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15.10.2014

06:50 Uhr

Proteste in Hongkong

Pfefferspray, Schlagstöcke und Prügelattacken

Chaotische Szenen in Hongkong: Gewaltsamt geht die Polizei gegen Demonstranten vor. Wer sich weigerte, die Straße zu verlassen, wird mit Schlägen gezwungen. Es gibt Verletzte auf beiden Seiten.

Proteste in Hong Kong

Polizeigewalt gegen Demonstranten

Proteste in Hong Kong: Polizeigewalt gegen Demonstranten

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Die Polizei in Hongkong hat am Mittwochmorgen erneut gewaltsam einen Protestort der Demokratiebewegung geräumt und dutzende Demonstranten festgenommen. Mit Schlagstöcken bewaffnet rückten die Beamten auf eine von den Protestierenden besetzte Hauptstraße nahe der Stadtverwaltung vor und räumten neu errichtete Barrikaden ab. Es gab Verletzte auf beiden Seiten, wie ein AFP-Reporter berichtete. Nach Angaben der Polizei wurden mindestens 45 Menschen festgenommen.

Chaotische Szenen spielten sich im Morgengrauen an der Lung Wo Straße ab: Mit Fäusten und Schlagstöcken gingen die Beamten gegen die Menge vor und setzten Pfefferspray gegen jene ein, die sich weigerten, die Straße zu räumen. „Sie haben das Pfefferspray ohne jede Vorwarnung eingesetzt", sagte der 18-jährige Student Ben Ng. „Demonstranten wurden von der Polizei geschlagen.“

Binnen einer Stunde brachte die Polizei die viel befahrene Hauptstraße wieder unter Kontrolle. In einer Erklärung hieß es, die Beamten hätten die Demonstranten zur Ruhe und Zurückhaltung aufgefordert. Sie seien gewarnt worden, dass es „kein friedlicher Akt“ sei, Polizeiabsperrungen zu missachten, „auch nicht mit erhobenen Armen“.

Die Gesichter der Regenschirm-Revolution

Der jugendliche Rebell

Der 17 Jahre alte Joshua Wong ist eines der prominentesten Gesichter der "Regenschirm-Revolution". Der für seine mitreißenden Reden bekannte Student mit der markanten schwarzen Brille hat bereits als Schüler sein politisches Geschick bewiesen. Zehntausende Demonstranten folgten 2012 seinem Aufruf, gegen einen Peking-treuen Lehrplan auf die Straße zu gehen. "Wir glauben nicht, dass wir die Regierung mit unseren Worten überzeugen können. Die Regierung ist nur zu Zugeständnissen bereit, wenn sich Unruhe in der Gesellschaft breit macht", beschrieb der junge Protestführer seine Strategie. Auch in den Klatschspalten, in den über sein Liebesleben spekuliert wird, macht Wong inzwischen Schlagzeilen. (Quelle: AFP)

Der Studentenführer

Der 24-Jährige Alex Chow organisierte den Boykott der Studenten und die Demonstrationen seiner Kommilitonen auf der Straße. Der Vorsitzende von Hongkongs Studentenverband hält solche Protestaktionen für unverzichtbar. Nur so könne der Regierung gezeigt werden, "wie ernst es den Menschen in Hongkong mit der Demokratie ist".

Der Juraprofessor

Benny Tai ist der Mitbegründer der Gruppe Occupy Central. Der 50-Jährige gab am Sonntag den Startschuss für die heiße Phase der Kampagne für mehr Demokratie. Tai hatte die Organisation Anfang 2013 zusammen mit dem Soziologen Chan Kin Man und dem Prediger Chu Yiu Ming ins Leben gerufen. Ende Juni organisierte die Gruppe ein inoffizielles Referendum über politische Reformen, an dem sich 800.000 Menschen beteiligten. "Ich bin zuversichtlich, dass in Hongkong eines Tages die Demokratie Einzug erhalten wird", sagte Tai.

Der Finanzier

Der Hedgefonds-Manager Edward Chin schloss sich Occupy Central im März an. Hinter ihm stehen einige finanzkräftige Geschäftsmänner, die den Einfluss Pekings auf die Wirtschaft in Hongkong mit Argwohn betrachten. Sobald die Protestbewegung Geld für Werbekampagnen oder Veranstaltungen benötigt, kann die Gruppe die Mittel laut Chin in wenigen Tagen auftreiben: "Wir unterzeichnen einfach einen Scheck."

Die Polizei ging bei ihrem Einsatz offenbar auch gewaltsam gegen Journalisten vor. Der Online-Reporter Daniel Cheung sagte AFP, er sei von mehreren Polizisten festgehalten und geschlagen worden. „Ich habe versucht, ihnen zu sagen, dass ich ein Reporter bin, aber sie haben mir nicht zugehört§, sagte er. Demnach erlitt er Schnittwunden und Verletzungen an Nacken und Rücken. Erst als es ihm später gelang, seinen Presseausweis zu zeigen, sei er freigelassen worden.

Protestierende sagten der Nachrichtenagentur AFP, die Blockade sei als Vergeltung für die Räumung eines anderen Protestortes durch die Polizei geplant gewesen. Die Demokratiebewegung fordert die Änderung einer von Peking beschlossenen Wahlreform für Hongkong. Diese sieht vor, dass die Bürger Hongkongs im Jahr 2017 erstmals direkt einen Verwaltungschef wählen, die chinesische Staatsführung jedoch die Kandidaten vorab auswählt.

Die Proteste dauern mittlerweile seit mehreren Wochen an. Die Zusammenstöße vom Mittwoch gehörten zu den gewaltsamsten seit Ende September, als die Polizei mit Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen war. Seit dem Beginn der Proteste wurden weder aus Peking noch von der Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone Zugeständnisse gemacht.

Wegen Prügelattacken auf einen prodemokratischen Aktivisten in Hongkong sind einige Polizisten strafversetzt worden. Das teilte Sicherheitschef Lai Tung Kwok am Mittwoch mit. Die Polizei habe interne Ermittlungen eingeleitet. Zu den Übergriffen der Beamten kam es am Vorabend bei der Räumung eines von Demonstranten besetzten Tunnels vor dem Amtssitz von Regierungschef Leung Chun Ying. Der TV-Sender TVB zeigte Bilder von rund sechs Zivilpolizisten, die einen Mann auf die andere Seite eines Gebäudes brachten, ihn auf den Boden setzten und dann auf ihn eintraten.

Bei der Räumung des Tunnels kam es zudem zu schweren Ausschreitungen. Die Beamten setzten Pfefferspray gegen dort campierende Protestler ein und rissen Barrikaden nieder. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Dutzende Demonstranten anschließend von der Polizei abgeführt wurden.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Ro Stu

15.10.2014, 08:43 Uhr

Das ist ja alles nicht sooo verwunderlich. Bei uns prügelt die Schutzmacht auch die Demonstranten von der Straße, wenn die bei einer unerwünschten Veranstaltung auflaufen.

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