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31.10.2013

19:40 Uhr

Prostitution in Frankreich

Manifest fordert „Hände weg von meiner Nutte“

VonThomas Hanke

Einem Gesetzesentwurf zufolge sollen in Frankreich künftig Freier bestraft werden. Doch eine Ansammlung von „Dreckskerlen“ besteht auf dem bezahltem Sex – und bringt mit der Provokation ungewollt die Diskussion voran.

Prostituierte bei der Arbeit: In Frankreich soll ein Gesetz künftig Freier treffen – dagegen organisiert sich Widerstand. dpa

Prostituierte bei der Arbeit: In Frankreich soll ein Gesetz künftig Freier treffen – dagegen organisiert sich Widerstand.

ParisFrédéric Beigbeder ist nicht unbedingt ein begnadeter Schreiber. Doch einen gewissen Spürsinn für wirksame Provokationen kann man ihm nicht absprechen. Das „Manifest von 343 Dreckskerlen: Hände weg von meiner Nutte!“ des Herausgebers der Männerzeitschrift Lui bringt nicht nur die Medien in Wallung, sondern sorgt auch in den sozialen Netzwerken für hitzige Debatten unter völlig Unbeteiligten. Kein Wunder, das Thema lag – der Kalauer muss hier erlaubt sein – auf der Straße, seit die französischen Sozialisten eine Gesetzesinitiative zur Bestrafung der Kunden von Prostituierten angekündigt haben.

Wie so oft nimmt Beigbeder, der vor allem damit beschäftigt ist, das Geld durchzubringen, das sein Vater verdient, den Mund ziemlich voll. „Manifest der 343 Dreckskerle“, das ist ein fast wörtliches Zitat des „Manifest der 343 Schlampen“, das Simone de Beauvoir 1971 organisierte und in dem genau diese Zahl von Frauen bekannte: „Ich habe abgetrieben“. Abtreibung stand damals in Frankreich unter Strafe. Was der Kampf der Frauen für die Legalisierung der Abtreibung mit dem Wunsch von Beigbeder und seinen Kumpeln gemein hat, auch weiter ohne Strafzettel jede beliebige Prostituierte aufsuchen zu können, liegt nicht so ganz auf der Hand. Sicher, beides betrifft  Sex. Das war’s aber auch schon. Eine weitere Provokation steckt in der Formulierung: „Hände weg von meiner Nutte!“, denn die gleicht im Französischen bis auf drei Buchstaben der Anti-Rassismus-Bewegung „Hände weg von meinem Kumpel“. Die leitete in den 90er-Jahren Harlem Désir, der heutige Vorsitzende der Sozialisten.

Der Titel von Beigbeders Manifest ist kühner als der Inhalt. Denn anders als die Forderung „Hände weg von meiner Nutte“ vermuten lässt, ist es gar keine Selbstbezichtigung von Freiern. Vielmehr heißt es im Text ziemlich verschwiemelt: „Wir haben Prostituierte aufgesucht, tun es noch oder werden es tun, jedenfalls einige von uns.“ Manche hielten gar nichts von käuflichem Sex. Wie nun? Tun sie’s oder tun sie’s nicht?

Kommentare (2)

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F.Reier

31.10.2013, 20:40 Uhr

Der Artikel ist auch ziemlich zynisch und wertend. Ich kann in dem genannten Text z.b. keineswegs eine unterschwellige Behauptung feststellen, dass alle Prostituierten dies freiwillig tun. Der Text besagt lediglich, dass der Staat nicht das recht hat in diese Entscheidung einzugreifen. Der Staat muss sich in jedem Fall aus der freien Entscheidung erwachsener Menschen zum gemeinsamen Sex heraushalten.

Will der Staat Zwang und Notprostitution bekämpfen, muss er an die Ursachen gehen und nicht an den Symptomen herumdoktern. So ist z.b. das beste Mittel gegen Drogenprostitution ein Methadonprogramm. Ansonsten bleibt den Drogenabhängigen nur der Weg in die Kriminalität, wenn die Freier ausbleiben. Knast statt Puff für Abhängige. Ist das eine wirklich menschenwürdige Alternative?

Account gelöscht!

31.10.2013, 20:59 Uhr

Nach den Schweden die ein ähnliches Gesetz haben fangen die Franzosen jetzt auch an zu spinnen. Dabei war Frankreich doch mal ein sehr liberales Land.

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