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16.11.2011

09:27 Uhr

Protest erlahmt

Schock im Hauptquartier von Occupy Wall Street

VonNils Rüdel

Schwerer Rückschlag für Occupy Wall Street: Nach der nächtlichen Räumaktion der Polizei ist das Dauercamp auf dem Zuccotti Park in Manhattan nun verschwunden. Ist das der Anfang vom Ende der Bewegung?  

Occupy-Demonstranten sind zurück

Video: Occupy-Demonstranten sind zurück

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WashingtonBefürchtet hatten sie es ja schon lange. „Die Räumungsaktion heute ist sicher nur verschoben“, hatte Anne Shiraz damals schon geahnt. Bald, wenn auf dem Platz mal nicht so viel los sein sollte, sagte die 66-jährige „Occupy Wall Street“-Aktivistin mit dem gelben Plastikumhang („Friedensbrigade der Omis“), „dann kommen sie zurück - und dann ist es hier vorbei“.

Das war am 14. Oktober. Gut einen Monat später, am Dienstag in den frühen Morgenstunden, wurde die Befürchtung der Rentnerin wahr.

Die New Yorker Polizei kam tatsächlich zurück, und zwar überraschend und mit einem massiven Aufgebot. Sie räumte den zu einer Zeltstadt ausgebauten Zuccotti Park in Lower Manhattan, um Reinigungskommandos Platz zu machen. Sie zog diesmal durch, was sie sich im Oktober in letzter Sekunde doch nicht getraut hatte. Auch in Seattle, Oakland und anderen amerikanischen Städten räumten Beamte besetzte Plätze.

Nach rund zwei Monaten Dauerprotest sieht die Lage für die Protestler in der Keimzelle der weltweiten Occupy-Bewegung in New York nun so aus: Sie dürfen zurück auf den Platz, aber ohne Zelte, Schlafsäcke und allem, was sie zum campen brauchen. Gleichzeitig rückt der Winter an, und so ist die Lebensgrundlage der Demonstranten praktisch dahin.

Und ihre Zukunft damit völlig offen.

Der Tag, der alles veränderte, begann mit einer Überrumplungsaktion. Gegen 1 Uhr morgens am Dienstag rückten mit Helm und Kampfmontur geschützte Polizisten auf den Platz ein. Sie rissen Zelte ein, konfiszierten Lebensmittel und die Bibliothek und trieben die aus dem Schlaf geschreckten Aktivisten auseinander. Einige hatten sich festgekettet, 200 Protestler wurden bei Rangeleien festgenommen. Um 4.30 Uhr rückten schließlich die Reinigungstrupps an – und ihre Wasserstrahler verwandelten den Platz zurück in seinen ursprünglichen Zustand.

Die in die Seitenstraßen getriebenen Demonstranten konnten da nur zuschauen. Ihre spontan angestimmten Lieder („We Shall Overcome“) und Sprechchöre („Wessen Park? Unser Park!”) klangen hilflos.

Dabei wurde es am Nachmittag noch einmal spannend. Nur ein paar Blocks weiter, im New York Supreme Court, beugte sich Richter Michael Stallman über einen Eilantrag, der die Räumung doch noch verhindern sollte. Doch Stallman hatte keine gute Nachrichten: Die Demonstranten hätten ihn nicht darin überzeugen können, „dass sie das verfassungsmäßige Recht haben, mit ihren Zelten, Strukturen, Generatoren und anderen Installationen auf dem Zuccotti Park zu bleiben“.

Kommentare (6)

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16.11.2011, 07:35 Uhr

Fuer mich sind dies dumme Menschen, die nicht mal begriffen haben, dass sie vor der FED demonstrieren muessten. Da liegt das Hauptquartier der US-Finanzwirtschaft.

Koboldo

16.11.2011, 07:49 Uhr

Sicherlich sind die Aktivisten oft nur von Emotionen bewegt und die Zusammenhänge werden nicht erkannt, sondern lediglich deren Auswirkungen, und die sind nicht von der Hand zu weisen. Diese allgemeine Kapitalismuskritik wird durch die Räumung eines Platzes nicht verstummen, ganz im Gegenteil, die Aufmerksamkeit erhöht sich weltweit und es wird sicherlich genau beobachtet, wie ernst es die USA mit ihrer demokratisch zugesicherten Meinungsfreiheit halten

EinGast

16.11.2011, 08:57 Uhr

In der Wall Street als einem Zentrum des globalen Finanzsystems stehen die Leute ganz richtig. Die Gelddruckerei ist nicht das einzige Problem Amerikaner. Die faulen Kredite, die diese internationale Krise ausgelöst haben, sind nicht auf dem Mist der FED gewachsen. Und die, die bislang an der Krise verdient haben, sitzen auch nicht in der FED. So clever die Idee hinter dem Aktienhandel einmal war, so grandios ist das System aus dem Ruder gelaufen. Das Problem ist, dass sich derzeit keine Regierung traut, die Finanzwirtschaft wieder in Bahnen zu lenken, in der sie den Menschen nutzt. Alle entsprechenden Pläne haben sich in den letzten Monaten als Luftnummern herausgestellt. Schaut man sich die wirtschaftliche Entwicklung der USA an, wie es der staatstragenden Mittelschicht ergangen ist und vor allem, in welch desolaten Zustand die Politik spätestens seit der Tea Party-Bewegung ist, kann man wohl froh sein, dass diese Leute friedlich demonstrieren. Aber wer weiß, ob die USA nicht geradewegs auf ihren zweiten großen Umsturz zusegelt.

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