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17.01.2004

22:34 Uhr

International

Protest in Paris gegen dritte AKW-Generation

Gegen den Bau neuer Druckwasser-Reaktoren ab 2015 haben rund 10.000 Franzosen demonstriert. Mit origineller Marschordnung: Sie liefen rückwärts durch Paris.

HB BERLIN. Gegen den Bau neuer Atomkraftwerke (AKW) in Frankreich haben am Samstag in Paris Tausende von Menschen protestiert. Die Veranstalter sprachen von 10- bis 15.000 Teilnehmern, die Polizei gab ihre Zahl mit knapp 6000 an.

Die Kundgebung war gegen das Vorhaben der Regierung gerichtet, ab 2015 neue Druckwasser-Reaktortyp der dritten Generation (European Pressurized Water Reactor, EPR) zu errichten. Um den ihrer Meinung nach rückschrittlichen Charakter der Atom-Pläne zu verdeutlichen, marschierten die Demonstranten nach dem Beginn des Protestzugs im Pariser Osten rückwärts. Ihr Ziel war das Industrie- und Wirtschaftsministerium.

Die 58 französischen Atomreaktoren produzieren zusammen 78,2 Prozent des in Frankreich verbrauchten Stroms. Allerdings müssen 2020 die ersten AKW aus Altersgründen still gelegt werden.

Industrieministerin Nicole Fontaine hatte daher angekündigt, sie wolle zu Beginn des Jahres den Bau eines EPR-Prototypen bis 2010 vorschlagen. Bei einem erfolgreichen Probebetrieb könnten dann weitere EPR gebaut und bis 2020 in Dienst gestellt werden.

Die Reaktoren neuen Typs werden vom staatlichen Energieunternehmen Electricite de France gemeinsam mit französischen und deutschen Firmen gebaut, darunter Framatome und Siemens. Davor warnte auf der Demonstration ein Sprecher des Antiatomkraft-Netzwerks "Sortir du Nucleaire". Eine solche "Wiederbelebung der Atomkraft über die Bande" könne der Beginn neuer "enormer Investitionen" sein.

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