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04.01.2006

10:25 Uhr

Prestigeprojekt der Weltbank

Waffen statt Wasser

VonWolfgang Drechsler

Vieles deutet darauf hin, dass sich am Entwicklungsstillstand der Region Tschad auch in Zukunft wenig ändern wird. Wie so oft in Afrika fließt ein Großteil der Öleinnahmen nicht in die Armutsbekämpfung, sondern versickert in den Taschen der Machthaber.

KAPSTADT. Kein Strom, kein Trinkwasser, die Straßen allenfalls staubige Lehmpisten – vom neuen Ölreichtum ist im Süden des Tschad wenig zu sehen. Vor allem in den Dörfern aber auch in den Provinzstädten Moundou und Doba hat der Besucher eher den Eindruck, die Zeit sei hier, am Südrand der Sahara, einfach stehen geblieben. Dabei fließen seit über zwei Jahren bis zu 225 000 Barrel Öl pro Tag aus dem nordafrikanischen Wüstenstaat durch eine 1070 Kilometer lange Pipeline an die Küste des benachbarten Kamerun. Bislang dürften sich die Einnahmen daraus für den Tschad auf über 300 Mill. Dollar belaufen haben.

Vieles deutet darauf hin, dass sich am Entwicklungsstillstand der Region dennoch auch in Zukunft wenig ändern wird. Denn ausgerechnet dem Prestigeprojekt der Weltbank droht nun das Aus. Allen Gelübden zum Trotz hat das Regime in N´Djamena nur ein Jahr nach Erreichen der vollen Produktionskapazität eine Vereinbarung gebrochen, die garantieren sollte, dass ein Großteil der Öleinnahmen in die Armutsbekämpfung fließt und nicht, wie so oft in Afrika, in den Taschen der Machthaber versickert. Schließlich war der Tschad laut Transparency International im vergangenen Jahr das korrupteste Land der Welt. Ein guter Grund, seinen Machthabern besonders sorgfältig auf die Finger zu schauen.

Dass es bei allen Risiken und der minderen Qualität des Öls überhaupt zum Bau der knapp vier Mrd. Dollar teuren Pipeline kam, hat der Tschad vor allem der Weltbank zu verdanken. Sie hatte 1999 die Finanzierung des Projekts vor allem deshalb garantiert, um dem bitterarmen Sahelstaat zu Mitteln für die Entwicklung zu verhelfen. Allerdings wurde der Kredit an strikte Auflagen geknüpft: 80 Prozent der Öleinnahmen müssen demnach in Bildung und Gesundheit sowie in die Wasserversorgung fließen und weitere zehn Prozent in einen Fonds für künftige Generationen. Fünf Prozent sollen zudem den rund 500 000 Menschen der Ölregion im Dobabecken direkt zu Gute kommen.

Alles Schnee von gestern: Vergangene Woche hat das Parlament in N`Djamena das betreffende Gesetz grundsätzlich verändert – und damit ihr Versprechen gegenüber der Weltbank gebrochen. Der Zukunftsfonds wurde aufgelöst. Und die Gelder aus dem Sozialfonds sollen nun kurzerhand auch für militärische Zwecke verwendet werden können. Das verheißt nichts Gutes: Schon die erste Kredittranche der Weltbank hatte das Land einfach in Waffen- und Benzinkäufe für die Armee gesteckt.

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