 Stellen im öffentlichen Dienst, scheint bei den konservativen Wählern gut anzukommen. Umfragen zufolge hat er mittlerweile gute Chancen, die Urwahl zu gewinnen.

Bei der dritten Debatte zwischen den sieben konservativen Kandidaten am Donnerstagabend ging es vor allem um Außen- und Europapolitik. Mit Trump wollte sich keiner anlegen, und fast alle legten großen Wert auf gutes Einvernehmen mit den Russen. Fillon tat alles dafür, seine Position weiter zu verbessern. Wie immer bei solchen Diskussionen ging es für alle Politiker um zwei Dinge: Das eigene Programm möglichst klar rüberbringen und sich gleichzeitig durch das eigene Auftreten, die Körpersprache und die Reaktion auf die Mitbewerber als natürliche Führungsfigur zu präsentieren.

Warum die Vorwahl der französischen Konservativen wichtig ist

1. Der Sieger hat gute Chancen auf den Job im Élysée

Nach viereinhalb schwierigen Jahren mit Wirtschaftsflaute, hoher Arbeitslosigkeit und der verheerenden Terrorserie stehen die Zeichen in Frankreich auf Machtwechsel. Amtsinhaber François Hollande hängt im Umfrage-Keller und ist nach allzu freimütigen Äußerungen gegenüber Journalisten auch im eigenen Lager isoliert. Doch egal, wer für die Sozialisten letztlich ins Rennen geht: Umfragen sagen dem konservativen Kandidaten bislang gute Chancen voraus, im Mai das Ruder in Deutschlands wichtigsten EU-Partner zu übernehmen.

2. Die Wahl entscheidetüber die Strategie gegen Le Pen

In der Vorwahl geht es auch darum, wie die Konservativen sich gegen Rechtspopulistin Marine Le Pen behaupten wollen. Die Front-National-Chefin kann auf den Einzug in die Stichwahl hoffen und wittert nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten Morgenluft. Während Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy mit knallharten Forderungen FN-Themen wie Identität und Sicherheit besetzt, grenzt Favorit Alain Juppé sich klarer ab. Linken Wählern fiele es damit wohl leichter, im zweiten Wahlgang für Juppé zu stimmen, um Le Pen zu verhindern. Ein Sieg der Euro-Kritikerin Le Pen würde die EU in eine tiefe Krise stürzen und könnte populistische Strömungen auch in anderen Ländern stärken. Bislang gilt das als wenig wahrscheinlich – aber auch den Sieg Trumps hatten Umfragen nicht vorhergesehen.

Alain Juppé und Nicolas Sarkozy wirkten gehemmt, hatten offenbar Angst, durch eine überzogene Reaktion, ein arrogant wirkendes Wort, alles verspielen zu können. Juppé, der lange als sicherer Sieger der Primärwahl galt, ist verunsichert durch die jüngsten Umfragen, bei denen er kontinuierlich zurückgefallen ist. Im ersten Wahlgang liegt er mittlerweile praktisch gleichauf mit Sarkozy und Fillon, im zweiten würde den Erhebungen zufolge die Entscheidung zwischen ihm und Fillon sehr knapp, während Sarkozy von beiden Mitbewerbern geschlagen würde. Die Souveränität, die Juppé noch in den ersten beiden Debatten ausstrahlte, war am Donnerstag verflogen.

Sarkozy versuchte in dieser dritten Debatte erneut seine klassische Masche, sich als der Mann mit viel Erfahrung darzustellen, der die Weltwirtschaftskrise 2008/09 meistern musste und als einziger Frankreich in einer gefährlichen Welt vertreten kann. „Frankreich werden keine Geschenke mehr gemacht“, war einer seiner Schlüsselsätze, und „ich habe die Kraft, die Ausdauer und die Erfahrung, um Frankreich zu führen.“ Doch ein Funke sprang nicht über.

Fillon, Premier unter Sarkozy, hat seine Umfragewerte in nur drei Wochen verdoppelt. Sein Programm ist, was die Verschlankung des Staates angeht, radikaler als das der anderen. Er will alle Staatsdiener zwingen, statt 35 künftig 39 Stunden zu arbeiten. Was Europa angeht, ist er realistischer als Sarkozy und Juppé: Er will keinen neuen Vertrag wie der erste und keine „feierliche Erklärung“ wie der zweite, um „Europa neuzugründen“, wie beide unisono sagen. Er will lediglich die Eurozone stärken durch eine Art Regierung, die aber allein aus den monatlich tagenden Staats- und Regierungschefs bestehen soll.

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