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23.05.2014

06:33 Uhr

Proteste in Istanbul

Kugel trifft unbeteiligten Mann in den Kopf

Einen Tag vor dem Deutschland-Besuch von Ministerpräsident Erdogan erschüttert eine Bluttat die Türkei. Bei Demonstrationen in Istanbul sollen Polizisten mit scharfer Munition geschossen haben – ein Mann wurde getötet.

Die Proteste in Istanbul hielten während der Nacht an. ap

Die Proteste in Istanbul hielten während der Nacht an.

IstanbulBei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten in der Türkei ist ein Mann durch einen Kopfschuss getötet worden. „Wir konnten Ugur Kurt nicht retten“, schrieb Istanbuls Gouverneur Hüseyin Avni Mutlu auf Twitter. Nach Angaben des stellvertretenden türkische Regierungschefs Bülent Arinc wurde der 30-Jährige von einer Kugel in den Kopf getroffen, als er an einer Beisetzung in Istanbul teilnahm, in deren Nähe eine Demonstration stattfand.

Laut Arinc ging die Polizei in der Nähe des Begräbnisses mit Tränengas gegen Demonstranten vor und gab Warnschüsse in die Luft ab. Der unbeteiligte Kurt sei offenbar von einer verirrten Kugel getroffen worden. Augenzeugen berichteten dagegen der Nachrichtenagentur AFP, die Polizisten hätten mit scharfer Munition in die Menschenmenge geschossen.

Eine kleine Gruppe von Demonstranten hatte im Stadtteil Okmeydani ihren Unmut über das Grubenunglück von Soma sowie den Tod eines jugendlichen Demonstranten nach den Gezi-Unruhen im vergangenen Jahr kundgetan, als die Polizei eingriff. Die Demonstranten antworteten mit Steinwürfen und Brandsätzen, ein Polizeifahrzeug wurde in Brand gesetzt. Laut Istanbuls Gouverneur Avni Mutlu wurden zwei Zivilisten und acht Polizisten verletzt.

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Arinc kündigte an, die von den Polizisten eingesetzten Schusswaffen sowie die auf den Mann abgefeuerte Kugel sollten untersucht werden. „Wenn einer unserer Bürger, der nichts mit den Ereignissen zu tun hat, durch einen von einem Polizisten abgefeuerten Querschläger verletzt wird, will ich, dass alle Beteiligten sofort zur Verantwortung gezogen werden“, sagte der Vize-Regierungschef.

Die Proteste in Istanbul hielten in der Nacht zum Freitag an. Demonstranten warfen Brandsätze, errichteten Straßensperren und setzten Autoreifen in Brand. Rund 400 Menschen versammelten sich vor dem Krankenhaus, in dem Kurt starb, und riefen „Ihr seid Mörder!“ und „Der Mörderstaat nimmt ein weiteres Menschenleben“.

Die Lage in der Türkei ist kurz vor dem Jahrestag des Beginns der regierungskritischen Gezi-Proteste und wenige Tage nach dem Grubenunglück in Soma mit mehr als 300 Toten angespannt. Ende Mai vergangenen Jahres waren Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen Umweltschützer vorgegangen, die im Istanbuler Gezi-Park gegen die geplante Abholzung von Bäumen protestierten. Die Aktion löste landesweite wochenlange Proteste aus, bei denen acht Menschen starben und 8000 verletzt wurden.

In den vergangenen Tagen gingen nach dem verheerenden Bergwerksunglück in Soma mit mehr als 300 Toten die Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Demonstranten vor. Diese werfen der Regierung von Recep Tayyip Erdogan eine Mitverantwortung an dem Unglück vor. Kritik gab es auch an Erdogans Umgang mit der Katatrophe. Bei einem Besuch am Unglücksort hatte er Bergwerksunglücke als unvermeidlich dargestellt.

Von

afp

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

23.05.2014, 08:29 Uhr

Den Wert einer " demokratischen " Regierung erkennt man immer daran, auf welche Art und Weise diese Regierung gegen das eigene Volk vorgeht. Schusswaffengebrauch gegen Demonstranten ? Bei uns zum Glück ( mittlerweile ) undenkbar.

Account gelöscht!

23.05.2014, 08:39 Uhr

Scharfe Munition bei einer Demo? Wieso trifft die nicht den Diktator?

Account gelöscht!

23.05.2014, 08:45 Uhr

Erdogan ist kein Demokrat - sagt er ja selbst. Sinngemäß "Demokratie ist wie eine Straßenbahn, man fährt damit bis zum Ziel und steigt aus". Das muss man einfach mal erkennen und die Politik sollte dies auch klar aussprechen, genauso wie Vetterwirtschaft, Unterdrückung, Verfolgung von anderen Glaubensrichtungen, Unterdrückung der Medien, etc.
Man sollte Erdogan in Deutschland zur unerwünschten Person erklären. Und seine in Deutschland jubelnden Anhänger sollen doch zurück in die Türkei, wenn es hier so schlecht ist.

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