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01.02.2011

15:42 Uhr

Proteste in Algerien

Jordaniens König entlässt die Regierung

Die Proteste in Nordafrika werden immer mehr zum Flächenbrand. Nach Tunesien und Ägypten rumort es jetzt auch in Algerien und Jordanien. Während in Algier große Streiks erwartet werden, hat Jordaniens König Abdullah nach fortgesetzten Demonstrationen die Regierung entlassen.

König Abdullah II mit US-Präsident Obama: Regierung entlassen dpa

König Abdullah II mit US-Präsident Obama: Regierung entlassen

HB AMMAN/ALGIER. Zudem hat Jordaniens Staatsoberhaupt, ein enger Vertrauter der USA in der Region, am Dienstag seinen ehemaligen Militärberater Maruf Bachit damit beauftragt, ein neues Kabinett zu bilden. Das sagte ein Regierungsvertreter in der Hauptstadt Amman. In Jordanien hatte es inspiriert von dem Umsturz in Tunesien zuletzt wiederholt Proteste gegen die Regierung von Ministerpräsident Samir Rifai gegeben. Die Demonstranten forderten auch eine Rücknahme von Wirtschaftsreformen, von denen nach Ansicht vieler Jordanier vor allem der reiche Teil der Bevölkerung profitiert. Das Land hat derzeit mit der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten zu kämpfen.

Das zwischen Israel und dem Irak gelegene Königreich Jordanien bemüht sich in einer konfliktreichen Region um Stabilität und Ausgleich. König Abdullah II. verfolgt seit seiner Thronbesteigung 1999 den gleichen Kurs wie sein Vater Hussein. Dieser hatte sich um gute Beziehungen zu allen Nachbarstaaten bemüht. Husseins Friedensschluss mit Israel 1994 sehen viele Jordanier bis heute kritisch. Mehr als die Hälfte der 5,7 Millionen Einwohner des Königreichs sind Palästinenser, von denen die meisten aus dem seit 1967 von Israel besetzten Westjordanland geflohen sind.

Unter dem Eindruck der Entwicklungen in Tunesien und Ägypten formiert sich nun auch in Algerien der Widerstand gegen das herrschende System und die sozialen Missstände im Land. Mehrere Gewerkschaften kündigten für die kommenden Tage große Streiks an. Bereits am Dienstag legten knapp 90 000 Krankenpfleger die Arbeit nieder. Am Vortag hatten wieder junge Arbeitslose mit grausamen Selbstverletzungen gegen die Perspektivlosigkeit im Land protestiert. Drei Männer im Alter zwischen 27 und 33 Jahren schlitzten sich mit Rasierklingen die Haut auf.

Etliche andere Algerier hatten zuvor mit öffentlichen Selbstverbrennungen für Schlagzeilen gesorgt. Zu den jüngsten Fällen gehörte der eines Wachmanns einer Entwicklungsbank. Er versuchte, sich aus Verzweiflung über seine Situation zusammen mit seiner schwerbehinderten zehnjährigen Tochter anzuzünden. Alle Bankmitarbeiter traten daraufhin aus Solidarität in den Streik.

Für den 12. Februar haben Anhänger der Opposition für Freiheit und Demokratie zu einer Demonstration in Algier für einen Sturz des Systems und für ein Ende des seit 1992 geltenden Ausnahmezustands aufgerufen. Algerien wird seit 1999 von dem autoritären Präsidenten Abdelaziz Bouteflika regiert. Nach Jahren mit blutigen Angriffen islamistischer Rebellen hatte er lange für Stabilität im Land gesorgt. Die große Kluft zwischen Arm und Reich führte jedoch zu immer größeren Spannungen in der Gesellschaft.

Kommentare (2)

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k.h.a.

01.02.2011, 17:20 Uhr

Auch in Jordanien wird es nicht reichen, wenn der Potentat seine Kleider wechselt. Neue Gesichter in der Regierung von Gottes Gnaden werden die bevölkerung nicht beruhigen können. Denn endlich gibt es durch das internet und die massenhafte Kommunikation eines Jeden mit Allen einen Zuwachs an Hirn, dem auch der bestberatene Technokrat an der Spitze des Landes kaum etwas entgegenzusetzen hat. Alle Potentaten im Nahen Osten werden fallen. Ob es danach besser wird, ist noch offen.

aruba

01.02.2011, 17:38 Uhr

Guten Tag,.... Sie wissen ja wie der Name " Schwarzer September " entstanden ist. Was glauben Sie wie dem kleinen Koenig der Aa.... geht. besten Dank

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