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11.01.2007

11:36 Uhr

Pressestimmen zur Bush-Rede

„Der neue Kurs ähnelt der alten Suppe“

Es sind in der Mehrzahl nicht eben freundliche Kommentare, mit denen die amerikanische und die ausländische Presse die Irak-Rede von Präsident George W. Bush bedenkt. Selbst konservative Blätter argwöhnen, dass Bush es mit einer Hinhaltetaktik versucht, anstatt eindeutige Kursänderungen vorzunehmen.

Die New York Times bescheinigt dem Präsidenten Versagen auf der ganzen Linie: „Bush sagte den Amerikanern vergangene Nacht, dass ein Versagen im Irak eine Katastrophe wäre. Die Katastrophe ist Bushs Krieg, und er hat bereits versagt. Vergangene Nacht war seine Chance: die Situation nicht weiter zu verschleiern und stattdessen ehrlich zu sein. Und die hat er nicht ergriffen. Die Amerikaner wollten von Bush klar hören, wie er die US-Soldaten aus dieser Katastrophe herausbekommen will, die er selbst angerichtet hat. Was sie aber zu hören bekamen, war noch mehr substanzloses Gerede über den Sieg gegen den Terrorismus und die Schaffung einer 'jungen Demokratie' im Irak. Mit anderen Worten, ein Weg für diesen Präsidenten, seine Zeit abzusitzen und den Schlamassel dann dem Nächsten zu überlassen.“

Ebenfalls skeptisch ist die Washington Post: „Der Präsident muss mehr tun, um das Land davon zu überzeugen, dass das Opfer notwendig ist, das er von amerikanischen Soldaten verlangt. Und wenn die Iraker in den kommenden Wochen ihre eigenen Verpflichtungen nicht einhalten, muss er seine Strategie überdenken - und die Verstärkung (der Truppen) aussetzen.“

Der britische Guardian wirft Bush vor, eigennützig zu handeln: „US-Generäle haben schon genug Schwierigkeiten, das gegenwärtige Niveau an kampfbereiten Truppen zu halten und sind zudem nicht überzeugt, dass mehr Soldaten einen Unterschied bewirken können. Statt auf sie zu hören, folgt Bush den Rechten, die argumentieren, dass Ehre und Amerikas nationale Interessen die Fortsetzung des Kampfes verlangen. Man hat den Eindruck, dass von beidem die 'Ehre' das bedeutendere für ihn ist.“

Die italienische Zeitung La Repubblica, die in Rom erscheint, schlägt in dieselbe Kerbe: „Trotz seiner Niederlage bei den Wahlen im November und dem Kurswechsel in der öffentlichen Meinung geht Bush weiter die Straße des Unilateralismus. Er hat die Meinung seiner treuesten Generäle nicht beachtet und sich so zum ersten Mal gegen das Pentagon gestellt. Er hat die Ratschläge der von James Baker geführten Kommission nicht angenommen, die von einer diplomatischen Verwicklung Syriens und des Irans sprach. Und er hat sich auch nicht von den Drohungen der Demokraten stören lassen. Und so ähnelt der 'neue Kurs' des weißen Hauses an die alte Suppe im Irak, die das Land - trotz 3 000 toter Amerikaner in vier Jahren und 357 Milliarden ausgegebener Dollar - nur in eine Hölle verwandelt hat.“

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