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10.12.2013

04:44 Uhr

Proteste in der Ukraine

Demonstranten in Kiew harren bei Kälte aus

In Kiew blieben in der Nacht bei Schnee und Kälte Tausende Oppositionelle auf der Straße. Die Regierung fuhr massives Geschütz auf. Im Ausland steigt die Sorge. Am Dienstag will die EU verhandeln.

Regierungskräfte wärmen sich an einem Feuer in der Nähe des Rathauses in Kiew. dpa

Regierungskräfte wärmen sich an einem Feuer in der Nähe des Rathauses in Kiew.

KiewDer Machtkampf um den künftigen Kurs der Ukraine dauert an. Tausende von Regierungsgegnern harren weiter im Zentrum von Kiew aus, um gegen den prorussischen Kurs von Präsident Viktor Janukowitsch zu protestieren und ihrer Forderung nach Neuwahlen Nachdruck zu verleihen, während immer mehr Polizeikräfte aufmarschieren. An diesem Dienstag läuft ein Ultimatum der Behörden ab. Sie fordern, dass Regierungsgegner besetzte Gebäude räumen. Am Dienstag will auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Kiew zwischen Regierung und Opposition vermitteln. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat sich „beunruhigt“ über die jüngsten politischen Spannungen in der Ukraine geäußert. Sie verfolge die Informationen, nach denen die Polizei den „Sitz der größten Oppositionspartei erstürmt“ habe, sagte Ashton in der Nacht zum Dienstag.

Die EU-Chefdiplomatin will sich am Dienstag in der ukrainischen Hauptstadt Kiew für eine politische Beilegung der seit Wochen andauernden Krise einsetzen.

US-Vizepräsident Joe Biden forderte Janukowitsch am Montag zum Dialog mit der Opposition auf. Zugleich äußerte sich Biden in einem Telefonat mit Janukowitsch besorgt über die Lage im Land, wie das Weiße Haus mitteilte. „Der Vizepräsident unterstrich die Notwendigkeit, auf eine sofortige Deeskalation der Lage hinzuwirken und einen Dialog mit den Oppositionsführern zu beginnen.“ Gewalt habe keinen Platz in einer demokratischen Gesellschaft, mahnte Biden.

Vitali Klitschko – Boxer, Ehemann und Politiker

Kindheit

Vitali Klitschko ist der ältere Bruder von Wladimir Klitschko. Der Vater, Wladimir Rodionowitsch Klitschko, war Offizier in der sowjetischen Armee, die Mutter, Nadeschda Uljanowna Klitschko, Pädagogin. Bis zum 13. Lebensjahr hatte Vladimir Klitschko mit Boxen kaum etwas zu tun gehabt. Erst als der Vater auf einen sowjetischen Militärstützpunkt in Hradčany, Tschechoslowakei, versetzt wurde, begann er erste Erfahrungen mit dem Boxsport zu machen.

Studium

Klitschko schloss an der Pädagogischen Universität „Hryhorij Skoworoda“ in Perejaslaw-Chmelnyzkyj (Ukraine) ein Sportstudium auf Lehramt mit Auszeichnung ab. 2000 folgte die Promotion in Sportwissenschaften. Das Thema seiner Dissertation: „Sportbegabung und Talentförderung“. Zu der Zeit war er schon seit vier Jahren Amateurboxsportler.

Kickboxen

Was viele wahrscheinlich nicht wissen: Vitali Klitschko begann seine Boxkarriere im Kickboxen. 1991 wurde er als Armeesportler Kickbox-Weltmeister in Paris. Es folgten fünf weiter Weltmeistertitel. Während seiner Karriere im Kickboxen erlitt er zudem die bisher einzig K.O.-Niederlage seiner gesamten Sportlerlaufbahn. Im bulgarischen Warna ging er 1992 gegen den Briten Pele Reid in der zweiten Runde nach einem Tritt ans Kinn zu Boden.

Amateurboxen

Zeitgleich zum Kickboxen bestritt Vitali Klitschko außerdem einige Amateurboxkämpfe. 1996 wollte er bei den Olympischen Sommerspielen in Atlanta für die Ukraine im Boxen antreten. Allerdings wurde ihm bei einer Dopingprobe die Einnahme des damals bei Sportlern beliebte Steroids Nandrolon nachgewiesen. Es folgte eine einjährige Sperre. Für Vitali wurde sein Bruder Wladimir nachnominiert, der bei den Spielen 1996 die Goldmedaille gewann.

Profiboxen

Nach den Olympischen Spielen führt der Weg der beiden Boxer Vitali und Wladimir nach Deutschland. Sie beginnen ihre Profikarriere. Gerade einmal drei Jahre, 1999, später wurde Vitali zum ersten Mal Weltmeister der WBO im Schwergewicht. Besonders in Erinnerung bleiben wird der Kampf gegen Lennox Lewis, den der ältere Klitschko nach einer umstrittenen Entscheidung des Ringarztes verloren hatte. Der Arzt ließ den Kampf aufgrund einer Platzwunde im Augenbereich Klitschkos abbrechen. Zu diesem Zeitpunkt lag Vitali auf allen Punktzettel der Punktrichter klar vorne.

Auszeit

Nach 2004 folgte eine Zwangspause. Mehrere Verletzungen – unter anderem ein Meniskusriss im rechten Knie, ein Kreuzbandriss und ein Bandscheibenvorfall – zwangen Vitali zu diesem Schritt. Erst vier Jahre später kehrte er in den Ring zurück. Während der Zeit begann sein erste politischen Engagement.

Bürgermeisterwahlen

Während der Zwangspause engagierte sich Vitali zunehmen für die Orange Revolution in der Ukraine. 2006 trat er zum ersten Mal bei der Wahl zum Bürgermeister Kiews an und erhielt 29 Prozent der Stimmen. Bei den vorzeitigen Wahlen 2008 trat er mit dem nach ihm benannten Wahlbündnis „Blok Witalij Klytschko“ ein weiteres Mal an und kam hinter Amtsinhaber Tschernowezkyj und Olexandr Turtschynow auf den dritten Platz. Zwei Jahre später wurde Klitschko zum Vorsitzenden der neu gegründeten Partei Ukrainische demokratische Allianz für Reformen (Ukrajinskij demokratitschnij aljans sa reformy) UDAR gewählt.

Parlamentswahlen

2012 trat Klitschko für die ukrainischen Parlamentswahlen als Spitzenkandidat an. Erklärtes Ziel war es, mindestens 15 Prozent der Stimmen zu bekommen. Am Ende reichte es nur für 13,9 Prozent. Dennoch wurde die Klitschko-Partei drittstärkste Fraktion im Parlament.

Privates

Seit 18 Jahren ist Vitali Klitschko mit seiner Frau Natalia verheiratet. Sie haben drei Kinder.

Zuvor hatte sich der Machtkampf stark zugespitzt. Die Polizei soll die Zentrale der Vaterlandspartei der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko gestürmt haben. Sondereinsatzkräfte seien mit Gewalt in den Parteisitz eingedrungen, teilte die Parteisprecherin Marina Soroka am Nachmittag auf ihrer Facebook-Seite mit. Die pro-europäische Vaterlandspartei (Batkiwschina-Partei) führt die seit Wochen andauernden Proteste gegen Präsident Viktor Janukowitsch mit an. Allerdings betonten sowohl Polizei als auch SBU am Montag, sie seien nicht gegen die Vaterlandspartei (Baktiwschtschina) vorgegangen. Unabhängige Berichte gab es zunächst nicht.

Vertreter von Timoschenkos Partei teilten zudem mit, Sondereinsatzkräfte der Berkut-Einheit hätten den Sitz der Partei gestürmt. Die Polizisten seien mit Automatikwaffen ausgestattet gewesen. „Unsere Server wurden gestohlen“, sagte der Parteiführer Arseni Jazenjuk und warf den Ordnungskräften vor, Material zerstört zu haben. Die Internetseite der Partei war am Abend nicht mehr aufrufbar. Die russische Agentur Itar-Tass meldete, insgesamt seien 6000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Zugleich drängte die Polizei die Demonstranten vom Regierungssitz zurück. Sondereinheiten rückten am Nachmittag vor, um die seit einer Woche andauernden Blockade der Regierungsgebäude im Zentrum Kiews aufzuheben. Anführer der Opposition riefen daraufhin die Demonstranten auf, sich auf dem Unabhängigkeitsplatz zu versammeln. Der weitläufige Platz ist das Zentrum der Proteste, die im November ausgelöst worden waren durch die überraschende Ankündigung Janukowitschs, das geplante Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

09.12.2013, 12:38 Uhr

Zitat : Opposition um Klitschko baut Barrikaden

- und sie wissen nicht, was sie tun. Das riecht nach Blut !

Die EUtopia scheint am Ziel zu sein und darf sich auf eine Flüchtlingswelle freuen !

Mit 5.000 ( wie in Syrien ) wird es wohl diesmal nicht getan sein !

Vielleicht sind die Ukrainer auch die Totengräber dieser EUtopia !

Profit

09.12.2013, 13:03 Uhr

Oligarchen haben sich das Land untertan gemacht und unglaublichen persönlichen Reichtum angehäuft (z.B. Achmetov mit seinem Fußball-Club Schachtjar Donzek). Zumeist sind das ehemalige kommunistische Sowjet-Fürsten, die sich schamlos bei den Privatisierungen bereichert haben. Janukowitsch ist deren Galionsfigur. Insofern paßt der Sturz des Lenin-Denkmals vor der Markthalle (!) in Kiew auch symbolisch noch in die Zeit. Die Ukraine ist allerdings wirtschaftlich am Ende: Kein Geld für russische Energie in einem kalten Winter und Rußland ist zudem der Hauptimporteur ukrainischer Waren. Putin wartet am Fluß bis der "Fisch" vorbeikommt und er ihn sich schnappen kann. Oder will sich die EU doch noch finanziell engagieren? Darauf kommt es jetzt an und nicht nur auf "politische Vermittlung". Warum Janukowitsch wohl zu den Chinesen gereist ist?

Akion

09.12.2013, 14:31 Uhr

Ich empfehle, den Konflikt immer von beiden Seiten zu betrachten und dann versuchen sich eine eigene Meinung zu bilden.
http://www.youtube.com/watch?v=XOgxsf_TSFo&feature=c4-overview&list=UUlO1l0P58Hi0Al3v8vRWmGw

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