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19.06.2013

03:33 Uhr

Proteste in Brasilien

WM-Land weiter in Aufruhr

Brasilien kommt nicht zur Ruhe, die Massenproteste gehen weiter - und gewinnen scheinbar an Kraft. Staatschefin Rousseff muss die aufgebrachten Demonstranten beruhigen und der Welt Stärke demonstrieren.

Demonstranten legen Feuer

Tausende protestieren in Brasilien

Demonstranten legen Feuer: Tausende protestieren in Brasilien

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Rio de JaneiroIn Brasilien gehen die Proteste gegen Misswirtschaft, Korruption und steigende Kosten weiter. In Sao Paulo strömten nach Schätzungen 50 000 Demonstranten auf einen zentralen Platz vor dem Rathaus. Die Polizei ging gegen eine kleine Gruppe aus der Menge vor, die versuchte, in das Gebäude einzudringen. Dabei gingen ein Auto und mehrere andere Gegenstände in Flammen auf.

Auch in São Gonçalo bei Rio de Janeiro gingen Tausende auf die Straße. Dort war die Polizei ebenfalls massiv im Einsatz. Proste wurden erneut auch aus Belo Horizonte und anderen Städten gemeldet.

Vor dem Amtssitz des Bürgermeisters in Sao Paulo kam es zwischenzeitlich zu tumultartigen Szenen. Die Polizei musste sich in das Gebäude zurückziehen. Die Demonstranten nutzen Absperrgitter, um Fenster einzuschlagen.

São Paulos Bürgermeister Fernando Haddad hatte nach den Massenprotesten erstmals signalisiert, dass es möglicherweise eine Rücknahme der Fahrpreiserhöhung geben könne. Dies sei eine politische Entscheidung.

Die Rücknahme ist eine zentrale Forderung der Demonstranten. Sie forderten am Dienstag aber erneut auch ein Ende der Korruption und mehr Geld für Gesundheit und Bildung. In der Nacht zum Dienstag waren landesweit über 200 000 Menschen in über zwölf Städten auf die Straße gegangen. Sie protestierten auch gegen die Milliarden-Kosten für die Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr.

Am Montag waren fast eine viertel Million Menschen in zehn Städten auf die Straße gegangen. Präsidentin Dilma Rousseff begrüßte die Proteste, obwohl sie sich gegen ihre Regierung richten.

„Brasilien ist heute stärker aufgewacht“, sagte sie. „Die, die auf die Straße gegangen sind, haben der Gesellschaft als Ganzes eine Botschaft zukommen lassen und vor allem allen Regierungsebenen. Die massive Größe der Proteste von gestern beweisen die Energie unserer Demokratie, die Kraft der Stimme der Straße und die Höflichkeit unserer Bevölkerung.“

Einigen Demonstranten am Dienstag schien das noch zu allgemein zu sein. „Die Proteste gewinnen jeden Tag mehr Kraft, da ist eine enorme Energie, die nicht ignoriert werden kann“, sagte einer der Demonstranten am Dienstag in Sao Paulo, der 23-jährige Jurastudent Bruno Barp. „Alle Brasilianer sind mit der Regierung unzufrieden und den schlechten Dienstleistungen, die wir bekommen. Jeder ist bereit, für eine Veränderung zu kämpfen.“

Die landesweite Aktion war gut organisiert. Viele hatten sich über soziale Netzwerke im Internet verabredet. Schon seit Wochen laufen die Demonstrationen gegen eine Fahrpreiserhöhung im öffentlichen Nahverkehr. Auch beim Auftaktspiel für den Confederations Cup, der Generalprobe für die Fußball-WM 2014, gab es vorigen Samstag in Brasília Proteste. Präsidentin Rousseff dürfte schon Arges geschwant haben, denn sie wurde bei der Eröffnung im nagelneuen Mané-Garrincha-Stadion massiv ausgepfiffen.

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Es sind auch die immensen Kosten von schätzungsweise 27,5 Milliarden Reais (9,6 Mrd. Euro) für das Mega-Sport-Event im nächsten Jahr, die viele Brasilianer in Rage bringen. „Ich lass' die WM sausen und will mehr Geld für Gesundheit und Bildung“, riefen viele der Demonstranten. Nicht von ungefähr umfasste die Protestwelle nahezu alle der zwölf WM-Städte. „Brasilien auf der Straße“, titelte am Dienstag die Zeitung „O Globo“.

In Rio de Janeiro, wo das WM-Finale und auch das Endspiel beim Confed Cup am 30. Juni angepfiffen werden, eskalierte die Lage gegen 21.00 Uhr (Ortszeit). Während etwa 100.000 Menschen die Avendia Rio Branco um das historische Teatro Municipal faktisch lahmlegten, sonderten sich hunderte Randalierer ab und versuchten stundenlang, das Regionalparlament des Bundesstaates Rio zu stürmen.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

18.06.2013, 20:07 Uhr

Bei uns ist es auch bald soweit....der letzte Funke fehlt noch und dann werden auch hier alles das Gesicht dieser Regierung sehen und wie man mit dem Volk umgeht.....bald wird es knallen!

Ordem-e-Progresso

18.06.2013, 20:17 Uhr

Se você não conhece as condições no Brasil, não se deve compará-lo com a Alemanha.

Eddie

18.06.2013, 21:30 Uhr

@Ordem-e-Progresso
Vc tem razão. Esso macaco é um bobo, um ignorante... Con certeza, ele nunca fui em Brasil...

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