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12.12.2013

14:30 Uhr

Proteste

EU-Delegation soll in die Ukraine reisen

Die Demonstranten in der Ukraine bekommen Unterstützung von der Europäischen Union: Das EU-Parlament will eine Delegation nach Kiew schicken und hat bereits allerlei Wünsche für die Ukraine formuliert.

Pro-Europäische Demonstranten in Kiew: Die EU fordert Gewaltverzicht gegen friedliche Demonstranten. Reuters

Pro-Europäische Demonstranten in Kiew: Die EU fordert Gewaltverzicht gegen friedliche Demonstranten.

StraßburgDas EU-Parlament hat sich solidarisch mit den prowestlichen Demonstranten in der Ukraine erklärt und will so schnell wie möglich eine Delegation nach Kiew schicken. Die Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch sollte Verhandlungen mit der Opposition und Vertretern der Zivilgesellschaft einberufen, hieß es in einer fraktionsübergreifenden Entschließung, die am Donnerstag in Straßburg mit großer Mehrheit verabschiedet wurde.

Ein Termin, wann eine Delegation in die Ukraine reisen soll, stand zunächst nicht fest.

„Die EU darf die Ukraine jetzt nicht aufgeben. Das Land braucht eine europäische Perspektive. Wir müssen mit konkreten Maßnahmen wie zum Beispiel einer weiteren Visa-Erleichterung die pro-europäische Bewegung unterstützen“, forderte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im EU-Parlament, Rebecca Harms.

Euromaidan - Was steckt dahinter?

Wortkreation

Euromaidan ist eine linguistisch wie soziologisch spannende Wortkreation, die der Lage der Ukraine zwischen Ost und West - geografisch wie politisch - Rechnung trägt. Der Urheber des Begriffs ist nicht bekannt, möglicherweise ist Euromaidan eine Frucht des kollektiven Unterbewusstseins einer Nation.

Woraus setzt sich Euromaidan zusammen?

Die Bedeutung des ersten Teils des Wortes, „Euro“, liegt auf der Hand: Europa. „Maidan“ klingt für westeuropäische Ohren zunächst mysteriös. Das Wort hat persische Wurzeln und wurde vermutlich von den Osmanen ins Land gebracht. Es bedeutet „Platz“ oder „offener Ort“. Euromaidan deshalb mit „Europaplatz“ zu übersetzen, wäre zwar technisch korrekt, würde jedoch zu kurz greifen, denn es würde die emotionale Dimension außer Acht lassen, die dem Begriff seine Kraft verleiht.

Europa

Geografisch gehört die Ukraine zu Europa. Für die Demonstranten in den Straßen von Kiew ist Europa jedoch ein Konzept, eine lebhafte aber frustrierend weit entfernet Vision. Europa steht in ihren Augen für echte Demokratie, vertrauenswürdige Polizei und aufrichtigen Respekt der Menschenrechte.

Maidan

Maidan bezieht sich zunächst einmal auf den „Maidan Nesaleschnosti“ (Platz der Unabhängigkeit) im Zentrum von Kiew. Zerstört im Zweiten Weltkrieg, wurde er zur Sowjetzeit im Stil der Stalin-Architektur wieder aufgebaut - weder düster noch einschüchternd in seiner Ausstrahlung, doch mit Gebäuden hoch genug, um zu beeindrucken. Es herrscht eine angenehme Stimmung auf dem Platz und wenn sich die Kiewer dort verabreden, nennen sie ihn fast zärtlich bei seinem ersten Namensteil: „Lass uns auf dem Maidan treffen.“

Euromaidan

Wenn nun Europa und Maidan zu einem Wort verschmelzen, wird daraus vor allem eine Idee, losgelöst vom Platz. Und es ist nicht das erste Mal, dass der Kiewer Maidan Schauplatz von Protesten für westliche Werte wird. Während der Orangenen Revolution 2004 war der Platz das Zentrum der täglichen Demonstrationen, die zur Aufhebung der Präsidentenwahlen führte. Schon damals war Maidan eine zweisilbige Versinnbildlichung friedlichen Widerstands und entschlossener Handlung. Die Ausstrahlung von Euromaidan ist kräftig genug, dass ukrainische Medien die Wortschöpfung übernehmen und inzwischen sämtliche Protestaktionen im Land damit umschreiben.

Ambivalenz des Begriffs

Die Welle des zivilen Widerstands 2004 war ergreifend und mitreißend, doch die Hoffnungen, die mit der Orangenen Revolution verbunden waren, blieben weitgehend unerfüllt. Auf den Umschwung folgten Jahre geprägt von Streit und Ernüchterung. 2010 wählten die Ukrainer Viktor Janukowitsch zu ihrem Präsidenten, denselben Mann, der die 2004 rückgängig gemachte Wahl nominell gewonnen hatte. Die Heldin der Revolution, Julia Timoschenko, landete wegen Machtmissbrauchs als Regierungschefin im Gefängnis.
Daher ist auch die endgültige Bedeutung von Euromaidan zunächst noch undefinierbar. Es muss sich noch herausstellen, ob der Begriff für Erfolg oder Scheitern steht.

Die EU-Regierungen sollten auf ihrem Gipfeltreffen in der kommenden Woche „ein klares politisches Signal“ an Kiew senden, „dass die EU nach wie vor zu Verhandlungen mit der Ukraine bereit ist“, hieß es in dem Papier. Kiew hatte auf Druck des Kreml die Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der EU in letzter Minute auf Eis gelegt.

In der Resolution von Christdemokraten, Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen wird der politische und wirtschaftliche Druck der russischen Regierung auf die Ukraine scharf verurteilt. Gleichzeitig sollte die EU über Sanktionen nachdenken. Die Union sollte in der Lage sein, „zu reagieren und Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen, wenn sie oder ihre Partnerländer politisch oder wirtschaftlich unter Druck geraten“.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

12.12.2013, 16:40 Uhr

Zitat : EU-Delegation soll in die Ukraine reisen

- und die Revolutionsromantik aus nächster Nähe anschauen.

Die Ukrainer sind da geübt und können den EUtopia-Schmarotzern eine Menge vor Augen führen !

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