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30.04.2016

17:02 Uhr

Presse- und Meinungsfreiheit

Weiterer Journalist in der Türkei festgenommen

Neuer Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei: Der Chefredakteur eines pro-kurdischen Senders wurde verhaftet. Die Polizei verhört den renommierten Journalisten zu Twitter-Mitteilungen.

Bei einer Kundgebung vom Kurden Anfang in April in Nürnberg wird auch Pressefreiheit thematisiert. dpa

Demonstration

Bei einer Kundgebung vom Kurden Anfang in April in Nürnberg wird auch Pressefreiheit thematisiert.

IstanbulIn der Türkei ist der Chefredakteur eines pro-kurdischen Fernsehsenders wegen der Veröffentlichung von Kurznachrichten auf seinem Twitter-Konto festgenommen worden. Hamza Aktan sei am frühen Samstagmorgen von der Polizei in seiner Wohnung in Istanbul festgenommen worden, teilte sein Sender IMC TV mit.

Aktan werde von der Polizei verhört und vor allem zu Tweets befragt, die er 2015 veröffentlicht habe. Die Polizei habe auch wissen wollen, warum er Äußerungen von zwei prominenten pro-kurdischen Kommentatoren weitergeleitet habe. Der renommierte Journalist hat für verschiedene Medien in der Türkei gearbeitet und ein Buch mit dem Titel "Der kurdische Bürger" veröffentlicht.

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Die Türkei schickt staatlich bezahlte Prediger nach Deutschland und baut serienweise Moscheen. Erdogan investiert gewaltig in die Islamisierung Deutschlands. In Comics werden Kinder schon einmal zum Märtyrertod animiert.

Der Direktor von IMC TV, Eyup Burc, erklärte, auf den Sender und die Pressefreiheit sei "von Anfang an Druck" ausgeübt worden. "Leider wird dies weitergehen." IMC TV war 2011 gegründet worden, der Schwerpunkt der Berichterstattung liegt auf kurdischen, Frauen- und Umweltthemen. Im Februar hatte der Sender mitgeteilt, der größte türkische Satellitenbetreiber habe ihn wegen Verbreitung "terroristischer Propaganda" abgeklemmt. Seitdem verbreitet er sein Programm nur noch im Internet.

IMC TV gilt als einziger regierungskritischer pro-kurdischer Sender. Nach Reformen hat der staatliche Rundfunksender TRT ein kurdischsprachiges Programm.

Pro-kurdische Medien stehen in der Türkei verstärkt unter staatlicher Beobachtung, weil sich türkische Soldaten und Anhänger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) seit dem vergangenen Sommer wieder Kämpfe in Südostanatolien liefern.

Der Umgang der türkischen Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan mit der Presse- und Meinungsfreiheit und mit ausländischen Journalisten gab in den vergangenen Monaten immer wieder Anlass zur Kritik. Eine ganze Reihe türkischer Journalisten wurde festgenommen und teils vor Gericht gestellt. Ausländische Journalisten, darunter auch aus Deutschland, durften nicht einreisen oder ihre Presseerlaubnis für die Türkei wurde nicht verlängert.

Von

afp

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