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07.06.2013

17:18 Uhr

Proteste in der Türkei

Ein tief gespaltenes Land

Während die Einen die Rückkehr von Ministerpräsident Erdogan feiern, protestieren die Anderen auf dem Taksim-Platz in Istanbul gegen dessen Regierung. In der Provinz kommt die Botschaft der Demonstranten nicht an.

Der Ministerpräsident Tayyip Erdogan wird bei seiner Rückkehr von Anhängern gefeiert. Ein paar Kilometer weiter protestieren Tausende gegen seine Politik. dpa

Der Ministerpräsident Tayyip Erdogan wird bei seiner Rückkehr von Anhängern gefeiert. Ein paar Kilometer weiter protestieren Tausende gegen seine Politik.

Istanbul/Kahramanmaras„Ein Zeichen von Dir ist genug“, haben Anhänger des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan auf ein Spruchband geschrieben. Sie wollen es auf einem Parkplatz des Istanbuler Atatürk-Flughafens im Begrüßungsjubel zur Rückkehr des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan schwenken, doch Ordner kassieren es ein, noch bevor es in die Liveübertragung der Fernsehsender gerät. Die Worte können nur als Drohung verstanden werden, jederzeit zum Kampf gegen die Protestbewegung bereit zu sein.

Mit Bussen sind viele der Erdogan-Anhänger zum Flughafen gebracht worden, wo der Regierungschef am Freitag nach vier Tagen Auslandsreise in sein immer tiefer gespaltenes Land zurückkehrt. Tausende sind gekommen. Die wohlorganisierte Veranstaltung zur Unterstützung der islamisch-konservativen AKP ist der erste Gegenprotest zu den Demonstrationen auf dem Taksim-Platz.

Dort sind zeitgleich wieder Zehntausende gegen Erdogan unterwegs. Nach dem Abzug der Polizei ist der Platz in den Nächten ein bunter Trubel geworden, bei dem Sozialisten, Anarchisten, Kemalisten - Anhänger des Republikgründers Kemal Atatürk - und Nationalisten gemeinsamen mit Studenten und Künstlern ihren Widerstand zelebrieren. Erstmals fordert eine aufbegehrende Bürgergesellschaft ohne direkte Verbindung zu Parteien Erdogan heraus. Sie werfen dem Ministerpräsidenten seinen autoritären Stil, eine schleichende Islamisierung und „Faschismus“ vor.

Proteste in der Türkei: Der Flächenbrand

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Der Flächenbrand

Bisher stand die Ära Erdogan für Wirtschaftsstabilität - doch wie trügerisch das Wirtschaftswunder ist, zeigen die Unruhen in Istanbul, die sich wie ein Lauffeuer ausbreiten. Schuld daran ist auch Erdogans Führungsstil.

Dieser spricht auf dem Flughafen vom Dach eines Busses, beschwört zunächst die brüderliche Einheit. Er wird dann immer kämpferischer und fordert ein Ende des Protests. „Die sich selbst als Journalisten, Künstler und Politiker bezeichnen, haben unverantwortlich gehandelt, als sie Hass, Diskriminierung und Provokationen den Weg bereitet haben“, ruft Erdogan.

Seine Anhänger dringen in Sprechchören darauf, es den Demonstranten zu zeigen. „Hier ist Istanbul, wo sind die Marodeure“, rufen sie herausfordernd, und: „Los, auf, lasst uns Taksim zerschlagen.“ Erdogan fordert sie auf, ruhig nach Hause zu gehen.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

07.06.2013, 17:45 Uhr

Erdogan und seine Anhänger träumen von einem Kalifat von Marroko bis Ankara unter der Führung von Erdogan und tief
islamisch geprägt. Daher kann man die Kräfte die dagegen sind nur unterstützen und dazu gehört auch Assad. Assad muss
alles tun um sich den machtstreben der Türken zu widersetzen. Vielleicht stehen unsere Abwehrraketen eines Tages auf Syrischen Gebiet. Ein Glück das die Russen auf Assad aufpassen.

Hagbard_Celine

07.06.2013, 20:13 Uhr

RTE ist klar das eine weitgehende Polarisierung im Inland die Aussenpolitik der Türkei in dieser kritischen Phase lähmen bzw. im schlimmsten Fall neutralisieren würde.

Er dürfte alles daran setzen die Risse in der Gesellschaft zu kitten, seine Gefolgsleute für die Strasse zu mobilisieren wäre genau das Falsche.

Das Kurdenproblem gilt es ebenfalls schnellstens zu lösen und in der die Syrien Politik muss eine Kehrtwende stattfinden die sich an den neuen Realitäten orientiert.

Das Zeitfenster das der Türkei für ihre Entfaltung im Orient zur Verfügung steht ist begrenzt aber noch ist das Momentum intakt.

Die nächsten Monate und Jahre werden darüber entscheidend ob die Türkei das 5-te Rad am Wagen in Europa wird oder im eigenen Club in der ersten Reihe sitzt.

Account gelöscht!

08.06.2013, 14:55 Uhr

Man muss die Demonstranten in der Türkei unterstützen, weil sie in ihren Werten und Einstellungen dem Westen am ähnlichsten sind - vorsichtig formuliert. Das hat nichts aber auch gar nichts mit Assad zu tun.
Eine FRage: ist Ihnen das Machtstreben des theokratischen Iran und der Hizbullah im Libanon sympathischer?

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