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09.06.2013

22:22 Uhr

Proteste in der Türkei

„Tayyip, tritt zurück“

Die türkische Protestbewegung lässt sich von Ministerpräsident Erdogan nicht den Mund verbieten. Erneut versammelten sich Zehntausende in Istanbul. Die Regierungspartei lehnt Forderungen nach vorgezogenen Neuwahlen ab.

Proteste dauern an

Video: Proteste dauern an

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Istanbul/Ankara/BrüsselDie Anti-Regierungsproteste in der Türkei verlieren trotz mehrfacher Warnungen von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nicht an Zuspruch. Am Sonntag versammelten sich erneut Zehntausende auf dem zentralen Istanbuler Taksim-Platz.

In mehreren Reden rief Erdogan die Demonstranten zur Ordnung und deutete am Sonntag in Ankara ein weiteres Einschreiten an: "Wir waren geduldig, wir sind geduldig, aber es gibt ein Ende für die Geduld." Zugleich forderte er seine jubelnden Anhänger dazu auf, den Kritikern an der Wahlurne im kommenden Jahr eine "Lehre zu erteilen", wenn über den künftigen Präsidenten abgestimmt wird.

Vorgezogene Wahlen hat Erdogans AKP ausgeschlossen. "Die Regierung funktioniert wie ein Uhrwerk", sagte Vize-Parteichef Hüseyin Celik. In der Türkei finden im August 2014 die Präsidentschaftswahlen und im Juni 2015 Parlamentswahlen statt.

Auf dem Adana-Flughafen rief Erdogan: "Erlaubt denen, die versuchen, spaltendem Samen zu sähen, nicht, dies zu tun." Zugleich betonte er immer wieder, am umstrittenen Umbau des Taksim-Platzes festzuhalten. Die Pläne waren vor einer Woche Auslöser der schwersten Unruhen in der Türkei seit Jahrzehnten. Bei den Protesten wurden Rettungskräften zufolge landesweit drei Menschen getötet und nahezu 5000 verletzt.

In den Istanbuler Stadtteilen Kizilay und Gazi ging die Polizei am Wochenende erneut mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor. Auch in der türkischen Hauptstadt Ankara ist sie am Sonntag gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen. Die Beamten setzten am Abend Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke ein, um mehrere tausend Protestierer vom zentralen Kizilay-Platz zu vertreiben, berichteten Aktivisten und türkische Medien.

Tausende Fans der drei großen Fußballclubs der Metropole schlossen sich den Forderungen nach einem Rücktritt Erdogans an, der wiederum seit Beginn der Proteste versucht, seine Arbeit wie gewohnt fortzusetzen. In Berlin zogen ebenfalls mehrere Tausend Regierungsgegner durch die Straßen.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

09.06.2013, 16:58 Uhr

"Erdogans religiös-konservative AKP hatte bei der jüngsten Parlamentswahl 50 Prozent der Stimmen erhalten."

Diese Aussage ist irreführend. Im türkischen Wahlrecht gibt es eine Zehn-Prozent-Hürde. Viele Parteien schaffen es nicht, landesweit über diese extrem hohe Grenze zu kommen. Daher zählen alle diese Wählerstimmen nicht und das Ergebnis für die großen Parteien wird total verfälscht. Die wahre Prozentzahl für die AKP dürfte also wohl bei etwa 30 Prozent liegen. Minderheiten wie die Kurden, Armenier, Aleviten oder Christen haben NULL Chance, in dieser Scheindemokratie mit einer eigenen Partei ins Parlament zu kommen. Nirgendwo ist diese Wahlhürde so hoch wie in der Türkei. Das müsste als Erstes geändert werden. Vorher haben Neuwahlen wenig Sinn.

Account gelöscht!

09.06.2013, 17:31 Uhr

Ich denke auch, dass die Proteste weitergehen.
Die jungen aufgeklärten Türken wollen diesen Islamismus nicht, den Erdogan gerade wieder installiert.
Die Türkei bekommt wohl auch einen arabischen bzw. türkischen Frühling
Und dass Erdogan ein Despot ist, wissen wir doch auch nicht erst seit gestern. Mal sehen, wie lage der Westen diesen Despoten noch hofiert

Was für ein Wunder, liebes HB, dass hier die Kommentarfunktion offen ist, über den Beitrag des Schweizer Asylrechts ist sie nicht offen.
Wie weit rückt Ihr noch nach stramm links? Schade

Erdal_Taksim

09.06.2013, 21:39 Uhr

@ margrit117888

Ja, das sehe ich auch so. Und egal, ob Türkei oder Schweiz: es scheint, als ob endlich Bewegung kommt in die Völker Europas. (Ein Teil der Türkei ist ja europäisch und die deutschen Türken werden auch schon unruhig).

Immer mehr Menschen erkennen: Die Politik unserer Regierungen dient nicht unseren Interessen und muss korrigiert werden.

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