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02.12.2014

09:49 Uhr

Protest aus Nordkorea erwartet

Südkorea provoziert mit Weihnachtsbaum

Südkorea will an der Grenze zu Nordkorea einen Weihnachtsbaum aufstellen lassen – als Zeichen religiöser Freiheit, wie es heißt. Nordkorea wird das vermutlich als Provokation und propagandistische Kriegsführung ansehen.

Der Baum soll auf einem Gipfel errichtet werden, der hoch genug ist, dass in Grenznähe lebende Nordkoreaner ihn sehen können. dpa

Der Baum soll auf einem Gipfel errichtet werden, der hoch genug ist, dass in Grenznähe lebende Nordkoreaner ihn sehen können.

SeoulTrotz der zu erwartenden Proteste aus Nordkorea will Südkorea einen großen, beleuchteten Weihnachtsbaum an der Grenze der beiden verfeindeten Staaten aufstellen. Der neun Meter hohe Baum soll ab dem 23. Dezember zwei Wochen lang auf einem Berg drei Kilometer von der Grenze entfernt platziert werden, teilte das südkoreanische Verteidigungsministerium am Dienstag mit.

Im Oktober erst hatte Seoul eine Leuchtinstallation aus Stahl in Gestalt eines Weihnachtsbaums aus Sicherheitsrisiken abgerissen, die 43 Jahre dort gestanden hatte.

Dieser Turm hatte die Spannungen zwischen den Staaten erhöht, weil das atheistische Pjöngjang ihn als Mittel propagandistischer Kriegsführung ansah. Als sich die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea in einer Phase der Annäherung etwas entspannt hatten, ließ Seoul die Lichter des Stahlturms ausschalten.

Die wichtigsten Fragen zu den Provokationen von Nordkorea

Wann ist rote Linie für Südkorea überschritten?

Militärisch dürfte das der Fall sein, wenn Nordkorea das Nachbarland mit Waffengewalt provozieren sollte. Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye hat die Streitkräfte angewiesen, „ohne Rücksicht auf politische Erwägungen“ auf Provokationen des Nordens prompt und strikt zu reagieren. Sie wolle sich dabei ganz auf das Urteilsvermögen des Militärs verlassen.

Wo könnte es zur militärischen Konfrontation kommen?

Als Spannungsgebiet gilt etwa die umstrittene Seegrenze im Gelben Meer, wo es schon in den vergangenen Jahren zu Gefechten zwischen Kriegsbooten beider Länder gekommen ist. Auch an der schwer bewachten Landesgrenze kam es seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) immer wieder zu Zwischenfällen. Als denkbare Auslöser einer militärischen Konfrontation gelten das Eindringen nordkoreanischer Marineschiffe in die von Südkorea beanspruchten Gewässer oder etwa der Aufmarsch nordkoreanischer Soldaten in der sogenannten gemeinsamen Sicherheitszone im Waffenstillstandsort Panmunjom an der Grenze.

Wann ist die rote Linie für Nordkorea überschritten?

Das ist schwer zu sagen. Das Land hat bereits den „Kriegszustand“ im Verhältnis zu Südkorea ausgerufen. Ein Angriffsbefehl blieb bisher aus. Das Regime erklärte angesichts laufender südkoreanisch-amerikanischer Militärübungen, man werde im Falle einer Provokation sofort zurückschlagen. Die Raketeneinheiten seien in ständiger Bereitschaftsstellung. Als Ziele wurden das US-Festland, amerikanische Militärstützpunkte in Hawaii und Guam sowie in Südkorea genannt. Auch drohte Nordkorea mit einem atomaren Präventivschlag.

Was kann passieren, wenn die Spannungen sich verschärfen?

Die größte Sorge ist, dass ein lokal begrenzter militärischer Zwischenfall sehr schnell zu einem Krieg in der Region eskalieren könnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist heute höher als noch vor einigen Jahren. So warnt etwa die Konfliktforschungsorganisation International Crisis Group: „Nordkorea hat zuletzt eine Reihe von Schritten unternommen, die das Risiko von Fehleinschätzungen, unbeabsichtigter Eskalation und eines tödlichen Konflikts erhöhen.“

Wie wird die militärische Stärke Nordkoreas eingeschätzt?

Nordkorea verfügt nach Ansicht von Experten nicht über die technischen Mittel, das US-Festland mit Langstreckenraketen anzugreifen. Doch ein Angriff mit Mittelstreckenraketen etwa auf die US-Truppen in Südkorea oder Militärstützpunkte in Japan läge durchaus im Bereich des Möglichen. Ferner kann das Land mit seinen Raketen Ziele in ganz Südkorea erreichen. Als besonders gefährdet gilt dabei die Millionenmetropole Seoul, die nur etwa 50 Kilometer von der Grenze entfernt und damit in Reichweite Tausender von nordkoreanischen Artilleriegeschützen liegt.

Wie groß ist der Einfluss Chinas?

Er wird zunehmend kleiner. Trotz der historischen Freundschaft sehen Experten eine spürbare Entfremdung. China ist frustriert, dass Nordkorea seine politische und wirtschaftliche Schützenhilfe nicht zu schätzen weiß. Es herrscht Verärgerung über den neuerlichen Atomtest, den Nordkorea trotz massiver chinesischer Intervention vorgenommen hat. Anders als Kim Jong Un hatte der frühere Militärmachthaber Kim Jong Il zumindest noch Respekt gegenüber China gezeigt. Peking empfindet den jungen Führer als schwierig, hat ihn bisher auch nicht zu einem Besuch eingeladen.

Hat sich Chinas Politik gegenüber Nordkorea geändert?

Indem China die UN-Resolutionen mit Sanktionen gegen Nordkorea unterstützt hat, verstärkt Peking den Druck auf Pjöngjang. Trotzdem ist eine grundsätzliche Kehrtwende in Chinas Nordkoreapolitik noch nicht erkennbar. Der große Nachbar leistet weiter wirtschaftliche Unterstützung für das verarmte Land und will es von notwendigen Reformen überzeugen.

Welche Beweggründe hat Peking?

China fürchtet, dass ein Zusammenbruch Nordkoreas zu einer Destabilisierung der Lage auf der koreanischen Halbinsel führen könnte – oder gar zu einem Krieg. Die Konsequenz wären große Flüchtlingsströme. Außerdem gibt es Sorgen um die Atomanlagen. Für China dient Nordkorea auch als eine Art strategischer Puffer, weil bei einer Wiedervereinigung oder Übernahme Nordkoreas durch den Süden amerikanische Truppen an Chinas Nordgrenze stehen könnten.

Wie reagiert Russland auf die Vorgänge im Nachbarland Nordkorea?

Seine Truppenpräsenz an der Grenze mit Nordkorea hat Russland bereits demonstrativ verstärkt. Eine militärische Lösung des Konflikts lehnt Moskau aber ab. Vielmehr will das Riesenreich die Verhandlungen der Sechser-Gruppe (Nord- und Südkorea, China, Japan, Russland und die USA) wieder anschieben und das Problem diplomatisch lösen. Moskau fordert von Pjöngjang die Beendigung des Atomprogramms und die Rückkehr in den Atomwaffensperrvertrag. „Der Atomstatus Nordkoreas ist für uns unannehmbar“, betont Kremlchef Wladimir Putin.

Doch als die Spannungen wieder zunahmen, erlaubte die südkoreanische Regierung christlichen Gruppen, ihn 2010 und 2012 wieder zu beleuchten.

Nun teilte das südkoreanische Verteidigungsministerium mit, der entsprechende Plan einer christlichen Gruppe zur Aufstellung des neuen Baums sei gebilligt worden. Damit solle gezeigt werden, dass religiöse Freiheit garantiert werde. Der Baum steht auf einem Gipfel, der hoch genug ist, dass in Grenznähe lebende Nordkoreaner ihn sehen können.

In Korea gilt zwar seit 1953 ein Waffenstillstand, doch befinden sich beide Staaten formal immer noch im Kriegszustand. Es kommt immer wieder zu Feindseligkeiten.

Von

ap

Kommentare (2)

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Herr Carsten Härtl

02.12.2014, 11:01 Uhr

Bedauerlich, dass die Kriegstreiber-Fraktion in Südkorea derzeit wieder die Oberhand hat. Es gibt leider zu starke Konflikt-Gewinnler im Süden (z.B. die Generalität im Verteidigungsministerium), die jeden Entspannungsversuch von Frau Park im Keim ersticken.

Herr Paul Mueller

02.12.2014, 11:09 Uhr

Mich verwundert der Artikel.
"Ein Land der freien Welt" provoziert ein anderes Land?
"Ein Land der freien Welt" schreibt einem anderen Land eine Religion vor?
Das ist aber etwas ganz Neues ...

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