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20.10.2011

17:49 Uhr

Proteste in Athen

Die Schuldenkrise wird lebensgefährlich

Ein Toter und zahlreiche Verletzte bei den Protesten in Griechenland: Die europäische Schuldenkrise ist mehr als ein wirtschaftliches Problem . Zehntausende belagern das Parlament, um ein neues Sparprogramm zu stoppen.

Polizei und Demonstranten treffen vor dem griechischen Parlament aufeinander. dpa

Polizei und Demonstranten treffen vor dem griechischen Parlament aufeinander.

AthenBei Krawallen in der Innenstadt von Athen ist ein Demonstrant ums Leben gekommen. Ein Krankenhaus der Hauptstadt gab den Tod des 53 Jahre alten Mannes am Donnerstagnachmittag bekannt. Über die genaue Todesursache gab es zunächst keine genauen Angaben. Griechische Medien berichteten, der Mann sei von einem Stein am Kopf verletzt worden und habe anschließend einen Herzinfarkt erlitten.

In Athen haben am Donnerstag erneut zehntausende Griechen gegen ein neues hartes Sparprogramm demonstriert. Dabei kam es am Mittag zu Krawallen. Die Abgeordneten wollten voraussichtlich am Abend abschließend abstimmen. Demonstranten skandierten „Diebe“ in Richtung des Parlaments.

Finanzminister Evangelos Venizelos warnte seine Landsleute und mögliche Abweichler unter den Abgeordneten. Sollte das neue Spargesetz nicht gebilligt werden, werde es für Griechenland „keinen neuen Tag, sondern nur noch Dunkelheit geben“.

Rund 500 Krawallmacher griffen die friedliche Demonstration auf dem Platz vor dem Parlament an und lösten Panik aus. Die zum Teil vermummten Randalierer lieferten sich schwere Zusammenstöße hauptsächlich mit kommunistischen Demonstranten. Sie warfen mehrere Brandsätzen in Flaschen auf Teilnehmer.

Die Polizei setzte daraufhin massiv Tränengas ein, um die aufgebrachte Menschenmenge aufzulösen. Tausende Menschen flohen in Panik von dem Platz. Bereits am Mittwoch hatte es schwere Krawalle in Athen gegeben.

Demonstrationen gegen das harte Sparprogramm gab es auch in der Hafenstadt Thessaloniki im Norden des Landes, in der westgriechischen Hafenstadt Patras und auf Kreta in der Hafenstadt Heraklion sowie in der Stadt Ioannina im Nordwesten des Landes, berichtete das griechische Fernsehen.

Die Streiks gingen weiter. Aus Protest gegen die Sparprogramme ließen Mitarbeiter von Ministerien, Fährbetrieben und der Bahn die Arbeit ruhen. Ihnen schlossen sich Taxi-Fahrer und Angestellte öffentlicher Verkehrsbetriebe an.

Das neue Sparprogramm ist die Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Tranche der Hilfe für Griechenland von acht Milliarden Euro. Es sieht Entlassungen im staatlichen Bereich vor. Zudem sollen die Gehälter von Staatsbediensteten um 20 Prozent gekürzt werden.

Kommunistische Demonstranten forderten den Austritt Griechenlands aus der Eurozone und der Europäischen Union. Die Ultrakonservative Partei LAOS verlangte den Rücktritt der Regierung und Neuwahlen.

Von

dpa

Kommentare (10)

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Mollemopp

20.10.2011, 18:22 Uhr

Liebe Griechen, für eure Streiks habt ihr den allergrößten Respekt von mir. Griechen in Deutschland sagt das euren Verwandten und Bekannten in Griechenland. Wir wollen auch nicht, dass unsere Politiker ihre sogenannten Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Bevölkerung austragen. Nur weil wir Waschlappen hier in Deutschland nicht dagegen protestieren, heißt es aber nicht das wir mit unseren Politikern einer Meinung sind. Die Ketten, die man euch anlegen will, verdanken wir auch hier in Deutschland den EU-Politikern. Ihr Griechen zeigt, dass man gegen unmenschliche Politiker Widerstand zeigen kann. Weiter so. Damit sie sehen, dass sie Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen.

Account gelöscht!

20.10.2011, 18:33 Uhr

«Jene, die den Euro zerstören, werden die Verantwortung dafür tragen müssen, wenn auf unserem Kontinent die Konflikte wieder zurückkehren.»

-Nicolas Sarkozy 19.10.11

Hier zeigt sich die Spitze des Eisberges auf den wir zusteuern. Wenn es erstmal soweit ist das Frankreich offiziell den Bach runtergeht, können wir uns auf einiges gefasst machen.

Man wird uns, wahrscheinlich aus Gewohnheit, die alleinige Schuld zuweisen, da wir nicht auf den Rat Frankreichs und der PIIGS gehört haben.

Wir haben in den letzten Jahren schon miterlebt wie in Frankreich und England die Proteste der vergessenen Unterschicht eskalieren und es würde mich bei Napoleon 2.0 nicht wundern wenn er aus Eigenschutz die Wut auf uns kanalisieren wird.

Dabei können wir uns allerdings nicht auf die Rückendeckung unserer eigenen Politikerklasse verlassen. Laut EU Reformvertrag könnten die deutschen Politiker sogar ganz legal deutsche Demonstranten töten lassen.

Verfassung der Europäischen Union

Seite 401
Artikel 2: Recht auf Leben
..
(2) Niemand darf zur Todesstrafe verurteilt oder hingerichtet werden.

paar Zeilen Später zu Punkt 2

»Eine Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels betrachtet, wenn sie
durch eine Gewaltanwendung verursacht wird, die unbedingt erforderlich ist,
um
a) jemanden gegen rechtswidrige Gewalt zu verteidigen;
b) jemanden rechtmäßig festzunehmen oder jemanden, dem die Freiheit
rechtmäßig entzogen ist, an der Flucht zu hindern;

c) einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen«.

b) Artikel 2 des Protokolls Nr. 6 zur EMRK:

Ein Staat kann in seinem Recht die Todesstrafe für Taten
vorstehen, die in Kriegszeiten oder bei unmittelbarer
Kriegsgefahr begangen werden

diese Strafe darf nur in den Fällen, die im Recht vorgesehen sind, und in Übereinstimmung mit dessen Bestimmungen angewendet werden.

Falls es bald tote unter den Occupy Demomstranten gibt nicht wundern.




Maxwell

20.10.2011, 18:38 Uhr

Das ist Wahnsinn in welchem Zustand die Politiker dieses Volk gebracht haben.Leider kennen viele Politiker nicht die 70 und 80er Jahre wo Extremisten das Volk im Würgegriff hatten.Es zeichnet sich genau diese Entwicklung wieder ab.Das läßt sich mit Finanziellen Zugeständnissen nicht mehr zurückdrehen.Klar ist das gespart werden muß doch um welchen Preis hier die "Öffentliche Ordnung"erheizt wird.Brüssel,berlin und Paris wären gut beraten schnellstens Antworten auf einen "Marshallplan Griechenland" endlich auf dem Weg zu .Nur leider habe ich den eindruck hier will die Politik ein Example statuieren. Als abschreckendes Ergebnis von Mißwirtschaft und Korruption.

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