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01.03.2006

21:58 Uhr

„Prager Frühling“

Putin übernimmt Verantwortung für 1968

Der russische Präsident Wladimir Putin hat in Prag eine moralische Verantwortung seines Landes für den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten 1968 in die Tschechoslowakei eingeräumt. Die Tschechen zeigten sich zufrieden.

Wladimir Putin und der tschechische Präsident Vaclav Klaus. Foto: dpa

Wladimir Putin und der tschechische Präsident Vaclav Klaus. Foto: dpa

HB PRAG. Eine „rechtliche Verantwortung“ für die Niederschlagung der Demokratiebewegung „Prager Frühling“ lehnte Putin aber am Mittwoch nach einem Treffen mit seinem tschechischen Amtskollegen Vaclav Klaus ab. Klaus sagte, er sei froh über diese Worte. „Die Vergangenheit darf Gegenwart und Zukunft nicht belasten“, betonte er. „Ich sehe keinen Grund, warum ich mit Präsident Putin lösen sollte, was Breschnew getan hat“, sagte Tschechiens Staatsoberhaupt.

Kritik an Moskaus Energiepolitik wies Putin in Prag zurück: „Wann immer jemand von Energiesicherheit spricht, meint er Russland. Vergessen wird, dass auch Russland Sicherheit braucht. Falls es Befürchtungen unter unseren europäischen Partnern gibt, man sei zu sehr von Russland abhängig, sage ich: Je mehr sie von uns abhängig sind, desto mehr sind wir von ihnen abhängig.“ Zu dem Streit über Gaslieferungen an die Ukraine sagte Putin, Russland habe diese „15 Jahre lang dotiert“: „Dies musste aufhören.“ Den Preis für die Ukraine bestimme nicht Russland, sondern die Lage auf dem Weltmarkt.

Energie werde das „Spitzenthema“ des nächsten G8-Gipfels, kündigte Russlands Präsident an. Das Treffen der sieben führenden Industrienationen und Russlands soll vom 15. bis 17. Juli in Putins Heimatstadt St. Petersburg stattfinden. Klaus rief zu einer „Entpolitisierung“ der Energiefrage auf. Dies sei ein „primär wirtschaftliches Thema“. Tschechien bezieht rund 75 Prozent seines Gases aus Russland. Klaus sagte, es gebe in Europa „Strömungen“, den Import von Gas und Öl zu kritisieren und gleichzeitig Atomkraftwerke abzulehnen. „Beides zusammen geht aber nicht“, sagte der leidenschaftliche Befürworter der friedlichen Nutzung der Kernkraft.

Klaus sagte, beide hätten auch über Tschetschenien gesprochen. Der Konflikt im Nordkaukasus sei jedoch „nicht mit dem Zauberstab zu lösen“. Unmittelbar vor dem Besuch von Putin hatten das frühere tschechische Staatsoberhaupt Vaclav Havel und weitere Prominente die Tschetschenien-Politik Moskaus scharf kritisiert. Die Kämpfe in der Hauptstadt Grosny würden an die Zerstörung Warschaus durch Nazi- Deutschland erinnern, hieß es in einem Kommentar, den die Prager Zeitung „Mlada fronta Dnes“ am Mittwoch veröffentlicht hatte.

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