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25.05.2012

15:27 Uhr

Präsidentschaftswahl

Muslimbrüder reklamieren Wahlsieg in Ägypten

Die radikal-islamischen Muslimbrüder haben ihren Kandidaten zum Sieger der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Ägypten erklärt. Der neue Präsident wird in einer Stichwahl Mitte Juni gekürt.

Muslimbrüder siegessicher

Video: Muslimbrüder siegessicher

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Washington/KairoDer Kampf um die Nachfolge des im Vorjahr entmachteten ägyptischen Langzeitpräsidenten Husni Mubarak wird erst in drei Wochen entschieden. Nachdem der Kandidat der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, am Freitag die erste Runde der historischen Präsidentenwahl in Ägypten für sich entschieden hatte, stellt er sich am 16. und 17. Juni mit dem früheren Mubarak- Ministerpräsidenten Ahmed Schafik einer Stichwahl. Ein Mitglied der Wahlkommission sagte am Freitag in Kairo, die beiden Politiker lägen nach der Auszählung von 90 Prozent der Stimmen mit Abstand vor den Mitbewerbern. Das offizielle Ergebnis der Wahl werde erst am Sonntag veröffentlicht, fügte er hinzu.

Die Muslimbrüder, die seit den Parlamentswahlen zur Jahreswende bereits die größte Fraktion in der Volksvertretung stellen, feierten ihren Kandidaten Mursi schon in der Nacht zum Freitag als Sieger. Er werde mit Schafik in die Stichwahl gehen, erklärte Mursi am Freitagvormittag auf einer Pressekonferenz in Kairo.

52 Millionen Ägypter waren am Mittwoch und Donnerstag dazu aufgerufen, einen Nachfolger für den im Februar 2011 gestürzten Langzeit-Präsidenten Husni Mubarak zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag nach inoffiziellen Angaben bei rund 50 Prozent.

Zwölf Kandidaten standen zur Abstimmung. Der künftige Präsident, der die sechs Jahrzehnte lange Vorherrschaft von Staatschefs aus den Reihen des Militärs beenden soll, wird erst nach einer Stichwahl am 16. und 17. Juni feststehen. Da noch an einer neuen Verfassung gearbeitet wird, sind die genauen Befugnisse und Pflichten des Präsidenten noch unklar.

Die Muslimbrüder, die bereits die größte Fraktion im Parlament stellen, feierten ihren Kandidaten Mursi in der Nacht zum Freitag schon als Sieger. Die Islamisten-Organisation erklärte, nach Auszählung der Hälfte der Stimmen liege ihr Kandidat mit 30,8 Prozent an erster Stelle vor Schafik mit 22,3 Prozent. Er werde mit Schafik in die Stichwahl gehen, erklärte Mursi am Freitagvormittag auf einer Pressekonferenz in Kairo.

Die staatliche Tageszeitung „Al-Ahram“ sah am Freitagmorgen gleichfalls Mursi mit 35,4 Prozent der Stimmen vorne, gefolgt von Schafik mit 29,3 Prozent. Nach dieser Auswertung kamen Abul Futuh auf 24,3 Prozent und der linke Aktivist Hamdien Sabbahi auf 18,8 Prozent der Stimmen.

Die Wahl am Mittwoch und Donnerstag verlief weitgehend friedlich. Bei tätlichen Auseinandersetzungen vor Wahllokalen wurden nach offiziellen Angaben 61 Menschen verletzt. Zwei Personen starben an Herzinfarkten bei der Stimmabgabe. Ägyptische Wahlbeobachter berichteten aber auch von Stimmenkauf und Wählermanipulation in zahlreichen Wahllokalen. Beschwerden über Unregelmäßigkeiten gab es jedoch bislang nicht.

Die Wahllokale blieben am Donnerstag eine Stunde länger auf, bis 21 Uhr. Hatten sich am Mittwoch, dem ersten Wahltag, vor vielen Wahllokalen noch lange Schlangen gebildet, so war der Zulauf am zweiten Tag deutlich geringer. „Die Stimmabgabe verläuft im ganzen Land ruhig“, erklärte Mohammed Abdel Hadi, ein Mitglied der Richterkommission, die den Urnengang überwachte. Wahlbeobachter stellten aber auch Unregelmäßigkeiten wie Stimmenkauf und unerlaubte Wählerbeeinflussung in und vor den Wahllokalen fest.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

25.05.2012, 11:31 Uhr

Das Mittelalter hat wieder gesiegt. Vor Seuchen und Hunger, was damals dazugehörte bewahrt sie ja der Westen. Dann kanns ja so weitergehen.

Account gelöscht!

25.05.2012, 11:55 Uhr

Die armen Kopten!
Da kann man einmal sehen, was passiert, wenn sich der fundamentalistische Islam durchsetzt.
Sollte bei uns in Europa der Islam weiterhin derart hofiert und gefördert werden, können wir hier gut erkennen, wohin das auch bei uns eines Tages führen wird.
Nicht mehr, sondern weniger Freiheit. Kein "Rechtssystem" demokratischer Prägung mehr, sondern zurück zur Steinzeit unter der Sharia!

Guest

25.05.2012, 12:29 Uhr

"Die staatliche Tageszeitung „Al-Ahram“ sah am Freitagmorgen gleichfalls Mursi mit 35,4 Prozent der Stimmen vorne, gefolgt von Schafik mit 29,3 Prozent. Nach dieser Auswertung kamen Abul Futuh auf 24,3 Prozent und der linke Aktivist Hamdien Sabbahi auf 18,8 Prozent der Stimmen."

-> Macht zusammen 107,8%!!
Ob die Wahl wohl wirklich demokratisch und korrekt ablief?
Oder ist das der Qualität des HB geschuldet?

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