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11.12.2013

14:52 Uhr

Proteste in der Ukraine

„Hier wird das Schicksal des Landes entschieden“

Die Demonstrationen in Kiew dauern an: Einige Regierungsgegner bespritzen Polizeieinheiten bei eisiger Kälte mit Wasser. Die Sicherheitskräfte ziehen sich zurück. Der Innenminister beschwichtigt.

Zusammenstöße mit Demonstranten

Polizei räumt Barrikaden in Kiew

Zusammenstöße mit Demonstranten: Polizei räumt Barrikaden in Kiew

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KiewNach dem nächtlichen Vorrücken ukrainischer Sondereinheiten gegen prowestliche Demonstranten hat die Opposition zu neuen Massenprotesten in Kiew aufgerufen. „Hier wird das Schicksal des Landes entschieden“, rief Arseni Jazenjuk von der Partei der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko am Mittwoch der Menge auf dem zentralen Unabhängigkeitsplatz (Maidan) zu. Die EU, die USA und Deutschland kritisierten den nächtlichen Polizeieinsatz, bei dem es Verletzte und Festnahmen gab.

Vom Maidan zogen sich die Kräfte der Spezialeinheit Berkut (Steinadler) am Vormittag zunächst zurück. An dem von Regierungsgegnern besetzten Bürgermeisteramt stiegen Uniformierte in ihre Busse. Regierungsgegner hatten sie bei eisiger Kälte mit Wasser bespritzt. Es werde keine Gewalt gegen friedliche Demonstranten geben, sagte Regierungschef Nikolai Asarow. Die Polizei habe lediglich Wege von Barrikaden geräumt. Innenminister Witali Sachartschenko betonte, es werde auch keinen Sturm auf den Unabhängigkeitsplatz geben: „Ich möchte alle beruhigen - der Maidan wird nicht erstürmt.“

Land am Scheideweg – Die Ukraine zwischen Russland und der EU

21. November 2013

Die Regierung in Kiew legt überraschend ein Assoziierungsabkommen mit der EU aus „Gründen der nationalen Sicherheit“ auf Eis. Tausende Menschen demonstrieren dagegen.

25. November

Die inhaftierte Oppositionsführerin Julia Timoschenko tritt aus Protest gegen Kiews Außenpolitik in einen Hungerstreik. Erneut gehen Tausende in Kiew und anderen Städten auf die Straße.

27. November

Präsident Viktor Janukowitsch sagt, die Ukraine sei wirtschaftlich noch nicht reif für ein Abkommen mit der EU. In Kiew demonstrieren Tausende für und gegen eine EU-Annäherung.

1. Dezember

Überschattet von Krawallen fordern Hunderttausende in Kiew den Sturz von Janukowitsch. Bei Zusammenstößen werden im Regierungsviertel mindestens 150 Menschen verletzt. Die Kundgebung auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan bleibt friedlich. Die Opposition um Boxweltmeister Vitali Klitschko fordert den Rücktritt der Regierung und vorgezogene Neuwahlen.

3. Dezember

Die Opposition scheitert mit einem Misstrauensantrag gegen Ministerpräsident Nikolai Asarow. Der Janukowitsch-Vertraute bleibt im Amt. Im Regierungsviertel blockieren Demonstranten den Zugang zu Ministerien.

4. Dezember

Mit einer Dauerblockade des Parlaments will die Opposition den Machtwechsel erzwingen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) besucht in Kiew Demonstranten und würdigt den Kurs der Opposition. Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnt den Westen vor einer Einmischung.

8. Dezember

Bei einem der größten Massenproteste seit Jahren fordert nach Oppositionsangaben eine halbe Million Menschen Neuwahlen. Demonstranten stürzen Kiews zentrale Lenin-Statue.

9. Dezember

Die Behörden leiten Ermittlungen gegen die Opposition wegen eines angeblichen Umsturzversuchs ein. Auslöser sollen Aufrufe zur Blockade des Regierungsviertels gewesen sein. Sicherheitskräfte räumen erste Barrikaden und stürmen das Büro der Vaterlandspartei von Ex-Regierungschefin Timoschenko.

10. Dezember

Hunderte Kräfte der Sondereinheit „Berkut“ (Steinadler) vertreiben Demonstranten aus dem belagerten Regierungsviertel. Die Proteste auf dem Maidan gehen weiter. Polizeikräfte rücken dort gegen die Demonstranten vor. Unterdessen trifft die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zu Vermittlungsgesprächen in Kiew ein.

11. Dezember

Nach internationaler Kritik am Vorgehen der Sicherheitskräfte zieht die Führung einige Sondereinheiten am Vormittag wieder zurück. Innenminister Witali Sachartschenko sagt: „Ich möchte alle beruhigen – der Maidan wird nicht erstürmt.“

Auf dem Platz waren am Mittag etwa 10 000 Demonstranten versammelt - trotz eisiger Kälte von minus 8 Grad Celsius und einer Schneedecke im Zentrum. Regierungsgegner sprachen öffentlich Gebete und sangen Lieder, andere verstärkten Barrikaden. Die Europa-Beauftragte des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, verteilte Kekse und Brot an Protestierer und Polizisten. Die Metrostationen waren wieder geöffnet.

„Wir haben gesiegt, denn unser Wille war stärker“, sagte der Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko. Er forderte den sofortigen Rücktritt des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. „Kompromisse mit Halsabschneidern und Diktatoren kann es nicht geben. Man muss sie loswerden. Und heute ist die Frage Nummer eins: eindeutig der Rücktritt Janukowitschs und seiner ganzen verfaulten Regierung“, sagte Klitschko.

Klitschkos Partei Udar (Schlag) teilte mit, dass in der Nacht zehn Demonstranten festgenommen worden seien. Augenzeugen sagten der Deutschen Presse-Agentur, es habe mindestens zehn Verletzte gegeben. Nach Angaben des Innenministeriums wurden auch zehn Angehörige der Sicherheitskräfte verletzt.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

11.12.2013, 15:07 Uhr

Zitat : „In einer Demokratie lassen sich friedliche Demonstrationen der Menschen nicht einfach verbieten und mit Staatsgewalt unterbinden“, erklärte Westerwelle.

- er könnte auch auf Stuttgart 21 verweisen........damit die Ukrainer auch was zum Lachen haben ! Oder Auf Griechenland, Spanien, Portugal....da haben wir genug friedliche Demos gesehen....??!!

Was für ein Heuchler, dieser FDP-Apparatschik ! Warum läßt man diesen ahnungslosen gewähren.......?

Er ist doch vom Volke ABGEWÄHLT !


Account gelöscht!

11.12.2013, 15:12 Uhr

Zitat : „Hier wird das Schicksal des Landes entschieden“

- NEIN, hier schlagen sich zwei durch und durch korrumpierte Blöcke ( Regierung und Opposition ) die Köpfe um EU-Kredite ( verschenkte Steuergelder der europäischen Steuerzahler ) ein !

Stopp der EUtopia !
Stopp der EUdSSR
Stopp Eshton !
Stopp Westerwelle !

Wir brauchen die korrupte Jauche NICHT !

RumpelstilzchenA

11.12.2013, 15:13 Uhr

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