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14.06.2013

04:05 Uhr

Proteste in der Türkei

Erdogan kommt Taksim-Aktivisten offenbar entgegen

Nun hat der türkische Ministerpräsident doch mit Vertretern der Protestbewegung reden wollen. Am Donnerstagabend traf Erdogan mit ihnen zusammen. Zuvor hatte er jedoch seine Warnungen an die Demonstranten verschärft.

Baupläne sollen bis zum Gerichtsentscheid ruhen

Geht Erdogan auf die Protestler zu?

Baupläne sollen bis zum Gerichtsentscheid ruhen: Geht Erdogan auf die Protestler zu?

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IstanbulUngeachtet der von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan angekündigten Räumung haben am Donnerstagabend Tausende Menschen im Gezi-Park in Istanbul ausgeharrt. Weitere Tausende strömten auf den anliegenden Taksim-Platz.

Unterdessen traf sich der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan mit Führern der landesweiten Protestbewegung. Dabei wiederholte er seine Bereitschaft für ein Referendum zur umstrittenen Umgestaltung des Istanbuler Gezi-Parks.

"Wir wollen wissen, was die Bürger Istanbuls denken, ihre Entscheidung ist sehr wichtig für uns", wurde Regierungssprecher Hüseyin Celik nach dem Gespräch am Donnerstagabend in türkischen Medien zitiert. Der symbolträchtige Park im Herzen der Millionenmetropole werde vorerst "nicht angerührt", zumal noch eine Entscheidung der Justiz dazu ausstehe.

Zuvor hatte Erdogan in der Hauptstadt Ankara erstmals seit Ausbruch der regierungskritischen Proteste vor zwei Wochen direkt mit Vertretern des Protestbündnisses Taksim diskutiert. Fast vier Stunden dauerte das Treffen mit der zehnköpfigen Delegation in der Residenz des Ministerpräsidenten, der wenige Stunden zuvor noch eine "letzte Warnung" an die Teilnehmer der landesweiten Protestbewegung in der Türkei ausgesprochen hatte, den Park umgehend zu verlassen.

Auch der Gouverneur der Stadt, Huseyin Avni Mutlu, lud die Demonstranten zum Gespräch ein. Er stehe ab Mitternacht in einem Café in der Nachbarschaft für alle zu Gesprächen zur Verfügung, twitterte er.

Die Protestwelle in der Türkei - So fing es an

27. Mai:

Bei einer Kundgebung gibt es Zusammenstöße mit der Polizei. Ein Protestcamp wird gewaltsam geräumt.

31. Mai:

Die Protestwelle erfasst mehrere Städte. In Istanbul marschieren Zehntausende zum Taksim-Platz und rufen: „Die Regierung soll zurücktreten!“. Bei einem Polizeieinsatz werden Dutzende verletzt.

1. Juni:

Nach schweren Zusammenstößen in Istanbul zieht sich die Polizei zurück. Zehntausende Demonstranten ziehen jubelnd durch die Straßen und fordern den Rücktritt von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Dieser räumt zwar Fehler ein, sagt aber, seine Regierung werde sich durch Straßenproteste nicht von ihrem Kurs abbringen lassen. In mehreren deutschen Städten kommen Tausende Demonstranten zu Solidaritätskundgebungen zusammen

2. Juni:

Bei Protesten gegen die islamisch-konservative Regierung werden in Ankara und weiteren türkischen Städten fast 1000 Menschen festgenommen. Im Internet kursieren Videos, auf denen friedliche Demonstranten von der Polizei misshandelt werden. Die Härte der Einsätze wird auch international kritisiert.

3. Juni:

In mehreren Städten liefern sich Demonstranten Straßenkämpfe mit der Polizei. In Izmir attackieren Protestierer ein Büro der Regierungspartei AKP mit Brandsätzen. Ungeachtet der Spannungen bricht Erdogan zu einer viertägigen Auslandsreise auf.

4. Juni:

In Istanbul kommt es in der vierten Nacht in Folge zu gewaltsamen Zusammenstößen. Bei den Protesten, die bereits 77 der 81 Provinzen erfasst haben, gibt es einen zweiten Toten. Mitglieder des Gewerkschaftsbundes KESK legen vorübergehend die Arbeit nieder.

5. Juni:

Die Zahl der Verletzten bei den anhaltenden Protesten ist nach Angaben des türkischen Ärzteverbandes TTB auf 4100 gestiegen.

6. Juni:

Bei den Protesten hat die Polizei laut Innenminister Muammer Güler in Istanbul und Ankara sieben Ausländer festgenommen. Den bisherigen Sachschaden beziffert er auf umgerechnet 28 Millionen Euro. Die Zahl der Toten erhöht sich auf vier.

7. Juni:

Erdogan fordert nach seiner Auslandsreise vor Tausenden Anhängern ein sofortiges Ende der Proteste. Die Demonstrationen hätten ihre demokratische Berechtigung verloren und seien zu Vandalismus geworden. Gegner Erdogans setzten ihre Proteste in mehreren Provinzen fort.

Im Vorfeld der Gespräche gaben sich die Aktivisten unnachgiebig. „Wir werden im Gezi-Park bleiben“, erklärte der Anwalt Can Atalay am Donnerstagabend im Namen der Vereinigung Taksim-Solidarität –„mit unseren Zelten, unseren Schlafsäcken, unseren Liedern, unseren Büchern, unseren Gedichten und unseren Forderungen.“

Am Vormittag hatte bereits Innenminister Muammer Güler ein Ende des Protestcamps verlangt: Es müsse aufhören, dass „einige Gruppen einen öffentlichen Ort besetzen und andere vom Betreten abhalten“.

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