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04.04.2006

12:13 Uhr

Presseschau TV-Duell Prodi-Berlusconi

„Populistischer Überraschungscoup“

VonRegina Krieger

Für die italienischen Medien steht am Morgen nach dem zweiten und letzten Fernsehduell zwischen dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und seinem Herausforderer, dem früheren EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi, die Schlusspointe des Premiers im Mittelpunkt der Kommentare.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi (r.) und Herausforderer Romano Prodi bei ihrem zweiten TV-Duell. Foto: dpa

Ministerpräsident Silvio Berlusconi (r.) und Herausforderer Romano Prodi bei ihrem zweiten TV-Duell. Foto: dpa

„Berlusoni hat am Ende seinen Stil als großer Kommunikator und populistischer Führer wieder gefunden“, heißt es im Leitartikel der Mailänder Wirtschaftszeitung „Il sole – 24 ore“.

Das TV-Duell am Montag abend hatte mit der überraschenden Ankündigung Berlusconis geendet, die Immobiliensteuer auf das erste Eigenheim abzuschaffen. „Der Ausgang der Wahlen hängt davon ab, ob die Italiener noch den Versprechungen Berlusconis glauben“, kommentiert die Wirtschaftszeitung weiter, „das Ass, das er jetzt aus dem Ärmel gezogen hat, erinnert an das Versprechen ‚weniger Steuern für alle’, mit dem er 2001 die Wahlen gewonnen hat.“

Der „Corriere della Sera“ merkt kritisch an, dass die Abgabe auf Immobilien, die Berlusconi abschaffen will, eine kommunale Steuer ist, und demnach gar nicht in der Zuständigkeit der Regierung in Rom. „Der Cavaliere (wie Berlusconi in Italien genannt wird) verbreitet einen Traum, den er gar nicht verbreiten kann.“ Zwar hätte sich Berlusconi nach einem schwachen Start im Lauf des Duells verbessert – auch wären die strengen Zeit-Regeln nicht nach seinem Gusto gewesen, doch entscheidend sei, was nun, wo die Fernsehkameras abgeschaltet sind, bei den Italienern hängen bleibt.

Wenn die Italiener immer noch an die Versprechungen Berlusconis glauben, so die „Stampa“ aus Turin, kann er es noch einmal schaffen. Dann habe er es mit seinem Überraschungsschlag am Ende des TV-Duells geschafft. Der Leitartikler merkt kritisch an, dass Berlusconi mit seiner Ankündigung bis zum Schlussplädoyer gewartet hat, als Romando Prodi nach den Regeln nichts mehr erwidern konnte.

„Berlusconi spielt in gewohnt populistischer Manier mit der Furcht der Italiener vor Steuererhöhungen“, meint Chefredakteur Ezio Mauro von der römischen Tageszeitung „La Repubblica“. Er hebt hervor, dass die angekündigten Steuerversprechen nicht mit den Koalitionspartnern abgesprochen worden seien. „Berlusconi hat sein Lachen verloren und mit einer populistischen Botschaft versucht, das Steuer herumzureißen, er setzt auf Emotionen.“

Die Zeitung „Italia Oggi“ schreibt von einem 0:0 nach dem TV-Duell. „Nach einer Stunde ‚Valium’ kam erst in der 93. Minute das Tor, geschossen von Berlusconi.“ Das Thema Abschaffung von Steuern werde die letzten Tage des Wahlkampfes beherrschen.

Gute Noten bekommt Romano Prodi. Der Wirtschaftsprofessor aus Bologna, der 1996 schon einmal gegen Berlusconi siegte, war „gewohnt ruhig, konzentriert und bemüht, nicht in einen polemischen Ton abzugleiten“, so die „Stampa“. „Er war psychologisch überlegen, sicherer im Auftreten“, schreibt „La Repubblica“. Das Fazit der Wirtschaftszeitung „Il Sole – 24 ore“: „Berlusconi zielt auf die Gegenwart mit seinem neuen, unerwarteten Steuerversprechen; Prodi schaut auf die Jugendlichen, auf die Zukunft Italiens und setzt alles auf Realität - gegen Träume.“

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