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26.01.2009

09:57 Uhr

Proteste gegen Regierung

Island: Finanzkrise fordert politische Opfer

VonHelmut Steuer

Das nur knapp einem Staatsbankrott entkommene Island steht vor weiteren Turbulenzen: Am Sonntag trat nach tagelangen Protesten mehrerer tausend Menschen gegen die Regierung Handelsminister Björgvin Sigurdsson von seinem Amt zurück. Kurz vorher hatte er die Leitung der staatlichen Bankenaufsicht entlassen.

Demonstranten vor dem Parlament Althing in Reykjavik. Der Volkszorn auf der Vulkaninsel kocht über. Foto: dpa dpa

Demonstranten vor dem Parlament Althing in Reykjavik. Der Volkszorn auf der Vulkaninsel kocht über. Foto: dpa

STOCKHOLM. Damit hat die mit aller Wucht auf Island zugeschlagene Finanzkrise ihre ersten politischen Opfer gefordert. Zuvor hatte die Koalition aus konservativer Unabhängigkeitspartei von Premier Geir Haarde und den Sozialdemokraten nach wochenlangen Massenprotesten den Forderungen der Demonstranten nach vorzeitigen Neuwahlen nachgegeben. Haarde kündigte nach langem Zögern am Freitag Neuwahlen für den 9. Mai an. Er selbst werde wegen einer bevorstehenden Krebsoperation nicht mehr kandidieren, sagte er.

Doch die Ankündigung, die eigentlich erst 2011 stattfindenden Wahlen deutlich vorzuziehen, reichte den Demonstranten nicht. Auch am Wochenende versammelten sich erneut bis zu 6 000 Demonstranten vor dem isländischen "Althing", dem Parlament in Reykjavik, und forderten den unmittelbaren Rücktritt der Regierung. Sie wollen einen sofortigen Neuanfang mit einer Übergangsregierung bis Anfang Mai.

Die Wut vieler der insgesamt 320 000 Isländer hatte sich bereits im Herbst entladen, als Island als erstes Land der Welt wegen der globalen Finanzkrise kurz vor einem Staatsbankrott stand. Nur durch einen 4,8 Mrd. Dollar-Kredit (3,7 Mrd. Euro) des Internationalen Währungsfonds (IWF), der nordischen Länder und Polens konnte der Zusammenbruch in letzter Sekunde abgewendet werden. Deutschland, Großbritannien und die Niederlage versprachen zusätzliche 4,8 Mrd. Euro an Krediten, damit die vielen Kleinsparer in Europa, die bei isländischen Banken ihr Geld angelegt hatten, ausgezahlt werden können. Die drei Banken Landsbanki, Glitnir und Kaupthing waren nach einer massiven Expansionsphase in Europa in akute Zahlungsschwierigkeiten geraten und mussten verstaatlicht werden. Allein in Deutschland warten noch immer rund 30 000 Kleinsparer auf die Auszahlung ihrer Konten.

Viele Isländer werfen der Regierung von Premierminister Haarde vor, zu lange untätig dem ungehemmten Expansionsdrang einiger weniger isländischer Unternehmer zugeschaut zu haben. Die hatten die Auslandsexpansion größtenteils mit Krediten finanziert und sich dabei völlig überhoben.

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