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12.04.2006

08:16 Uhr

Prodis Abhängigkeit

Ohne die Kommunisten geht nichts

VonMarcello Berni

Es gab Zeiten, da schwor sich Romano Prodi, nie mehr auf die Unterstützung von Fausto Bertinotti zu bauen. Verständlich – hatte der intrigante Kommunistenchef doch in einer Palastrevolte Prodi als Regierungschef gestürzt. Das war 1998. Der Schwur war nicht von Dauer.

DÜSSELDORF. Heute hängt Prodis Schicksal abermals von dem „Königsmörder“ und seiner weit am linken Rand angesiedelten „Kommunistischen Wiedergründung“ PRC ab. Bertinotti verkaufte sich am Dienstag mit seinen knapp sechs Prozent der Stimmen als eigentlicher Wahlsieger – und stellte Forderungen: „Ich verlange für meine Partei nicht nur ein politisches Gewicht, sondern auch eine klare Sichtbarkeit.“ Man sei schließlich die zweitstärkste Kraft der Koalition. Die Botschaft ist klar: Ohne uns läuft in der neuen Regierung nichts.

Politische Beobachter glauben, dass der stets als Volkstribun auftretende Bertinotti in der kommenden Legislaturperiode noch viel Unruhe säen wird. „Bertinotti und Prodi hatten nur ein einziges gemeinsames Ziel – nämlich Berlusconi zu stürzen“, sagt Andrea Romano, der Generaldirektor des römischen Think-Tanks Italianieuropei. Ideologisch trennen die Männer und ihre Gruppierungen Welten – hüben der vom Christ- zum Sozialdemokraten konvertierte Wirtschaftsprofessor Prodi, drüben der Salonbolschewist und Castro-Fan Bertinotti. An dieser tiefen Kluft dürfte auch die Tatsache nichts ändern, dass Bertinotti das gemeinsame Wahlprogramm unterzeichnet hat. „In spätestens zwei Jahren wird die Koalition auf Grund ihrer inneren Widersprüche auseinander brechen“, gibt sich Romano pessimistisch. Steht Prodi nicht zuletzt aus seiner Vergangenheit als EU-Kommissionspräsident für die Konsolidierung der Staatsfinanzen und liberale Reformen des Sozialstaates, will Bertinotti den Welthandel einschränken, Sozialtransfers steigern und Schlüsselindustrien verstaatlichen.

Auch stilistisch könnten sich die Männer nicht deutlicher unterscheiden: Nuschelt Prodi stets hölzerne Sätze in die Mikrofone, ist Bertinotti wortgewaltig und ausdrucksstark. Trägt Prodi mit Vorliebe schlecht geschnittene Anzüge mäßiger Qualität, verbreitet Bertinotti mit teuren Tweed-Jacken und seinem um den Hals geworfenen Brillenfutteral aus feinstem Leder eine herbe Eleganz.

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