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27.10.2013

20:28 Uhr

Proteste gegen Fahrverbot für Frauen

Haft für 14 Autofahrerinnen in Saudi-Arabien

In Saudi-Arabien dürfen Frauen nicht Auto fahren. Etliche Bürgerinnen demonstrierten am Sonntag gegen das Gesetz – und setzten sich ans Steuer. Die Regierung reagierte mit Festnahmen.

Frauen am Steuer – in Saudi-Arabien ist dies ein ungewöhnliches Bild. Am Sonntag demonstrierten etliche Frauen auf diese Weise gegen das Fahrverbot für weibliche Fahrerinen in dem islamischen Land. dpa

Frauen am Steuer – in Saudi-Arabien ist dies ein ungewöhnliches Bild. Am Sonntag demonstrierten etliche Frauen auf diese Weise gegen das Fahrverbot für weibliche Fahrerinen in dem islamischen Land.

Kairo/RiadDie junge Frau ist vollverschleiert und sitzt entspannt am Steuer ihres Wagens. „Wir sind jetzt in der Al-Nadschah-Straße, in Ihsa“, sagt sie mit fröhlicher Stimme. Die Handy-Kamera ihrer Beifahrerin nimmt sie bei dem in Saudi-Arabien verbotenen Treiben auf. „Ich fahre mit meinen Schwestern und mache Besorgungen, so brauchen sie nicht zu warten, bis der Chauffeur kommt. Ich habe einen Führerschein und kann fahren, wir sind nicht in Gefahr.“

Der 46-Sekunden-Clip aus der saudischen Ost-Provinz ist einer von rund einem Dutzend Kurzfilmen, die autofahrende Frauen aus Saudi-Arabien am Samstag über die Internet-Plattform YouTube veröffentlicht haben.

Die Gruppe „Women2Drive“ hatte für den Samstag zum Aktionstag gegen das Fahrverbot für Frauen aufgerufen. Möglichst viele Frauen im islamischen Königreich sollten an diesem Tag das anachronistische Verbot missachten und sich demonstrativ hinters Steuer klemmen. Wie viele Bürgerinnen dem Aufruf Folge leisteten, lässt sich nicht abschätzen. Einige ließen sich dabei filmen und stellten das Ergebnis ins Internet.

Infrastruktur: Saudi-Arabien modernisiert sich

Industrie

Elf neue Industriestädte sollten ab 2012 und in den kommenden Jahren entstehen. Allein die 14 Millionen Quadratmeter große King Abdullah Economic City kostet 86 Milliarden Dollar und soll einen Hafen so groß wie Rotterdam bekommen. Das soll Hunderttausende Jobs bringen, denn die Arbeitslosigkeit bei den 20- bis 25-Jährigen liegt bei 40 Prozent.

Wohnungsbau

67 Milliarden Dollar sind für Bauprojekte vorgesehen. Allein 500 000 neue Häuser sollen errichtet werden. Neuer günstiger Wohnraum soll die Wohnungsnot beenden.

Gesundheit

19 Prozent des Staatshaushalts sollten ab 2012 in den Gesundheitssektor fließen. Für 65 Milliarden Dollar werden seitdem 121 Spezial-Kliniken gebaut und 66 Krankenhäuser modernisiert. Die Zahl der Krankenhausbetten sollte dabei von 54 000 in 2012 auf 97 500 im Jahr 2014 steigen.

Autoindustrie

Die Experten von „Business Monitor International“ haben errechnet, dass der Autoabsatz in Saudi-Arabien allein 2011 um zehn Prozent auf 688 900 Fahrzeuge zugelegt hat. Die Nachfrage soll künftig nicht mehr allein durch Importe gedeckt werden. Bis 2020 soll eine heimische Autoindustrie mit einer jährlichen Produktionskapazität von 650000 Fahrzeugen aufgebaut werden.

Bildung

Für vier Milliarden Dollar wurde die Princess Nora Bint Abdul Rahman Universität in Riad für 60 000 Studentinnen gebaut. Zuvor war schon die King Abdullah University for Science & Technology gegründet worden. Für weitere Milliarden sind andere große Unis in Planung. Zudem sollen Schulen und Kindergärten massiv ausgebaut werden.

Verkehr

38 Milliarden Dollar sollten von 2012 an allein bis 2014 in den Ausbau des Schienennetzes und in Straßen gesteckt werden. Ganz neue Eisenbahnlinien sollen auch künftig entstehen, Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen vor allem für Rohstofftransporte gebaut werden. Weitere 11,3 Milliarden Dollar kostet aktuell der Flughafenausbau.

Energie

Der Strombedarf wächst rapide. Um den Energiehunger dauerhaft stillen zu können, müssen künftig 40 Prozent des bisher zur Stromgewinnung eingesetzten Öls eingespart werden. Dazu sollen 16 Atomkraftwerke durch die französische Areva und die saudische Bin Laden Group im Wert von über 100 Milliarden Dollar gebaut werden. Weitere 100 Milliarden Dollar sollen binnen zehn Jahren in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt werden.

Öl und Gas

Dieser Sektor nimmt sich mit aktuell geplanten Investitionen von 37 Milliarden Dollar fast schon bescheiden aus. Allein 25 Milliarden verschlingen zwei neue Raffinerien für Saudi Aramco in Jubail und Yanbu.

Auf den Filmen sind meist vollverschleierte Frauen zu sehen, wie sie am Steuer von Mittel- oder Oberklassewagen durch saudische Städte kreuzen. Eine besonders verwegene Autofahrerin hat nur ihr Haar mit einem Kopftuch bedeckt. Sie zeigt ihr Gesicht und gibt ihren Namen mit Mai al-Sawjan an. Auf einem anderen Clip begeistert sich der Ehemann der Autofahrerin auf dem Beifahrersitz für die Aktion und ruft in die Kamera: „Kommt hervor Mädchen und macht mit!“

Die Behörden hatten ein hartes Durchgreifen angekündigt. Großflächige Polizeikontrollen blieben aber aus, wie Augenzeugen berichteten. Dennoch wurden insgesamt 14 Autofahrerinnen festgenommen, wie die Zeitung „Al-Madina“ am Sonntag vermeldete. Ihnen droht möglicherweise eine heftige Geldstrafe.

Das Fahrverbot für Frauen ist indes in Saudi-Arabien durchaus umstritten. 20.000 Bürgerinnen und Bürger unterzeichneten die Petition der „Women2Drive“-Kampagne. Weibliche Abgeordnete des Schura-Rates – solche gibt es überhaupt erst seit Jahresbeginn – verlangten, die Aufhebung des Fahrverbots auf die Tagesordnung zu setzen. Der Schura-Rat ist ein rein beratendes Gremium, dessen Mitglieder von König Abdullah ernannt werden.

Kommentare (6)

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28.10.2013, 10:07 Uhr

"So meinte ein Scheich Saleh bin Saad al-Luhaidan, seines Zeichens Berater des Psychologen-Verbands der Golfstaaten, dass das Autofahren schädlich für die Eierstöcke sei und vermehrt zu Geburten mit Missbildungen führen würde."
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Aus welcher geschlossenen Anstalt hat man den denn laufen lassen? Sorry, aber das ist ja wohl von hinter der hintersten Sanddüne im finstersten Mittelalter!

Account gelöscht!

28.10.2013, 10:33 Uhr

War das bei uns vor 100 Jahren anders? Oder die Irrtümer über die weiblich Sexualität, daß Orgasmen als Hysterie fehlgedeutet wurde. Sooo lange ist das alles auch bei uns noch nicht her, als das wir uns als etwas besseres fühlen können.

Account gelöscht!

28.10.2013, 15:07 Uhr

"War das bei uns vor 100 Jahren anders?"
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Der Unterschied ist, daß heute *jeder* auf modernes Wissen zugreifen kann, der nicht zu dumm oder borniert ist, einen Computer mit Internetanschluß zu bedienen oder ein Fachbuch zu lesen. Er muß nur *wollen*. Das Geschwätz von diesem rückständigen Scheich zu einem Thema, von dem er offensichtlich nicht einmal oberflächliche Allgemeinbildung besitzt, ist einfach nur peinlich bis lächerlich und zeugt vom Unwillen, zu lernen und sich weiterzubilden. Da quasselt der Blinde von der Farbe und dafür gibt es keine Entschuldigung!

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