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03.06.2011

16:25 Uhr

Proteste gegen Regime

Syrische Streitkräfte töten mehr als 27 Demonstranten

Bei einer Massendemonstration gegen Präsident al-Aassad erschießen syrische Streitkräfte in Hama über 27 Menschen. Im ganzen Land feuern Scharfschützen des Regimes auf Orte, die als Zentrum der Revolte gelten.

Syrische Streitkräfte vor Regierungsgegnern. Quelle: dapd

Syrische Streitkräfte vor Regierungsgegnern.

BeirutZehntausende Regierungsgegner sind am Freitag in Syrien auf die Straßen geströmt und haben den Rücktritt von Präsident Baschar Assad gefordert. Die Sicherheitskräfte feuerten auf mindestens zwei der Demonstrationszüge im ganzen Land und töteten mindestens 27 Menschen in Hama. Zahlreiche Menschen seien zudem verletzt. Das Regime blockierte unterdessen in weiten Teilen von Syrien den Zugang zum Internet und ließ erneut Orte beschießen, die als Zentrum der Revolte gelten.

Nach dem Ende der Freitagsgebete zogen die Menschen durch die Städte, Ortschaften und Dörfer. Der Direktor des Syrischen Observatoriums für Menschenrechte, Rami Abdul-Rahman, sagte, in Hama hätten Sicherheitskräfte auf Zehntausende Teilnehmer eines Demonstrationszuges geschossen. Zahlreiche Menschen seien ums Leben gekommen. Der Protest in Hama war seinen Angaben zufolge einer der größten seit Beginn des Aufstands gegen Assads Regime vor zehn Wochen.

Die Opposition hatte für Freitag erneut zu Demonstrationen aufgerufen, um an die fast 30 Kinder zu erinnern, die von Regierungskräften während der Proteste getötet wurden. In Daraa, wo der Aufstand begann, riefen die Demonstranten „Kein Dialog mit den Mördern von Kindern“, wie ein Aktivist erklärte. Sie bezogen sich damit auf ein Dekret von Assad zur Einsetzung eines Ausschusses, der einen nationalen Dialog zur Beendigung der Krise anführen soll.

Stadt Rastan erneut beschossen

Die syrischen Streitkräfte beschossen am Freitag nach Angaben von Aktivisten die Stadt Rastan mit Artillerie und schweren Maschinengewehren. Mindestens zwei Menschen seien getötet worden, teilten die Örtlichen Koordinierungskomitees mit. Diese Gruppe organisiert Proteste gegen die Regierung in Syrien und versucht auch, diese zu dokumentieren.

Die Stadt Rastan und das nahegelegene Talbiseh in Mittelsyrien werden seit einer Woche von Heereseinheiten belagert. Seit Samstag sollen dabei 74 Menschen getötet worden sein. Nach Angaben der Koordinierungskomitees feuerten Soldaten auch auf Einwohner, die aus Rastan zu fliehen versuchten.

13-Jähriger als Symbol des Widerstands

Aktivisten sagten unterdessen, die Behörden hätten das Internet in mehreren Landesteilen lahmgelegt. Damit soll offenbar verhindert werden, dass Regierungsgegner erneut Aufnahmen der Proteste und des harten Vorgehens der Sicherheitskräfte hoch laden und weiteren Widerstand organisieren. Einwohner von Damaskus bestätigten die Angaben.

In dieser Woche waren auf der Videoplattform YouTube Aufnahmen von der Leiche eines 13-jährigen Jungen aufgetaucht, der von Sicherheitskräften gequält und erschossen worden sein soll. Der Junge wurde seitdem zu einem Symbol des syrischen Aufstands. Während der Demonstrationen trugen viele Menschen sein Bild durch die Straßen.

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