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12.07.2013

14:21 Uhr

Prism

Microsoft half NSA bei Spionageprogramm

Neue Dokumente des Informanten Edward Snowden werfen ein Schlaglicht, wie Microsoft mit dem Geheimdienst zusammenarbeitet. So soll der Konzern dafür gesorgt haben, dass die Agenten verschlüsselte E-Mails lesen können.

Schwere Vorwürfe gegen Software-Riesen

Liest die NSA bei Microsoft mit?

Schwere Vorwürfe gegen Software-Riesen: Liest die NSA bei Microsoft mit?

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San FranciscoDer Software-Konzern Microsoft hat einem Zeitungsbericht zufolge eng mit den US-Geheimdiensten bei der Ausspähung von Kunden zusammengearbeitet. So sei es der NSA ermöglicht worden, die Verschlüsselung von Emails zu umgehen, berichtete die britische Zeitung „Guardian“ am Freitag unter Berufung auf Dokumente des Ex-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden.

Das Unternehmen habe dem Geheimdienst auch geholfen, Video- und Audio-Material des Kommunikationsdienstes Skype zu sammeln. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich wollte am Nachmittag in Washington mit US-Justizminister Eric Holder zusammenkommen, um sich Klarheit über die US-Spähprogramme zu verschaffen.

Microsoft hat stets bestritten, den US-Geheimdiensten freien und direkten Zugang zu gewähren. Kundendaten würden nur nach rechtlich einwandfreier Anforderung durch die Regierung freigegeben. „Microsoft gewährt keiner Regierung pauschal oder direkt Zugang zu Skydrive, Outlook.com, Skype oder einen anderen Microsoft-Dienst“, hieß es in einer aktuellen Stellungnahme des Unternehmens.

Der „Guardian“-Bericht basiert erneut auf Unterlagen des Informanten Edward Snowden, der bei der NSA gearbeitet hatte. In einem internen Schreiben heißt es demnach, die Behörde habe über das Überwachungsprogramm „Prism“ Zugriff auf E-Mails bei den Microsoft-Diensten Hotmail, Live und Outlook.com – noch bevor sie verschlüsselt werden. Außerdem habe Microsoft daran gearbeitet, der US-Bundespolizei FBI den Zugang zu Daten im Online-Speicherdienst Skydrive zu erleichtern. Der Internet-Telefoniedienst Skype sei Anfang 2011 an „Prism“ noch angeschlossen worden, also vor seiner Übernahme durch Microsoft, heißt es weiter.

Welche Unternehmen halfen dem Geheimdienst?

Neue Enthüllungen

Amerikanische und britische Geheimdienste haben weitläufigen Zugriff auf die Daten von Internetnutzern, das legen die Enthüllungen des Informanten Edward Snowden nahe. Die Firmen bestreiten, den Behörden „direkten Zugang“ zu ihren Servern zu gewähren – man rücke nur Daten heraus, wenn dies gesetzlich vorgeschrieben sei. Allerdings dürfte auch dafür einiges Entgegenkommen notwendig sein: So half der Windows-Riese Microsoft angeblich dem Abhördienst NSA, die Verschlüsselung von Nutzerdaten zu umgehen.

Wie half Microsoft?

Einem Bericht des „Guardian“ zufolge arbeitete Microsoft eng mit dem US-Geheimdienst NSA und der US-Bundespolizei FBI zusammen. So soll das Unternehmen geholfen haben, die Verschlüsselung im Microsoft-Chat zu umgehen. Der US-Geheimdienst habe die Möglichkeit zum Zugriff auf eigentlich verschlüsselte E-Mails bekommen, ebenso wie zu Daten beim Online-Speicherdienst Skydrive. Die US-Geheimdienste bekamen demnach zudem die Möglichkeit, über Skype geführte Videotelefonate mitzuschneiden – und sollen davon auch regen Gebrauch gemacht haben. Skype sei dem Überwachungsprogramm Prism bereits im Februar 2011 beigetreten, noch bevor Microsoft die Firma übernahm. Mit Prism sammelt die NSA früheren Medienberichten zufolge Daten von Internetfirmen wie Google, Microsoft, Yahoo oder Apple.

Sind deutsche Nutzer betroffen?

Davon ist auszugehen, denn auch viele Nutzer in Deutschland sind bei Facebook angemeldet, verschicken ihre E-Mails über Microsofts Hotmail oder besitzen Apple-Geräte. Der „Spiegel“ berichtete, dass monatlich eine halbe Milliarde Kommunikationsverbindungen aus Deutschland abgefangen werden. Da die Internetkommunikation global abläuft, kann eine Mail von Berlin nach München über Computer in den USA laufen und so von den US-Geheimdiensten abgegriffen werden.

Hatten die Schnüffler direkten Zugriff?

Ob die Geheimdienste direkten Zugriff auf Nutzerdaten hatten, ist strittig. Edward Snowden sagt ja. „Firmen wie Google, Facebook, Apple, Microsoft, sie alle tun sich mit der NSA zusammen“, sagte er dem „Guardian“ in einem Videointerview Anfang Juni. „Sie geben der NSA direkten Zugang, den sie nicht beaufsichtigen müssen, damit sie dafür nicht haftbar gemacht werden können.“

Die Firmen dagegen bestreiten vehement, den Geheimdiensten eine Hintertür in ihre Computersysteme gebaut zu haben. Daten würden nur aufgrund richterlicher Anordnungen und nicht massenhaft herausgegeben, betonten die Unternehmen wiederholt. „Wir kommen nur solchen Anordnungen nach, die sich auf spezielle Konten oder Identifikationsmerkmale beziehen“, erklärte Microsoft. Einen unbeschränkten oder direkten Zugriff gebe es nicht.

Wie offen können die Firmen sein?

Die Online-Firmen unterliegen strengen Geheimhaltungsregeln. Erst nachdem sie die Politik dazu drängten, durften sie überhaupt zugeben, dass sie Anordnungen zur Datenweitergabe an Geheimdienste von dem zuständigen, geheim tagenden US-Gericht erhalten hatten. So betonte Microsoft jetzt, es gebe „Aspekte der Debatte, die wir gerne freier diskutieren würden“. US-Gesetze verpflichten die Firmen zur Zusammenarbeit – und Verschwiegenheit.

Wie kann man sich schützen?

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) empfahl Nutzern bereits, US-Dienste zu meiden. Computerexperten raten dazu, die eigene Kommunikation zu verschlüsseln und für das Speichern von Daten Dienste mit Sitz außerhalb der USA zu nutzen. Denn die Einschränkungen für US-Geheimdienste gelten vor allem für die Überwachung eigener Staatsbürger und nicht für Deutsche. „Ich fürchte, das ist ein relativ schwacher Schutz, denn die US-Gesetzgebung erlaubt den Zugriff auf Kommunikationsdaten von Ausländern in sehr breitem Umfang“, sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar dem Bayerischen Rundfunk

Microsoft betonte in der Reaktion, man sei verpflichtet, den Behörden Möglichkeiten für den Zugang zu Informationen zu gewähren. Das Unternehmen würde darüber gern offener reden können und setze sich deshalb für mehr Transparenz ein. Die Internet-Unternehmen hatten stets bestritten, den US-Behörden direkten Zugang zu ihren Servern zu gewähren. Snowden betonte hingegen, die NSA könne nach Belieben auf Informationen zugreifen.

Die Anfragen nach Nutzerdaten gemäß dem US-Auslandsspionagegesetz FISA waren bis vor kurzem so geheim, dass die Internet-Unternehmen nicht einmal deren Existenz bestätigen durften. Erst nach den ersten Snowden-Enthüllungen wurde den Firmen erlaubt, zumindest eine Spanne der Anfragezahlen in ihre Transparenz-Statistik aufzunehmen. Das erlaubt erstmals einen groben Aufschluss über das Ausmaß dieser Anträge.

Nach jüngsten Microsoft-Angaben forderten verschiedene US-Behörden im zweiten Halbjahr 2012 in 6000 bis 7000 Fällen Informationen zu 31.000 bis 32.000 Konten bei verschiedenen Diensten des Konzerns an. Im vorherigen Transparenzbericht ohne die FISA-Daten waren für das gesamte vergangene Jahr knapp 11.100 Anträge zu mehr als 24.500 Nutzerkonten genannt worden.

Für Microsoft kommt der jüngste Bericht zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt: Das Unternehmen hatte gerade erst eine große Werbekampagne inszeniert, die die Vorzüge seiner Produkte beim Datenschutz betonte. Auch in Deutschland gab es wochenlang Anzeigen in Fernsehen, Internet, Print-Medien und auf den Straßen.

Von

rtr

Kommentare (28)

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Account gelöscht!

12.07.2013, 06:31 Uhr

Es gibt ja dabei mehrere Stufen des Ausspionierens. Zuerst wird man von vielen Unternehmen selber ausspioniert um Nutzerprofile fuer Werbung und andere Zwecke zu erstellen. Daneben gibt es solche wie die NSA und die nutzen die Daten fuer deren Zwecke.

Man muss sich auch Fragen wie sicher gaengige Verschluesselungsverfahren wie beispielsweie Bitlocker von Microsoft ueberhaupt sind (sein duerfen). Ich wuerde mich auf die nicht verlassen.

Account gelöscht!

12.07.2013, 06:48 Uhr

Wie kann man nur privat mit einem Windows-Rechner ins Internet gehen?
Ein Rechner unter Linux fürs Internet und einen Rechner mit den persönlichen Dingen, da kann ja Windows für scheinbar unverzichtbare Programme drauf sein. Dieser Rechner geht dann nur in seltenen Fällen mit ausgehängten Platten unter Linux zum update ins Netz.
Schon hat auch die NSA keine Chance an die persönlichen Daten zu kommen.
Ausser man muß bei facebook & Co. alles veröffentlichen, was eigentlich niemand was angeht. Und wer clouding betreibt, dem ist eh nicht zu helfen.

Account gelöscht!

12.07.2013, 06:48 Uhr

@ Frank3
ich würde ja gerne lesen, was sie schreiben. Aber alles groß, das ist schon zu anstrengend!

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