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07.05.2014

12:31 Uhr

Präsidentschaftswahlen

Südafrikas Jugend zufrieden mit ANC

Südafrika wählt am (heutigen) Mittwoch ein neues Parlament. Vor allem die Jungen unter den 25 Millionen Wählern sind unzufrieden mit Staatschef Zuma.

Südafrikanische Wähler vor den Wahllokalen: Vielerorts bilden sich Schlangen. ap

Südafrikanische Wähler vor den Wahllokalen: Vielerorts bilden sich Schlangen.

JohannesburgPhakisho Mojaplo ist 20 Jahre alt und hat die Apartheid nie am eigenen Leib zu spüren bekommen. Die südafrikanische Studentin, die am Mittwoch das erste Mal zur Wahl gehen wird, ist unzufrieden mit dem regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC). Zwar weiß sie die vielen Fortschritte seit dem Ende der Rassentrennung zu schätzen, aber sie hat genug von Korruption und Vetternwirtschaft im Land. „Ich bin sauer über die Korruption und darüber, dass die Partei nichts dagegen tut“, sagt Majaplo, die an der Universität von Johannesburg studiert und befürchtet, nach dem Abschluss keine Arbeit zu finden. Der ANC habe seine Zusagen nicht eingehalten, die korrupten Geschäfte zu beenden und die Grundversorgung aller Bürger sicherzustellen. So wie die Studentin denken viele junge Leute in Südafrika, „born frees“ genannt, aber das wird einen Wahlsieg des ANC nicht verhindern.

In den vergangenen Jahren waren immer wieder Mitglieder der Regierungspartei in Korruptionsskandale verwickelt. Sie beschädigten das Ansehen einer Bewegung, die unter dem kürzlich verstorbenen Nelson Mandela die Apartheid bekämpfte und das Land in die Demokratie führte. Derzeit muss sich Präsident Jacob Zuma dafür rechtfertigen, 20 Millionen Dollar aus der Staatskasse für sein Privathaus ausgegeben zu haben. Er bestreitet jegliches Fehlverhalten und hat angekündigt, entschlossen gegen Korruption vorzugehen.

Südafrika – Land der Gegensätze

Die Regenbogennation...

... wird Südafrika genannt, weil das Land mit seinen gut 50 Millionen Einwohnern ethnisch sehr gemischt ist. Das führt und führte immer wieder zu Konflikten zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, etwa zwischen der nichteuropäischen Mehrheitsbevölkerung und den europäischstämmigen, meist weißen Einwanderern.

Der Wirtschaftsmotor...

... des gesamten afrikanischen Kontinents ist Südafrika. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 400 Milliarden US-Dollar ist das Land die größte Volkswirtschaft Afrikas und gehört der G8+5 an. Die Staatsverschuldung lag 2012 bei 43,3 Prozent des BIP – also vergleichsweise niedrig, die Inflationsrate betrug fünf bis sechs Prozent.

Die Kehrseite der Medaille...

... sind noch immer massive Unterschiede beim Wohlstand. Der Gini-Koeffizient als Maß für das Ungleichgewicht bei Einkommen und Konsum gehören jeweils zu den höchsten weltweit. Die Arbeitslosigkeit liegt weit über 20 Prozent. Noch immer sind Schwarze, wenn auch nicht mehr rechtlich, benachteiligt. Die Armutsquote steigt. Viele Fachkräfte, insbesondere Ärzte und Ingenieure, wandern aus.

Die Apartheid...

... hat die Nation an der Südspitze Afrikas massiv geprägt. Eingeführt wurde sie nach ihrem Wahlsieg 1948 von der National Party, der Partei der meist niederländischstämmigen Buren. Die massive Diskriminierung, Benachteiligung und Herabwürdigung der schwarzen Bevökerung existierte bis 1990. Nach mehr als 40 Jahren meist friedlichem Kampf der benachteiligten Bevölkerungsmehrheit unter politischen Führern wie Nelson Mandela brach das System schließlich zusammen.

Das Ende des autoritär geführten Systems...

... mündete 1994 in die ersten Parlamentswahlen mit einem gleichen Wahlrecht für alle Bürger und veränderten das politische Leben im Land grundlegend. Nelson Mandela wurde am 27. April 1994 zum zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Er starb 2013.

Die Weißen...

... machen nur knapp neun Prozent der Bevölkerung aus, die hauptsächlich sind es Nachfahren niederländischer, deutscher, französischer und britischer Einwanderer sind, die ab Mitte des 17. Jahrhunderts nach Südafrika immigrierten. Die Zahl der europäischstämmigen Bevölkerung nimmt sinkt kontinuierlich. Fast eine Million Weiße haben seit den 90er-Jahren haben das Land verlassen.

Die Schwarzen...

... stellen knapp 80 Prozent der gesamten Bevölkerung und teilen sich in verschiedene Volksgruppen auf, etwa die Zulu, Xhosa, Basotho, Venda, Tswana, Tsonga, Swazi und Ndebele.

Knapp neun Prozent...

... machen die sogenannten Coloureds (Farbige) aus. Sie sind meist die Nachkommen der ersten europäischen Siedler, deren Sklaven und der ursprünglich in Südafrika lebenden Völker, zu einem kleineren Teil auch von eingewanderten Asiaten.

Asiaten...

... machen 2,5 Prozent der Bevölkerung aus. Der Großteil kommt ursprünglich aus Indien und ist Mitte des 19. Jahrhunderts ins Land geholt worden, um auf den Zuckerrohrfeldern zu arbeiten.

„Wir werden die Geschäfte von Behördenmitarbeitern mit der Regierung einschränken und wir werden Amtsträger für die Verluste, die durch Korruption entstehen, zur Rechenschaft ziehen“, kündigte der Präsident an. Am Mittwoch können rund 25 Millionen Wähler, die sich für die Abstimmung registrieren ließen, darüber entscheiden, ob sie Zuma weiter vertrauen. Die Parlamentswahl entscheidet auch über den zukünftigen Staats- und Regierungschef des Landes. Etwa 22 000 Wahllokale werden geöffnet sein, dazu mehrere Dutzend Fahrzeuge, die als mobile Wahllokale dienen und auch den Bewohnern entlegener Gebiete die Möglichkeit geben sollen, ihre Stimme abzugeben. Von den Wahlberechtigten zwischen 18 und 19 Jahren haben sich 650 000 registrieren lassen - etwa ein Drittel der Stimmberechtigten in dieser Altersgruppe.

Bei der letzten Parlamentswahl 2009 verpasste der ANC nur knapp die Zwei-Drittel-Mehrheit. Seine größten Rivalen um die Gunst der Wähler sind die Demokratische Allianz (DA) unter Führung der ehemaligen Journalistin und Anti-Apartheid-Aktivistin Helen Zille und die Economic Freedom Fighters (EFF) von Julius Malema, dem früheren Präsidenten der ANC-Jugend.

Der ehemalige Chef des südafrikanischen Geheimdienstes, Ronnie Kasrils, gehört zu den politisch Enttäuschten und hat die Wähler aufgefordert, entweder ungültige Stimmzettel abzugeben oder für die Opposition zu stimmen. Der ANC forderte die Menschen dagegen auf, sich an der Wahl zu beteiligen. Die Partei verwies auf die Opfer all derer, die jahrzehntelang für die Demokratie gekämpft hätten. „Für uns ist die Wahl ein begehrter Preis, der unter schwierigen und schmerzhaften Bedingungen verdient wurde“, erklärte der ANC.

Matthew Mundell, ein 20 Jahre alter Student der Fotografie, glaubt, dass die Führung der Regierungspartei gescheitert ist, auch wenn er den ANC nicht vollständig ablehnt, wie er sagt. Dieser habe schließlich seit 1994 viel erreicht und ihm verdanke er es, dass er gemeinsam mit Menschen anderer Hautfarben lernen dürfe. „Ich habe die Chance, verschiedene Kulturen kennenzulernen, verschiedene Familie und das ist wirklich interessant, das hat meinen Horizont erweitert.“

Die Studentin Mojaplo lebt im Township Alexandra, ganz in der Nähe der Villengegend Sandton in Johannesburg. Dieser Kontrast zwischen Arm und Reich ist in Südafrika immer wieder zu finden. „Sie haben keine neuen Häuser geliefert“, wirft Mojaplo dem ANC vor. „Wir in Alex leben immer noch in Hütten. Es ist eng, wir teilen uns Toiletten und es gibt immer noch Familien, die keinen Strom haben.“

Von

ap

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

07.05.2014, 13:23 Uhr

Wen außer den ANC sollte die schwarze Bevölkerung denn wählen? Villeicht eine weisse Partei? Sollte D in 30 Jahren als islamische Rebublik sofort erkemnnnbar sein,dann werden Muslime auch nur eine Muslimische Partei wählen. Vermutlich wird die erste dieser Parteien aus Salafisten gegründet 2017 an den Start gehen.

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