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21.06.2012

17:37 Uhr

Privatisierungsversuch

Griechenland verkauft Luxus-Hotel für Prominente

Griechenland steht vor der ersten großen Privatisierung. Der Staat und die Bank of Greece wollen das Luxus-Hotel Astir Palace verkaufen. Doch das Lieblingsdomizil der internationalen Prominenz steht tief in der Kreide.

Die Bank of Greece und der griechische Staat stehen vor einem wichtigen Verkauf: Die Privatisierung des Astir Palace gilt als Test für mögliche Privatisierungspläne von Staatsimmobilien. dpa

Die Bank of Greece und der griechische Staat stehen vor einem wichtigen Verkauf: Die Privatisierung des Astir Palace gilt als Test für mögliche Privatisierungspläne von Staatsimmobilien.

Der griechische Staat und die Bank National Bank of Greece SA wollen sich von ihrem traditionsreichen Hotel Astir Palace trennen, einer Luxusanlage, die seit mehr als einem halben Jahrhundert Staatschefs und Filmstars zu Gast hatte. Der Verkauf gilt als Test, ob das Land angesichts der Sorge um einen Austritt aus der Eurozone erfolgreich Staatsbesitz privatisieren kann.

Der Verkauf des Astir Palace könnte der Abschied von der bisherigen Politik Griechenlands bedeuten, Staatsland lediglich zu verpachten, statt es vollständig zu verkaufen. Yannis Perrotis, Geschäftsführer der griechischen CBRE Atria vermutet, Grundbesitzverkäufe könnten das Interesse auch an jenen griechischen Anlagen erwecken, die bislang ignoriert wurden, weil sie nur zur Pacht angeboten worden seien.

Für die 307.000 Quadratmeter große Hotelanlage gebe es bereits erste Interessenten, sagte Aristotelis Karytinos, Geschäftsführer des Immobilienbereichs der Bank. Das Athener Geldinstitut und der griechische Privatisierungsfonds, die Teile des Komplexes halten, werden die Anlage in den kommenden Monaten öffentlich ausschreiben, fügte er hinzu. „Astir ist ein Kronjuwel und wir wollen es bestmöglich verkaufen”, sagte Karytinos. Angaben zum geforderten Preis für die Anlage wollte er nicht machen.

Mit dem Erlös der von ihr gehaltenen gut 85 Prozent könnte die börsennotierte Bank strengere Eigenkapitalanforderungen erfüllen und zugleich frische Mittel für Griechenland erlösen. Das Land ist weit hinter dem Plan zurück, mit Beteiligungsverkäufen zusätzliche Mittel zur Schuldenreduzierung zu generieren. Der griechische Staat hatte ursprünglich angekündigt, er wolle mit Privatisierungen 50 Milliarden Euro einnehmen, die Hälfte davon durch Immobilienverkäufe.

Das Privatierungsprogramm ist der wichtigste Punkt beim Versuch der Athener Regierung von der Europäischen Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) Geld zu erhalten. Jedoch geriet der geplante Verkauf von Versorgern und Bergbauunternehmen durch die politische Hängepartie der vergangenen Monate ins Hintertreffen.

„Immobilien, die einzigartig sind und die Besten ihrer Art, und dazu gehört eindeutig das Astir, verkaufen sich und erhalten auch ihren Wert,” sagte Mike Braunholtz, Händler der britischen Prestige Property Group, die Luxusimmobilien weltweit vermakelt: „Andererseits schaut die ganze Welt auf Griechenland und hält es für ein sehr risikoreiches Investmentziel, bis es mehr Klarheit über die Währung gibt.”

Seit der Eröffnung 1960 gehörten der Hotelwebseite zufolge Jackie Onassis, Nelson Mandela, Tony Blair, Jane Fonda und Frank Sinatra, zu den Gästen. 1993 und 2009 fanden hier zudem die Bilderberg-Konferenzen statt. Unternehmensangaben zufolge hat Astir Palace Hotel seit 2003 ununterbrochen Verluste geschrieben. Der Schuldenstand beläuft sich auf 20,7 Millionen Euro. „Der Fokus liegt nicht auf der historischen Entwicklung”, sagte Karytinos: „Der wahre Wert ist die Immobilie, und die Marktkapitalisierung der Betreibergesellschaft spiegelt den Wert der Anlage nicht wider.”

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