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27.01.2013

12:20 Uhr

Privatisierung

Russen greifen nach griechischen Gasfirmen

VonOliver Bilger, Gerd Höhler

Gazprom und Sintez wollen ihre Macht auf dem griechischen Gasmarkt ausweiten und zwei Gasunternehmen übernehmen. Doch schon werden Stimmen laut, Athen könnte zur russischen „Geisel“ werden.

Eine russische Gaspipeline von Gazprom. Reuters

Eine russische Gaspipeline von Gazprom.

Athen/MoskauGriechenland macht Tempo bei den lange vernachlässigten Privatisierungen: Der Verkauf des Gasversorgers Depa und des Netzbetreibers Desfa geht jetzt in die Schlussphase. Bis März erwartet die Regierung bindende Angebote. Unter den fünf Interessenten, die jetzt in die Endrunde gehen, sind zwei russische Konzerne. Russland, ohnehin der größte Gaslieferant Griechenlands, könnte damit dominierenden Einfluss auf den Energiesektor des Nato-Landes gewinnen – ein heikles Politikum, das in Washington und bei der EU Besorgnis weckt. Die griechische Privatisierungsbehörde Taiped sucht deshalb nach Wegen, westeuropäische Energiekonzerne doch noch für die beiden Gasfirmen zu interessieren.

Der Staatskonzern Gazprom und die russische Sintez-Gruppe gelten bisher als Favoriten für die Übernahme der griechischen Gasunternehmen. Sie haben die höchsten nicht bindenden Gebote abgegeben. Nach Informationen aus griechischen Finanzkreisen will Gazprom 900 Millionen Euro für den Versorger Depa lockermachen. Sogar 1,8 Milliarden Euro soll die russische Sintez-Gruppe, die sich über ihre Tochter Negusneft an der Ausschreibung beteiligt, für die Depa und deren 100-prozentige Tochter Desfa geboten haben.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

Platz 9

Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

Platz 8

Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

Platz 7

Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

Platz 6

Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

Platz 5

64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

Platz 4

Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

Platz 3

Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

Platz 2

Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

Platz 1

Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

„Wir haben ein nicht bindendes Angebot für 100 Prozent der Depa-Anteile unterbreitet“, bestätigte Gazprom dem Handelsblatt, ohne auf die Höhe des Gebots einzugehen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Gazprom-Chef Alexander Medwedjew Interesse an der Akquisition bekundet. Den Netzbetreiber Desfa, eine 100-prozentige Tochter der Depa, wolle man allerdings nicht übernehmen, weil die EU-Richtlinien eine eigentumsrechtliche Entflechtung von Energieversorgung und Netzbetrieb vorsehen, erklärte Gazprom auf Anfrage. Drei weitere Gebote griechischer Konsortien und der staatlichen aserbaidschanischen Gasgesellschaft Socar liegen nach Angaben von Insidern deutlich niedriger als die russischen Offerten.

Der griechische Gasmarkt ist zwar klein. Seine eigentliche Bedeutung liegt aber in der Rolle, die das Land dank vermuteter Gasvorkommen vor seinen Küsten und geplanter neuer Pipelines künftig für die Gasversorgung Europas bekommen könnte. Seit dem vergangenen Sommer verhandeln Griechenland, Zypern und Israel außerdem darüber, wie man gemeinsam Erdgas von den vermuteten Lagerstätten im südöstlichen Mittelmeer nach Westeuropa transportieren kann. Die Sintez-Gruppe unterstrich vergangene Woche noch einmal ihr „starkes Interesse“ an den beiden griechischen Gasfirmen. Sein Unternehmen wolle Griechenland „zum Gas-Transportzentrum Europas machen“, kündigte Sintez-CEO Andrej Korolew an.

Kommentare (15)

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economic_hitman

27.01.2013, 12:43 Uhr

Was anfänglich nur als Verschwörungstheorien kursierte wird endlich Gewissheit. Das angeblich so wertlose Griechenland verfügt über gewaltige Erdgasvorkommen. Und deshalbe musste man es erst auch an den Rand des Ruins treiben, denn dann kann man sich der Vorkommen und betieligten Firmen eben billig bemächtigen, denn wer mit dem Rücken zur Wand steht hat eben keine Verhandlungsmacht mehr. Früher sind die Kolonialmächte direkt mit der Armee einmarschiert. Die Taktik heute heisst, einen Staat erst als Schurkenstaat zu diffamieren und ihn dann plattmachen um ihn auszubeuten. Im Irak wurde das tatsächlich bestehdne System Saddam ausgenutzt, um dem Land zu unterstellen, es würde Massenvernichtungswaffen produzieren. In Griechenland wurde das tatsächlich bestehende Problem der Korruption und Staatsverschuldung künstlich aufgebauscht, um das Land zu berauben. Hier haben die Griechen doch überhaupt keine Möglichkeit mehr, der Ausplünderung ihres Landes zu widersprechen, da durch die Auflagen der Troika kein Verhandlungsspielraum besteht. Auch wenn man sich die Kursentwicklung der griechischen Aktien ansieht, wird schnell klar, wie schlecht man dieses Land gemacht hat, um billig an das Tafelsilber zu kommen. Der Kurs des griechischen Energieversorgers DEI(Public POwer) hat sich seit Juni von ca. 1,15 EUR auf zuletz knapp acht Euro erholt. Auch die im Beitrag erwähnt Mytilineos hat stark zugelegt. Was für ein Spiel hier gespielt wurde, werden wir hier erst in ein paar JAhren wissen

Account gelöscht!

27.01.2013, 12:56 Uhr

Weshalb ist es für den Autor schlimm, daß rusische Firmen ein Angebot für griechische Firmen abgeben. Lebt der Autor noch im kalten Krieg? Die Zukunft Europas liegt im europäischen Kontinent -inklusive Osteuropa- und nicht im transatlantischen Bündnis.

Diese ständige "Russenhetze", bei Menschenrechts-, Demokratie- oder Politikthemen, ist zu verabscheuen.

Es wird Zeit, daß wir Europäer unseren Kontinent vereinen und es nicht mehr zulassen, daß solche Hetz-Autoren bei uns zu Worte kommen.

Account gelöscht!

27.01.2013, 13:12 Uhr

Dem kann man nur zustimmen.

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