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24.05.2011

18:11 Uhr

Privatisierungen in Griechenland

Athener Ausverkauf ohne Plan

Um die Staatspleite zu verhindern, muss Griechenland sofort sein Tafelsilber verkaufen, doch einen Plan gibt es dafür nicht. Wie die Notverkäufe funktionieren - und warum sie für die Deutsche Telekom zur Unzeit kommen.

Häfen, Wasserwerke, Rüstungsfirmen - wie die griechische Regierung all das verkaufen will, ist weiter unklar. Quelle: dpa

Häfen, Wasserwerke, Rüstungsfirmen - wie die griechische Regierung all das verkaufen will, ist weiter unklar.

DüsseldorfGriechenland steht kurz vor dem Bankrott: Wenn das Land nicht bald die nächste Rate des Rettungspakets in Höhe von zwölf Milliarden Euro bis Ende Juli bekommt, "dann müssen wir die Rollläden runtermachen und die Regierung wird nicht mehr zahlen können", sagte der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou dem Fernsehsender Skai in Athen. Um die drohende Pleite abzuwenden haben der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou und sein Ministerrat am Montag nach einer Marathonsitzung ein knüppelhartes neues Sparprogramm bekanntgegeben.

Griechenland muss demnach in diesem Jahr weitere sechs Milliarden Euro und bis Ende 2015 weitere 22 Milliarden Euro sparen. Und noch eine andere Notmaßnahme soll den maroden Staatshaushalt retten: Privatisierungen. 50 Milliarden Euro sollen durch den Verkauf von Staatsbeteiligungen bis 2015 zusätzlich in die Staatskasse fließen.

An vielen Unternehmen ist die Regierung in Athen in beträchtlichem Umfang beteiligt: Sofort verkaufen will sie die Anteile an der Hellenischen Postbank (34 Prozent), den beiden größten Hafengesellschaften des Landes, OLP in Piräus (75 Prozent) und OLTH in Thessaloniki (75 Prozent), der Wasserwerke EYATH in Thessaloniki (74 Prozent) und an der Telekommunikationsfirma OTE (20 Prozent). Durch diese und weitere Verkäufe sollen so allein bis Ende diesen Jahres 3,5 bis 5,5 Milliarden Euro zusammenkommen. 2012 sollen Firmen oder Beteiligungen im Wert von 4 bis 6 Milliarden Euro, 2013 im Wert von 4,5 bis 5,5 Milliarden Euro verkauft werden.

Das ambitionierte Programm hat nur ein Problem: Niemand weiß bis jetzt wie - und vor allem wie schnell - es umgesetzt werden kann. Der griechische Finanzminister schweigt sich dazu bislang aus. Folgende Modelle sind jedoch denkbar

Strategische Investoren

Um schnell an frisches Geld zu kommen, wird die Regierung versuchen, sofort ihre Beteiligungen an der Postbank, den Häfen in Piräus und Thessaloniki, den Wasserwerken in Thessaloniki und an der OTE direkt zu verkaufen. Die Suche nach geeigneten Bankberatern läuft bereits.

2011 sollen auch die Rüstungsfirma EAS (100 Prozent), die Metallverarbeitungsfirma LARKO (55 Prozent), das größte Kasino Griechenlands auf dem Berg Parmis bei Athen (49 Prozent) sowie die staatliche Eisenbahngesellschaft TrainOSE (100 Prozent) verkauft werden. Die marode Staatsbahn müsste vorher allerdings saniert werden - in so kurzer Zeit ein schwieriges Unterfangen. Der deutsche Rheinmetall-Konzern hatte bereits Interesse an einer strategischen Partnerschaft mit EAS geäußert.

Kommentare (8)

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Quax-von-Baden

24.05.2011, 16:27 Uhr

Die Plünderung des Volksvermögens durch private "Investoren (Kartelle)"
Wenn dieser Vorgang abgeschlossen ist, kommt der Staatbankrott und die Karawane zieht weiter ins nächste
Land.
Lächle denn es könnte schlimmer kommen und ich lächelte und es kam schlimmer !

DerDummeDeutsche

24.05.2011, 16:35 Uhr

Ob das 16. Monatsgehalt für griechische Minister und Staatssekretäre auch gestichen wird?
Wahrschinlich nicht - es wird wohl direkt von Berlin auf die jeweiligen Konten überwiesen...

Account gelöscht!

24.05.2011, 16:44 Uhr

Bei dem Inhalt des Kommentars ist der Name wohl Programm.

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