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14.06.2013

06:49 Uhr

Präsidentschaftswahl

Irans letzte Chance

VonMartin Gehlen

Da sich die Konservativen bekriegen, hofft ein gemäßigter Kandidat, die Präsidentenwahl in Iran zu gewinnen. Die Chancen sind sehr gering - aber einen Kurswechsel hätte das Land bitter nötig. Es ist praktisch bankrott.

Mohammed Bagher Ghalibaf in Teheran: Er ist einer von zwei konservativen Kandidaten. ap

Mohammed Bagher Ghalibaf in Teheran: Er ist einer von zwei konservativen Kandidaten.

KairoWirklich etwas zu bieten hatte keiner der versammelten iranischen Präsidentschaftskandidaten. Ratlosigkeit und leere Worte dominierten, als die Bewerber im Wahlkampf vier Stunden lang im Fernsehen über die Wirtschaftskrise im Land debattierten. Blumig schwärmten Hardliner wie Atomunterhändler Said Dschalili von einer neuen „Wirtschaftspolitik des Widerstands“. Der moderate Kandidat Hassan Rowhani versprach der Bevölkerung, er werde sich als Präsident ihrer Sorgen annehmen, ohne zu sagen, was er tun will. Denn wie bedrohlich die Probleme wirklich sind, versucht der Iran seit Jahren zu verschleiern.

Die einheimischen Medien wurden streng vergattert, nicht über die Wirkungen der Sanktionen zu berichten und kein negatives Klima zu verbreiten. In Wirklichkeit aber geht es seit dem von Amerika und Europa organisierten Boykott von Ölimporten und Finanztransfers in allen Bereichen rapide bergab.

Nach internen Dokumenten, die die iranische Oppositionsgruppe „Grüne Welle“ in Paris diese Woche veröffentlichte, ist die Islamische Republik praktisch bankrott, und das Regime plant ein ganzes Bündel drastischer Einschnitte für die Bevölkerung. Aber erst nach der Wahl.

Die vier Hauptkandidaten bei der Präsidentenwahl

Ali-Akbar Welajati

Wenn alles nach Plan läuft, ist der konservative Politiker der sichere Sieger. Alle Vorzeichen sprechen für ihn. Als ehemaliger Außenminister hat er die Voraussetzungen für eine solide diplomatische Arbeit. Wegen seiner Funktion als Berater des obersten Führers, Ajatollah Ali Chamenei, ist ihm die Unterstützung des Klerus und gesamten Establishments sicher. Im Atomstreit setzt der 67-jährige Kinderarzt auf eine „kalkulierte Diplomatie“, um weitere Konfrontationen mit dem Westen zu vermeiden. Welajati ist zwar konservativ und regimetreu, wird aber wegen seiner langjährigen Erfahrung als Außenminister als pragmatisch eingestuft.

Said Dschalili

Gilt als einer der Geheimfavoriten. Als Atomchefunterhändler von Präsident Mahmud Ahmadinedschad könnte er sowohl die Stimmen von dessen Anhängern als auch die von konservativen Wählern bekommen. Der 47-jährige Politologe, der im Iran-Irak-Krieg (1980-1988) einen Teil seines rechten Beines verlor, wird von Beobachtern als Hardliner eingestuft. Er ist gegen eine Annäherung an den Westen und Kompromisse im Atomstreit mit der internationalen Gemeinschaft. Mit seinen Wahlslogans „Widerstand ist unser erstes und letztes Wort“ und „Weder Kompromiss noch Nachgiebigkeit“ kommt er besonders bei den Islamisten im Land gut an.

Mohammed Bagher Ghalibaf

Ist definitiv der beliebteste unter den acht Kandidaten. Als Bürgermeister Teherans wird er in der Hauptstadt als „Mann fürs Praktische“ oder „Macher“ bezeichnet. Der 51-jährige General und Kriegsveteran ist einer der konservativen Kandidaten im Präsidentschaftsrennen. Wegen seiner Erfolgsbilanz als Polizeichef, besonders im Kampf gegen Drogenschmuggel, wurde er 2005 zum Bürgermeister in Teheran gewählt. Auch in dieser Funktion konnte er mit zahlreichen Reformprojekten überzeugen. Seine Popularität ist jedoch mehr auf die Hauptstadt Teheran begrenzt.

Hassan Rowhani

Der ehemalige iranische Atomchefunterhändler gilt zwar nicht als Reformer, er ist aber Kandidat des Reformlagers. Nach acht Jahren politischer Abstinenz will er als Präsident ein Ende der internationalen Isolation des Landes erreichen. Der Wahlslogan des moderaten Klerikers ist „Besonnenheit und Hoffnung“. Mit seiner Erfahrung als ehemaliger Chefunterhändler will der 64-Jährige auch den Atomstreit mit dem Westen schlichten. Seine Visitenkarte für den Westen: Unter seiner Leitung stellte der Iran 2005 sein Programm zur Anreicherung von Uran kurzfristig ein.

Sechs Kandidaten kämpfen an diesem Freitag um die Nachfolge von Mahmud Ahmadinedschad als Präsident. Dabei wird ein Vierkampf zwischen den beiden Konservativen Ali-Akbar Welajati und Mohammed Bagher Ghalibaf, dem Hardliner Said Dschalili und dem Kandidaten des Reformerlagers, Hassan Rowhani, erwartet. Keiner von ihnen will einen abrupten Kurswechsel im Atomstreit mit dem Westen. Den beiden unabhängigen Bewerbern werden keine Chancen eingeräumt.

Trotz Absprachen gab es bei den Konservativen bis zum Ende des Wahlkampfes keinen Konsens. Daher könnten sich der ehemalige Außenminister Welajati und Teherans Bürgermeister Ghalibaf gegenseitig die Stimmen wegnehmen. Damit steigen die Chancen des Moderaten Rowhani. Allerdings: wenn keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit bekommt, wird es eine Woche später eine Stichwahl geben. Und sollte es Rowhani bis dahin schaffen, müsste er den verbliebenden Vertreter der Konservativen schlagen. Kaum zu glaube, dass ihm das gelingt - zumal eine Manipulation der Wahl alles andere als ausgeschlossen ist.

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Kommentare (10)

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Freidenker

14.06.2013, 09:57 Uhr

Das Land ist deshalb auch bankrott, weil der Westen, die EU in der Springer das Sagen hat! es gezielt aushungert und boykottiert!! Und das alles wegen dem Öl!!

Die USA hatte einst das Land gestürzt und eine Marionette installiert. Davor ging es allen Iranern gut! Man muß sich nur mal mit Leuten aus dem Iran unterhalten.

Der Westen kotzt einen nur noch an!! Und das HB sollte mal besser recherieren!

Die Wirtschaft liegt am Boden - eine Folge der Sanktionen. Das trifft vor allem die Schwächsten: Medikamente sind unbezahlbar.

http://www.tagesschau.de/ausland/iran-sanktionen100.html

Die Superreichen wollen Krieg! Da sie ja meinen der Planet habe zuviel Bevölkerung. Dabei gehts nur um Rohstoffe und Profit!! Der Iran hat, wenn überhaupt Atomwaffen, wahrscheinlich weniger als Israel! Die größte Bedrohung geht von Isreal aus. Auch wenn das keiner hören will.

Der entfesselte Kapitalismus mit seinem Raubbau an Mensch und Natur wird den Planeten und die Menschheit vernichten.

Account gelöscht!

14.06.2013, 10:34 Uhr

Zum bombenbauen und für Raketen der revolutionären Garden reichts aber. Daran hat bestimmt auch der westen und die USA schuld

propaganda

14.06.2013, 10:55 Uhr

das gleich wurde uns auch über rußland erzählt ,wenig später über china

wer im glashaus sitzt sollte nicht mit steinen werfen.

hier im HB wird doch täglich mit dem untergang des abendlandes gedroht,wenn die EZB keine stattsanleihen kauft

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