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08.05.2017

21:00 Uhr

Präsidentschaftswahlen

Südkorea will den Trump-Schreck

VonMartin Kölling

Mitten in der Korea-Krise wählt Südkorea einen neuen Präsidenten. Das Ergebnis könnte US-Präsident Donald Trump Kopfzerbrechen bereiten. Der linksliberale Favorit Moon Jae-in steht für eine Öffnung gegenüber Nordkorea.

Moon wird eher zugetraut, Trump die Stirn zu bieten. Reuters

Moon Jae-in

Moon wird eher zugetraut, Trump die Stirn zu bieten.

SeoulAuf den ersten Blick läuft die Präsidentschaftswahl in Südkorea wie gewöhnlich. Lautsprecherbusse stehen an Kreuzungen, um für die Kandidaten Stimmung zu machen. Die Hoffnungsvollen touren durchs Land, schütteln Hände und halten von improvisierten Bühnen Reden vor mehr oder weniger großen Menschenmengen. Doch dieses Mal ist die Lage alles andere als normal.

Schon der Anlass der Wahl wühlt die Südkoreaner auf. Die Nation liegt im Clinch mit der Schattenseite von Südkoreas Entwicklungswunder: Der Klüngel zwischen Regierung und den riesigen Familienkonglomeraten wie Samsung, die das Land aufgebaut haben, macht die Bevölkerung wütend.

So wurde im März Präsidentin Park Geun-hye endgültig des Amtes enthoben und kurze Zeit wegen Korruption, Machtmissbrauch und anderen Vorwürfen verhaftet. Ausgerechnet Park, deren Vater Park Chung-he als Diktator das bitterarme Land auf Wachstumskurs gepeitscht hatte. Park soll die Patriarchen der Korea AG aufgefordert haben, Geld an Stiftungen ihrer engen Beraterin Choi Soon-sil zu überweisen. Folgsam zahlten die Konzerne rund 60 Millionen Euro.

Die wichtigsten Kandidaten für die Präsidentenwahl in Südkorea

Moon Jae In

Für den linksliberalen Oppositionspolitiker stehen die Chancen nicht schlecht, im zweiten Anlauf Präsident des Landes zu werden. Der 64-Jährige konnte seine Führung in den letzten Umfragen vor der Wahl behaupten. Der frühere Menschenrechtsanwalt hatte die Wahl Ende 2012 gegen seine konservative Rivalin Park verloren. Moon ist ein Befürworter eines aktiven Annäherungskurses zur kommunistischen Führung in Nordkorea. Er betonte immer wieder, wie wichtig die Allianz Südkoreas mit den USA ist, kündigte aber auch für den Fall seines Siegs an, eine ausgeglichenere Beziehung zu Washington schaffen zu wollen. Moon will sich für eine gerechtere Verteilung des Wohlstands einsetzen. 

Ahn Cheol Soo

Der Millionär, Arzt und frühere Software-Entwickler von der kleineren Volkspartei galt lange Zeit als politischer Shooting-Star. Der als gemäßigt geltende Ahn sagt, er wolle das Land einen, das von einer korrupten Elite von Politikern und Unternehmern geführt werde. Unter anderem will der 55-Jährige die großen Familienkonzerne reformieren. Er spricht sich grundsätzlich für die Aufnahme eines Dialogs mit Nordkorea aus, will aber an den harten Sanktionen gegen die Führung in Pjöngjang festhalten, um diese im Streit über ihr Atomprogramm zum Einlenken zu bewegen. 

Hong Jun Pyo

Die Ansichten des rechtskonservativen früheren Staatsanwalts zu Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik kommen denen von Park am nächsten. Hong geht für die Freiheitspartei Koreas ins Rennen. Der 62-Jährige steht hinter der umstrittenen Stationierung des neuen US-Raketenabwehrsystems THAAD in Südkorea, die unter Park beschlossen wurde. Auch steht er für eine harte Sanktionspolitik gegenüber Nordkorea. 

Sim Sang Jung

Die Links-Abgeordnete der Partei der Gerechtigkeit und frühere Aktivistin für die Stärkung der Arbeitsrechte lag zuletzt in den Umfragen abgeschlagen hinter Moon, Ahn und Hong. Sim spricht sich für einen Dialog mit Nordkorea aus. Auch will die 58-Jährige die eingestellten wirtschaftlichen Kooperationsprojekte mit dem Nachbarland wieder in Gang bringen. 

Yoo Seong Min

Der Ökonom und Mitte-Rechts-Abgeordnete der kleineren Bareun Partei setzt in seinen außen- und sicherheitspolitischen Ansichten auf eine starke Allianz mit den USA. Der 59-Jährige unterstützt wie Hong die Idee, wieder taktische Atomwaffen der USA nach Südkorea zu verlegen. Im Zentrum seiner Wirtschaftspolitik steht die Stärkung kleiner und mittelgroßer Unternehmen.

Doch stellvertretend für die Unternehmen wurde zudem Samsung an den Pranger gestellt. Der 48 Jahre alte Firmenerbe und faktische Chef Lee Jae-yong wurde verhaftet und wartet wie Park auf sein Urteil. Der Vorwurf: Die mächtige Freundin der Präsidentin habe als Dank für generöse Spenden geholfen, eine umstrittene Fusion von zwei Samsung-Firmen durchzuwinken.

Die Folge dieses Jahrhundertskandals ist möglicherweise ein innenpolitischer Richtungswechsel, der geopolitische Auswirkungen haben könnte. Denn der haushohe Favorit der Wahl ist der linksliberale Politiker Moon Jae-in von der demokratischen Partei, der 2012 die Präsidentschaftswahl gegen Park verloren hatte.

Er führt mit rund 40 Prozent Zustimmung die Umfragen an. Da in Korea wie in den USA der Kandidat mit den meisten Stimmen Präsident wird, könnte selbst dieses Niveau reichen. Schließlich ist das konservative Lager durch den Sturz seiner Bannerträgerin nicht nur blamiert, sondern auch tief gespalten.

So war auch der in Umfragen zweitplatzierte Kandidat, Ahn Cheol-soo von der Volkspartei, bisher in der Opposition, auch wenn er nun um Stimmen der konservativen Wähler buhlt. Doch nach einem kurzen Höhenflug kommt er nur noch auf 20 Prozent Zustimmung.

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Erst knapp dahinter folgt mit Hong Joon-pyo von der ehemaligen Regierungspartei, ein waschechter Konservativer. Doch er muss noch mit einem weiteren Rechten einer Anti-Park-Fraktion konkurrieren. Denn alle Aufrufe zu einer konservativen Einheitsfront verhallten bisher ungehört.

Dabei versucht Hong nun die Wähler zu warnen, dass mit Moon nach zehn Jahren konservativer Regierungen „pro-nordkoreanische, linke Kräfte“ an die Macht kommen würden. Tatsächlich weckt der Favorit selbst beim Verbündeten USA die Sorge, dass er nach einem Wahlsieg auf Abstand zu US-Präsident Donald Trump und auf Schmusekurs zu China und Nordkorea gehen könnte.

Ein Grund ist Moons Vergangenheit: Als Stabschef des früheren Präsidenten Roh Moo-hyun, der von 2003 bis 2008 regierte, vertrat er dessen „Sonnenscheinpolitik“. Und die setzte nicht auf Sanktionen gegen Nordkoreas atomare Ambitionen, sondern auf wirtschaftlichen und kulturellen Austausch.

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