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31.01.2017

20:59 Uhr

Präsidentschaftswahl in Frankreich

„Miss Moneypenny“ gefährdet Fillons Wahlkampf

VonThomas Hanke

Penelope Fillon, Frau des französischen Präsidentschaftskandidaten, soll mehr Geld als gedacht von ihrem Ehemann erhalten haben. Nachweise ihrer Arbeit fehlen bisher. Auch Fillons Kinder sollen entlohnt worden sein.

Der französische Präsidentschaftskandidat Fillon empörte sich: „Man schwärzt meine Frau an und will dadurch mich brechen, aber sie werden sehen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind!“ AFP; Files; Francois Guillot

Penelope und François Fillon

Der französische Präsidentschaftskandidat Fillon empörte sich: „Man schwärzt meine Frau an und will dadurch mich brechen, aber sie werden sehen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind!“

ParisDer Skandal um die angeblich fiktive Beschäftigung von Penelope Fillon, Gattin des konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon, weitet sich aus. Wenn die Informationen der Wochenzeitung „Le Canard Enchaîné“ zutreffen, hat Fillon im Fernsehen die Unwahrheit gesagt. Seine Frau soll bereits früher als von ihm behauptet aus dem Budget der Nationalversammlung entlohnt worden sein. Insgesamt habe sie nicht 500.000 Euro, sondern 831.000 Euro erhalten.

Die Zeitung hatte den Skandal in der vergangenen Woche mit einem Artikel losgetreten, in dem behauptet wurde, Penelope Fillon sei acht Jahre von der Nationalversammlung als Assistentin von Fillon und seinem Nachrücker Marc Joulaud bezahlt worden und habe rund 500.000 Euro erhalten. Doch finde sich nicht die geringste Spur ihrer Tätigkeit.

Fillon empörte sich: „Das ist eine gewaltige Operation, um mich zu verleumden. Noch nie in der Geschichte der 5. Republik hat es so etwas gegeben – den Versuch, einen Kandidaten anders als durch eine demokratische Wahl auszuschalten. Man schwärzt meine Frau an und will dadurch mich brechen, aber sie werden sehen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind!“ Es sei eine völlig normale Praxis, dass Abgeordnete ihre Familienmitglieder zu Assistenten machen. Das trifft tatsächlich auf rund 100 Volksvertreter zu. Allerdings besteht ein Anspruch auf Bezahlung nur, wenn auch tatsächlich gearbeitet wird.

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Der konservative Präsidentschaftskandidat François Fillon wehrt sich gegen Vorwürfe, seine Frau mit Schein-Jobs versorgt zu haben. Nun schildert das Paar den Ermittlern seine Version.

Die Justizbehörden eröffneten sofort ein Ermittlungsverfahren. Fillon sagte, er werde alle Beweise vorlegen. Schnell werde man sehen, dass es sich um haltlose und böswillige Anschuldigungen handle. „Meine Frau hat von Anfang an für mich gearbeitet“, sagte Fillon am 27. Januar im Fernsehen. „Sie machte für mich eine Presseschau, sie empfing Personen für mich, die ich nicht empfangen konnte, sie vertrat mich.“ Zunächst habe er sie nicht bezahlt. „1997 hat ein Mitarbeiter gekündigt, daraufhin habe ich Penelope zu meiner (bezahlten) Mitarbeiterin gemacht.“ Beweise legte Fillon allerdings nicht vor. Frau Fillon hatte noch in der jüngsten Vergangenheit gesagt, sie habe sich von der politischen Arbeit ihres Mannes stets ferngehalten.

Dem Canard zufolge hat Fillon im TV nicht die Wahrheit gesagt. „Miss Moneypenny“, so die Zeitung, soll nicht erst ab 1997, sondern schon ab 1988 – drei Jahre lang – von der Nationalversammlung als seine Assistentin bezahlt worden sein. In der Zeit habe sie 83.000 Euro erhalten. In den 90er-Jahren seien weitere Zeiträume gefolgt, in denen die aus Wales stammende Frau des damaligen Abgeordneten entlohnt wurde. Insgesamt habe sie aus den Kassen der Nationalversammlung nicht 500.000 Euro, sondern 831.000 Euro erhalten.

Am Montag wurde das Ehepaar Fillon fünf Stunden lang verhört. Einzelheiten der Vernehmung wurden nicht bekannt. Am Dienstag durchsuchten Angehörige der Justizpolizei Fillons Büro in der Nationalversammlung. Dabei hätten sie Arbeitsverträge von Frau Fillon, ihren Dienstausweis und eine amtliche Mailadresse gesucht. Zumindest die beiden letzteren möglichen Anhaltspunkte für eine echte Beschäftigung habe man nicht gefunden, will die Tageszeitung „Le Parisien“ erfahren haben.

Kommentare (1)

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Unbekannt

01.02.2017, 09:27 Uhr

Ich verstehe die Aufregung der Franzosen nicht. Wenn demnächst die Euro-Bonds eingeführt sind, zahlen doch die Deutschen für diese Korruption.

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