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18.03.2017

13:54 Uhr

Presse zur Trump-Visite

Viel Lob für Merkel nach Besuch beim „Zerstörer“

Ein derart einhelliges Lob der Medien bekommen Politiker selten. Merkel habe bei ihrem ersten Besuch bei Trump „alles richtig“ gemacht, heißt es in der Presse. Es komme aber noch viel Arbeit auf die Kanzlerin zu.

Die Medienwelt ist sich einig: Das war ein guter Auftritt. dpa

Merkel trifft Trump

Die Medienwelt ist sich einig: Das war ein guter Auftritt.

BerlinKanzlerin Angela Merkel hat ihren Antrittsbesuch bei US-Präsident Donald Trump nach Einschätzung in- und ausländischer Medien mit Erfolg über die Bühne gebracht. In deutschen Pressekommentaren wird vor allem gelobt, dass Merkel die Bedeutung offener Grenzen und eines freien Welthandels zum Thema machte. Ausländische Medien stellen das Treffen in einen wesentlich größeren Zusammenhang.

Die liberale und Trump gegenüber kritische Zeitung „New York Times“ kommentierte: „Der große Zerstörer tritt der letzten Verteidigerin der liberalen Weltordnung gegenüber.“ In dieselbe Kerbe hieb der liberale britische „Guardian“: „Hier stieß eine ruhige, bedächtige und passionierte Europäerin mit einem Mann zusammen, dessen Unwissenheit über Außenpolitik bodenlos zu sein scheint.“

Das US-Magazin „The Atlantic“ griff Trumps frühere Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik auf. „Was Merkel angeht, nutzte sie ihr eigenes Statement für eine versteckte Schelte für Trump, der in der Vergangenheit gesagt hatte, sie „ruiniere“ Deutschland mit dem „katastrophalen Fehler“ einer Politik der offenen Tür für Flüchtlinge.“ Merkel habe betont, es sei besser, miteinander zu reden als übereinander. Fraglich sei aber, so die Zeitung, ob die beiden wirklich miteinander gesprochen hätten. Während Trump bei der Pressekonferenz „aus der Hüfte geschossen“ habe, sei Merkel bemüht gewesen, die Lage zu beruhigen oder sich rauszuhalten.

Deutsche Medien heben mehr auf die wirtschaftlichen Aspekte des Besuchs ab. „Wenn die Bilder vom Treffen mit Wirtschaftsvertretern und die ersten Nachrichten nicht täuschen, dann hat die deutsche Delegation alles richtig gemacht“, schrieb das „Flensburger Tageblatt“. Beim Geschäft würden sich alle verstehen, offenkundig besonders bei der Frage der dualen Ausbildung. Und wenn sonst zwischen Trump und Merkel nicht viel zusammenpasse – die gemeinsamen Interessen seien immer das stärkste Argument. „Es war keinesfalls herzlich, aber besser als befürchtet“, lautet das Fazit der Zeitung.

Angela Merkel zu Kurzbesuch in Washington: Fremdeln unter Freunden

Angela Merkel zu Kurzbesuch in Washington

Fremdeln unter Freunden

Trump und Merkel sind sich bei ihrem ersten persönlichen Treffen nicht nähergekommen. Der transatlantischen Freundschaft stehen schwere Zeiten bevor. Das Risiko eines Wirtschaftskonflikts ist nicht gebannt.

Die „Lausitzer Rundschau“ bescheinigt Merkel ein „gesundes Selbstbewusstsein“. Der Antrittsbesuch könne dann als Erfolg bezeichnet werden, wenn Trump zumindest eine Ahnung davon bekommen habe, dass sein „America First“ riskanter sein könnte als Kooperation mit einer so starken Wirtschaftsmacht wie es die EU ist. „Trump soll etwas lernen: Aus „America First“ könnte schnell „America Alone“ werden, eine ungeahnte Einsamkeit Amerikas, mit fatalen Folgen für die US-Wirtschaft“, kommentiert die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“.

Das „Göttinger Tageblatt“ schreibt angesichts der engen wirtschaftlichen Verflechtung beider Länder: „Es sich mit den Deutschen zu verscherzen, könnte für die USA sehr unklug sein.“ Wenn Trump in den nächsten Wochen und Monaten keinen Handelskrieg anfängt, habe Merkel schon viel erreicht, betont die „Märkische Allgemeine“.

Die Bedeutung der USA für die deutsche Wirtschaft

Investitionen

Die deutschen Unternehmen haben mehr als 271 Milliarden Euro an Direktinvestitionen in den USA - etwa Fabriken und Immobilien. Mehr als 3700 Unternehmen sind in den Vereinigten Staaten tätig. Allein die 50 größten deutschen Firmen dort kommen auf einen Jahresumsatz von 400 Milliarden Dollar. Auch US-Unternehmen haben erhebliche Beträge in Deutschland investiert: Der Bestand summiert sich auf rund 27 Milliarden Euro. Allein 2015 wurden 252 neue Projekte hierzulande von US-Firmen gestartet, von Neuansiedlungen auf der grünen Wiese über Erweiterungen bis hin zu Standortwechseln. Allein die 50 größten US-Unternehmen kommen in Deutschland auf einen Jahresumsatz von rund 170 Milliarden Euro.

Jobs

Mehr als eine Million Jobs in Deutschland hängen direkt oder indirekt von den Exporten in die USA ab. Weitere 630.000 Arbeitsplätze gibt es in Betrieben, die von US-Firmen kontrolliert werden. Allein McDonald's Deutschland zählt etwa 58.000 Mitarbeiter, der Personaldienstleister Manpower 27.000, die Ford-Werke gut 25.000 und die GM-Tochter Opel etwa 18.000. Umgekehrt schaffen deutsche Unternehmen in den USA ebenfalls Hunderttausende Stellen. Größter deutscher Arbeitgeber ist dort die Deutsche-Post-Tochter DHL mit rund 77.000 Beschäftigten, gefolgt von Siemens (70.000), dem Autozulieferer ZF (62.000) und Volkswagen (60.000).

Handel

Seit 2015 sind die USA der wichtigste Exportkunde der deutschen Unternehmen, nachdem über mehr als sechs Jahrzehnte Frankreich diese Position innehielt. Waren im Wert von rund 114 Milliarden Euro wurden damals dorthin verkauft - vor allem Fahrzeuge, Maschinen und chemische Produkte. Umgekehrt importierte Deutschland Waren im Wert von knapp 60 Milliarden Euro aus den USA, was sechs Prozent aller deutschen Einfuhren entspricht.

Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen hängen nach Meinung des „Darmstädter Echos“ davon ab, ob es Merkel wie bei Bush und Obama schaffe, eine belastbare Arbeitsbeziehung zu etablieren. Ob das gelingt, sei offen. Aber Trump brauche Merkel, weil sie Wladimir Putin und andere Staatschefs viel besser kennt als er. „Das Justieren und Taxieren hat also gerade erst begonnen.“

Auch die konservative tschechische Zeitung „Lidove noviny“ sieht Merkel und Trump noch ganz am Anfang. „Als der damalige US-Präsident George W. Bush in Europa angefeindet wurde, verstand sich die Kanzlerin überraschend gut mit ihm“, schrieb die Zeitung. „Davon zeugen Bilder, wie Bush sie mit dem Jeep auf seiner Ranch herumfuhr. (...) Dafür, dass Trump Merkel zu sich nach Florida einlädt, ist es noch zu früh.“

Von

dpa

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