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26.01.2007

09:50 Uhr

Präsidentschaftswahlkampf

Unternehmer greifen 35-Stunden-Woche an

VonRuth Berschens

Frankreichs Wirtschaft schaltet sich in den Präsidentschaftswahlkampf ein: Drei Monate vor der Wahl setzen die Unternehmer die Kandidaten unter Druck. Unzufrieden sind die Arbeitgeber vor allem mit der gesetzlich geregelten Arbeitszeit.

Nicolas Sarkozy will Sozialleistungen und Einkommenssteuern auf Überstunden streichen. Foto: dpa dpa

Nicolas Sarkozy will Sozialleistungen und Einkommenssteuern auf Überstunden streichen. Foto: dpa

PARIS. Die 35-Stunden-Woche habe sich als „zerstörerische Illusion“ für die Wirtschaft erwiesen, sagte die französische Arbeitgeberpräsidentin Laurence Parisot am Donnerstag bei der Jahresversammlung ihres Verbandes Medef in Paris. Künftig sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Arbeitszeiten autonom ohne staatliche Einmischung aushandeln, sagte Parisot vor 6 000 Unternehmern.

Dank der in den 90er Jahren eingeführten 35-Stunden-Woche sind die Franzosen heute Freizeit-Weltmeister. Jährlich arbeiten sie im Schnitt nur noch 1 450 Stunden, also deutlich weniger als Deutsche, Schweden oder Briten. Vielerorts gilt die Vier-Tage-Woche. Immer mehr Ökonomen kritisieren die kurze Arbeitszeit als ernstes Wachstumshemmnis; in den Unternehmerverbänden wird die Kritik an der 35-Stunden-Woche immer lauter.

Die beiden aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten reagieren darauf freilich nur zögerlich. Weder der konservative Spitzenkandidat Nicolas Sarkozy noch seine sozialistische Kontrahentin Ségolène Royal wagen eine offene Absage an die 35-Stunden-Woche, denn sie gilt vielen Franzosen nach wie vor als soziale Errungenschaft.

Stattdessen nähern sich die Kandidaten dem Problem indirekt. Der Chef der konservativen Regierungspartei UMP, Sarkozy will Sozialleistungen und Einkommensteuern auf Überstunden streichen, um so einen Anreiz für Mehrarbeit zu schaffen. Dagegen signalisierte Royal Sympathie für den Vorschlag, die Sozialpartner die Arbeitszeit aushandeln zu lassen. Die Sozialistin sieht die kurze Wochenarbeitszeit vor allem deshalb skeptisch, weil sie das Lohnniveau und damit die Kaufkraft der Arbeiterschaft nach unten drücke. Trotzdem stellte Royal bisher nicht in Aussicht, das Gesetz zur 35-Stunden-Woche zu lockern.

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