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08.09.2016

14:12 Uhr

Präsidentschaftswahl in Frankreich

Fast alle Franzosen gegen erneute Kandidatur Hollandes

Bei allem politischen Streit in Frankreich – einig sind sich die Franzosen, wenn es darum geht, wer nicht Präsident werden soll: Doch Amtsinhaber Francois Hollande scheint davon unbeeindruckt weiter zu machen.

88 Prozent der befragten Franzosen sprachen sich in einer Umfrage dagegen aus, dass der derzeitige Präsident Frankreichs erneut kandidiert. AFP; Files; Francois Guillot

Unbeliebter Präsident

88 Prozent der befragten Franzosen sprachen sich in einer Umfrage dagegen aus, dass der derzeitige Präsident Frankreichs erneut kandidiert.

ParisFast neun von zehn Franzosen sind gegen eine erneute Präsidentschaftskandidatur von Staatschef François Hollande. In einer am Mittwochabend im Nachrichtensender BFMTV veröffentlichten Umfrage sprachen sich 88 Prozent der Franzosen gegen eine Kandidatur des Sozialisten bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr aus. Bei Anhängern des linken Lagers waren 72 Prozent, bei Anhängern der Konservativen 93 Prozent gegen eine Kandidatur.

Knapp acht Monate vor der Präsidentschaftswahl kämpft Hollande mit verheerenden Umfragewerten, er ist so unbeliebt wie kein Präsident vor ihm in Frankreichs jüngerer Geschichte. Umfragen zufolge würde der Sozialist bei einer Kandidatur schon im ersten Wahlgang ausscheiden.

Hollande will erst im Dezember bekanntgegeben offiziell bekannt geben, ob er bei der Wahl im April und Mai 2017 für eine Wiederwahl antritt oder nicht. Weil sich immer mehr Gegner in Stellung bringen, wuchs aber aus seinem Umfeld der Druck, zumindest ein Signal auszusenden, dass er das Vorhaben einer zweiten Amtszeit nicht schon aufgegeben hat.

Frankreich

Bruttoinlandsprodukt

Nach Daten des IMF betrug das französische BIP im vergangenen Jahr rund 2,42 Billionen US-Dollar. Im europäischen Vergleich steht das Land damit an dritter Stelle hinter Spitzenreiter Deutschland und Großbritannien. Was zunächst positiv klingt, erscheint mit Blick in die frühe Vergangenheit gar nicht mehr allzu rosig. Nur ein Jahr zuvor hatte das Bruttoinlandsprodukt noch fast 400 Milliarden US-Dollar mehr auf dem Konto – und stand damit auch vor dem Vereinigten Königreich. Vom Allzeithoch aus dem Jahr 2008 (2,94 Billionen US-Dollar) ist Frankreich ein gutes Stück entfernt.

Einwohnerzahl

Im „französischen Mutterland“ lebten zu Beginn des zurückliegenden Jahres 64.204.247 Menschen. Nimmt man die Überseedépartements Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana, Réunion und Mayotte hinzu, kommt die französische Republik auf über 66,3 Millionen Einwohner. Einer Prognose von Eurostat zufolge wird das zweitbevölkerungsreichste Land Europas bis 2050 sehr nah an die künftigen Zahlen aus Deutschland herankommen – knapp über 74 Millionen Menschen sollen beide Staaten dann jeweils beherbergen.

Bevölkerungsdichte

Mit rund 550 km² ist Frankreich auch ohne die dazugehörigen Überseeinseln und -gebiete bereits das flächenmäßig größte Land in Europa. Dementsprechend viel Platz steht den zahlreichen Franzosen zur Verfügung, was sich auf die Bevölkerungsdichte auswirkt. Mit 117 Einwohnern pro Quadratkilometer befindet sich die Republik so nah am EU-weiten Durchschnitt (116,3) wie kein anderes europäisches Land.

Staatsoberhaupt

Mit der Annahme einer neuen Verfassung im Oktober 1958 wurde in Frankreich die sogenannte „Fünfte Republik“ eingeführt. Beginnend mit Charles de Gaulle standen seither sieben Präsidenten an der Spitze des Staates. Seit Mitte 2012 hat François Hollande das höchste Amt inne, der nach der erfolgreichen Wahl den bis dahin amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy vorzeitig ablöste.

Nationalhymne

Die „Marseillaise“ ist seit 1795 die offizielle französische Nationalhymne. Drei Jahre zuvor wurde sie von Claude Joseph Rouget de Lisle verfasst – allerdings als Kriegserklärung an Österreich. Unter dem Titel „Chant de guerre pour l’armée du Rhin“ („Kriegslied für die Rheinarmee“) war sie dem Oberbefehlshaber und Gouverneur von Straßburg, Nikolaus von Luckner, gewidmet und ertönt bis heute in dessen Geburtsort, Cham in der Oberpflaz, täglich als Glockenspiel auf dem Marktplatz. Das Lied wurde beim Einzug in Paris von Soldaten aus Marseille gesungen, wodurch der bekannte Titel zustande kam.

Das Problem mit den Rechten

Der Name der rechtsradikalen Partei Front National tauchte in der jüngsten Vergangenheit häufig in den Medien auf. Dabei konnte die Partei rund um deren Vorsitzende Marine Le Pen bereits in den 1980er Jahren erste Erfolge verbuchen – und das aus denselben Gründen wie heute. Der wirtschaftliche Pessimismus innerhalb des Landes brachte dem FN zweimal in Folge mindestens einen Sitz in der Nationalversammlung. Aus der Europawahl 2014 ging der FN mit 24,86% der Stimmen als Sieger unter den französischen Parteien hervor. Bei der Präsidentenwahl im nächsten Jahr werden Le Pen gute Ergebnisse prognostiziert – wenngleich es nicht ganz für das Amt reichen solle.

Französische Revolution

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ist nicht nur der Wahlspruch der Republik Haiti sowie der heutigen Französischen Republik, sondern auch das Motto der Französischen Revolution, die ab 1789 grundlegende Werte und Ideen der Aufklärung propagierte und umsetzte. Sie hatte signifikante gesellschaftspolitische Veränderungen auf dem ganzen Kontinent zur Folge. Die heutige französische Verfassung verweist auf die zu jener Zeit entstandene „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ und enthält sonst keinen eigenen Grundrechtekatalog.

Genau diese Andeutung hat Holland am Donnerstagmittag abgegeben. „Ich werde es nicht zulassen, dass das Bild Frankreichs in den kommenden Monaten oder den kommenden Jahren ruiniert wird“, sagte der Sozialist in einer Grundsatzrede zum Thema „Die Demokratie angesichts des Terrorismus“.

Von

afp

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