Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.03.2013

06:28 Uhr

Preis als Argument

China rollt den Waffenmarkt auf

VonFinn Mayer-Kuckuk

Simpel, robust – und billig: Waffen aus China werden immer beliebter, das Reich der Mitte ist zum ersten Mal in den Top 5 der Rüstungsexporteure. Doch auch hochtechnische Waffen kommen inzwischen aus China.

China exportiert immer mehr Waffen, vor allem in andere Schwellenländer. dpa

China exportiert immer mehr Waffen, vor allem in andere Schwellenländer.

PekingNach Plastikwaren, Maschinen und Elektroartikeln rollt China nun den Weltmarkt für eine weitere Produktgruppe durch unschlagbar günstige Preise auf: Waffen. „Zum ersten Mal seit dem Ende des Kalten Kriegs ist China unter den fünf größten Rüstungsexporteuren“, kommentieren Experten des Internationalen Friedensforschungsinstitutes Stockholm (Sipri). Das Sipri hat am Montag seinen aktuellen Bericht zum weltweiten Waffenhandel veröffentlicht. Ergebnis: Allein in der zurückliegenden Vierjahresperiode habe China 162 Prozent mehr Rüstungsartikel ausgeführt.

Wie in anderen Branchen auch ist in China in den vergangenen Jahren nach einer längeren Lernphase in die Anwendung und Massenproduktion übergegangen. Obwohl gerade im Flugzeugbau die Anleihen bei russischen und Vorbilder immer noch vorhanden sind, steigt zudem der Anteil eigener Ideen. Die chinesischen Waffen zeichnen sich oft durch simple Bedienung und robuste Konstruktion aus. Das wichtigste Verkaufsargument bleibt jedoch der Preis. „Chinesische Waffen sind nicht so hochwertig wie beispielsweise deutsche“, sagt ein Rüstungsexperte in Peking. „Dafür sind sie um so billiger.“

Weltweiter Waffenhandel: Europa spart, Asien rüstet auf

Weltweiter Waffenhandel

Europa spart, Asien rüstet auf

Die asiatischen Schwellenländer rüsten kräftig auf. China profitiert davon.

Entsprechend sieht die Verteilung der Abnehmer aus. Chinas Rüstungsexporte gehen zu 95 Prozent in andere Schwellenländer, drei Viertel davon nach Asien. Größter Abnehmer ist das verbündete Pakistan. Auch Platz zwei folgt Myanmar, wo bis vor kurzem das Militär diktatorisch geherrscht hat. Der drittgrößte Kunde ist das bitterarme Bangladesch. Auch die afrikanischen Länder Nigeria oder Tansania tauchen unter den größeren Abnehmern auf. Die beliebtesten Produkte sind Kampfflugzeuge und Panzer.

Der Aufstieg Chinas unter die fünf größten Waffenlieferanten ist kein Zufall. Peking fördert derzeit aktiv den Rüstungsexport. Das bringt nicht nur Geld für die heimische Industrie, sondern auch gewaltige diplomatische Pluspunkte. Wenn die Abnehmer auf den schwarzen Listen westlicher Exporteure stehen, ist ihre Dankbarkeit gegenüber dem großen Verbündeten in Fernost umso größer.

Auch hochtechnische Waffen kommen inzwischen zu Discount-Preisen aus China. Auf der Luftfahrschau im Südchinesischen Zhuhai hat die China Aviation Industry Corporation beispielsweise ein unbemanntes Flugzeug vorgestellt, eine sogenannte Drohne. Experten schätzen, dass sie für unter einer Million Dollar als Schnäppchen angeboten wird. Die vergleichbare US-Konkurrenz „MQ-1 Predator“ ist etwa fünfmal teurer.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Deutscher

18.03.2013, 07:08 Uhr

Nun ist unser Wohlstand gefärdet. Unser heiß geliebtes Sozialmodell in dem Millionen von Mitbürgern in der Hängematte liegen.

Das sollte ich nicht schreiben denn es verstößt gegen vieles in unserem Denken. Die letzte Hi Teck Domäne bröckelt. Der dritte Weltkrieg ist näher gekommen und damit der Zusammenbruch unseres Systemes so wie wir es derzeit kennnen.

China stellt nun auch billige Waffen her die dann auch genutzt werden. Bilige Spielzeuge, dann Elektroartikel, Autos nun die Waffen. Zu guter Letzt werden aus den Billigprodukten High End Produkte in großen Stückzahlen.

Was machen wir. Abrüsten, weil uns das Geld für die Bankenrettung und das Sozialsystem fehlt.

Wenn dann ein Flugzeugträger im Armelkanal steht und kein Frachter mehr durchkommt. Es fehlt dann das Öl und die lieben Billigprodukte. Auch die Urlaubsreisen fallen aus. Warum soll das geschehen. Vieleicht damit wir pünktlich die Zinsen auf unsere angehäuften Kredite zahlen. Den Chinesen zahlen.

Aber soweit ist es noch nicht. Wir sind ja die Besten. Haben wir das nicht schon zweimal gedacht!

WFriedrich

18.03.2013, 09:08 Uhr

Unerwartet kommt diese Nachricht nur für Tagträumer. Tatsächlich war der Rüstungsmarkt bisher überaus attraktiv, weil die Branche dank öffentlich finanzierter Käufe nie unter vergleichbarem Kostendruck stand, wie andere Branchen. Vermutlich könnte die Rüstungsbranche keinen PKW, keinen Kühlschank, kein Gartengerät oder kein Haushaltwerkzeuge wegen viel zu hoher Fertigungskosten zu marktfähigen Preisen im Markt platzieren. China nutzt nun diese Verfettung aus. Zutreffend weist der Redaktionsbeitrag auf den fortschrittlichen technischen Stand einerseits und die Überteuerung anderseits hin. In vergangenen Jahrzehnten konnten viele Wirtschaftszweige vom know how der Rüstungsindustrie profitieren. Heute fehlt offenkundig der wirtschaftliche Druck zur Sekundärverwertung von Innovationen. Ungeachtet der ethischen und moralischen Bedenken gegen das Rüsten kann steuerfinanzierte Verfettung wohl nur durch größeren Wettbewerbsdruck abgeschmolzen werden. Zwar werden dadurch befristet Marktanteile verloren gegen, aber längerfristig werden die Staatshaushalte von sinkenden Preisen erheblich profitieren.

Banksterbasher

18.03.2013, 09:51 Uhr

Die Armee der Sowjetunion hatte im kalten Krieg auch mehr als doppelt so viele Waffen wie der Westen. Was hat es genutzt? Solange der Westen (USA, GB, Frankreich) über ausreichende Atomwaffen verfügt, kann ein Gegner so viele konventionelle Waffen haben wie er will. Sie bringen im schlichtweg nichts!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×