Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.12.2014

16:03 Uhr

Propaganda für Extremisten

Chef-Twitterer des IS enttarnt

VonMartin Gehlen

Doppelleben als Cyber-Terrorist: Der mysteriöse Chefpropagandist der Terrormiliz „Islamischer Staat“ auf Twitter ist enttarnt: Es ist ein Inder aus Bangalore, Angestellter eines internationalen Konzerns.

Profil mit Löwenanmutung: Der mittlerweile gesperrte Twitteraccount von „ShamiWitness“. Screenshot

Profil mit Löwenanmutung: Der mittlerweile gesperrte Twitteraccount von „ShamiWitness“.

Sie twittern in sechs Sprachen und rühmen sich ihrer Gräueltaten. Mit Mordvideos und Koransprüchen inszenieren sie sich im Cyberspace als der Zorn Gottes, vor dem es kein Entrinnen gibt. Auf dem gesamten Globus radikalisieren die Online-Propagandisten des Islamischen Staats (IS) junge Leute und werben Rekruten an.

Noch nie zuvor hat sich eine Terrorgruppe so gekonnt und effizient der sozialen Medien im Internet bedient wie die Anhänger des selbsternannten „Kalifen Ibrahim“ alias Abu Bakr al-Baghdadi. Als dessen aktivster und einflussreichster Cyberhetzer erwies sich schon bald ein Twitterer namens „@ShamiWitness“, zumal er über alle Untaten und Kämpfe in Syrien stets bestens informiert war.

Ein Großteil der ausländischen Dschihadisten gehörte bald zu seinen 17.700 Followern. Sie applaudierten stets, wenn ihr Idol in einem seiner 130.000 Tweets die Enthauptung ausländischer Geiseln oder syrischer Soldaten pries, getötete Extremisten als Märtyrer feierte oder die Dschihadisten anstachelte, gefangene kurdische Kämpferinnen zu vergewaltigen.

„Möge Allah den Islamischen Staat führen, schützen, geleiten und ausdehnen. Der Islamische Staat brachte Frieden, Unabhängigkeit, Null-Korruption, niedrige Kriminalitätsraten“, twitterte der Netzideologe Anfang November. Als Logo nutzte er den libyschen Freiheitshelden Omar al-Mukhtar, der gegen die italienische Kolonisierung seiner Heimat kämpfte und 1931 von den Besatzern gehenkt wurde.

IS-Miliz und ihre Partner: Wie die Terroristen an Waffen kommen

IS-Miliz und ihre Partner

Wie die Terroristen an Waffen kommen

Jede vierte Waffe kommt aus China, jede fünfte aus den USA: Die IS-Terrormiliz kämpft mit teils hochmodernem Kriegsgerät. Einst war es zur Stabilisation der Region gedacht. Wie es in die Hände der Terroristen gelangte.

Zuletzt am Mittwoch wetterte „@ShamiWitness“ noch über den CIA-Folterbericht. Geköpft zu werden sei hundertmal humaner als dass, was diese Dreckskerle Muslimen angetan hätten. „Möge Allah diese stinkenden Bastarde vernichten – und möge ich diesen Tag noch erleben.“

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

12.12.2014, 17:42 Uhr

Wenn Allah diesen "Staat" leiten würde; wäre der Staat 1 Sekunde später nicht mehr exisitent.
Zu diesen in allen Religionen vorkommende "Gott, Allah und Co" frage ich mich: daran kann man doch nicht wirklich glauben.

Bekanntlich haben alle Sprichwörter etwas wahres in sich. Und ich sage nur: Hilft Dir Gott, so hilf Dir selbst.
Ansonsten würde was passieren? Genau. Nichts.

Und das kopier ich auf alle Religionen.


Dieses ganze Gesülze ist nichts anderes wie Dumm-Bauern-Fängerei, resultierend aus dem Jahrtausende von Jahren geltenden Machtspiel zwischen Menschen.

Account gelöscht!

12.12.2014, 18:12 Uhr

Selbst hinter Gittern wäre er kaum sicher angesichts der kurzen Wege dort.

Am Ende widerfährt ihm, was er sonst mit Begeisterung anderen zudachte.
So spiel das Leben manchmal.

Herr Paul Mueller

12.12.2014, 18:32 Uhr

Wenn ein Sender wie Channel 4 dies ermitteln konnte, CIA und BND aber (angeblich) nicht, was sagt das über letztere aus?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×