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24.03.2006

13:02 Uhr

Proteste gegen Freihandel

Straßenblockaden der Indios legen Ecuadors Wirtschaft lahm

VonAnne Grüttner

Aus Protest gegen die Freihandelsverhandlungen Ecuadors mit den USA sperrten Indio-Organisationen die Haupt-Zufahrtsstraßen in wichtige Regionen für Milchproduktion und der Blumenzucht, eines der Hauptexportprodukte Ecuadors.

HB BUENOS AIRES. Die Regierung in Ecuador hat den Ausnahmezustand über fünf der insgesamt 22 Provinzen verhängt, um die seit zehn Tagen anhaltenden Straßenblockaden aufzulösen. Aus Protest gegen die Freihandelsverhandlungen Ecuadors mit den USA sperrten Indio-Organisationen die Haupt-Zufahrtsstraßen in wichtige Regionen für Milchproduktion und der Blumenzucht, eines der Hauptexportprodukte Ecuadors.In den betroffenen Provinzen ist außerdem die Versorgung mit Lebensmitteln und Arzneien knapp.

„Wir werden weiter mobilisieren und die Proteste gegen das Freihandelsabkommen vertiefen“, erklärte Luis Macas, der Vorsitzende des Indio-Dachverbands Conaie. Der politische Arm der Conaie, die im Parlament vertretene Indio-Bewegung Pachakutik, bezeichnete die Verhängung des Ausnahmezustands indes als „feige“ und versicherte: „Wir Indios werden nicht nachgeben.“

Anders als etwa in Bolivien, wo nach Jahren der politischen Instabilität und ständigen Massenprotesten der indigenen Bevölkerung nun der Indio-stämmige Evo Morales mit großer Mehrheit zum Präsidenten gewählt wurde, stellen die Indios in Ecuador nur eine Bevölkerungsminderheit. Doch ähnlich wie die glücklosen Ex-Regierungen in Bolivien wird die ecuadorianische Regierung durch die überall schwelenden Konfliktherde stark geschwächt.

Der amtierende Präsident Alfredo Palacios war erst im vergangenen Jahr vom Vizepräsidenten zum obersten Staatschef aufgerückt, nachdem der gewählte Präsident Lucio Gutierrez inmitten von Massenprotesten zurücktreten musste. Protagonisten der damaligen Protesten waren anders als jetzt eher Angehörige der städtischen Mittelschicht. Auslöser für die Demonstrationen war damals vor allem Gutierrez’ Unterstützung für den korrupten Ex-Präsidenten Bucaram. Über das Schicksal von Gutierrez entschied damals das Militär, das sich weigerte, die Proteste gewaltsam niederzuschlagen. Dem Präsidenten blieb somit nur der Rücktritt.

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