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01.06.2013

10:20 Uhr

Proteste in Istanbul

Opposition fordert Rückzug der Polizei

Tausende Demonstranten haben sich in Istanbul zu neuen Protesten gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan versammelt. Die Opposition fordert den Abzug der Polizei – und mehr.

Türkische Polizisten sperren den Taksim-Platz in Istanbul ab. Die Opposition fordert deren Abzug. AFP

Türkische Polizisten sperren den Taksim-Platz in Istanbul ab. Die Opposition fordert deren Abzug.

IstanbulDie Demonstranten seien am Morgen von der asiatischen Seite der Stadt aus in einem Fußmarsch über die Bosporusbrücke in Richtung des Taksim-Platzes unterwegs gewesen, berichteten türkische Medien. Auf den Straßen rund um den Platz habe die Polizei erneut Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt. Die Proteste in mehreren türkischen Städten haben sich an der gewaltsamen Räumung eines Protestcamps entzündet, richten sich inzwischen aber auch grundsätzlich gegen eine als autoritär kritisierte Politik von Erdogans islamisch-konservativer Regierung.

Die größte türkische Oppositionspartei hatte die Regierung von Erdogan nach der Räumung des Protestlagers zu Deeskalation aufgefordert. Die Polizei müsse vom zentralen Taksim-Platz abgezogen werden, zitierten türkische Medien am Samstag den Vorsitzenden der Republikanischen Volkspartei CHP, Kemal Kilicdaroglu. Er forderte Erdogan auf, ein umstrittenes Bauprojekt in einem Park am Rande des Taksim-Platzes zunächst auf Eis zu legen, wie es ein Gericht in Istanbul angeordnet hatte.

In der Nacht gab die Polizei die Zahl der Festgenommenen mit 63 an. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) sprach von mehr als 100 Verletzten. Von diesen wurden nach offiziellen Angaben zwölf im Krankenhaus behandelt, darunter eine Frau mit einem Schädelbruch.

Heftige Proteste in der Türkei

Video: Heftige Proteste in der Türkei

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Seit Tagen hatten sich immer mehr Menschen im Zentrum von Istanbul versammelt, um den Erhalt des Gezi-Parks zu fordern. Dort sollen für das Bauprojekt 600 Bäume ausgegraben werden. Zehntausende Menschen gingen dagegen in mehreren türkischen Städten auf die Straßen.

Die Proteste richten sich inzwischen sich auch allgemein gegen Großprojekte der Regierung, etwa die neue Brücke über den Bosporus und einen dritten internationalen Flughafen für Istanbul.

Zehntausende wütende Bürger hatten am Freitag in Istanbul rund um den Taksim-Platz bis in die Nacht demonstriert, während die Polizei Wasserwerfer und Tränengas einsetzte. Demonstranten sagten der Nachrichtenagentur dpa, es habe zahlreiche Verletzte gegeben. Sie kündigten eine Fortsetzung der Proteste an.

Kommentare (6)

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JEB

01.06.2013, 10:42 Uhr

Erinnert mich irgendwie an Proteste in der Zeit des sog. arabischen Frühlings.

Der Unterschied: dort wollte das Volk zwar Diktatoren los werden, allerdings waren die, anders als in der Türkei, eher säkular.

Erdogan scheint ja die Rückkehr des Kalifats herbeizusehnen und zwar mit Sitz in Ankara.

Account gelöscht!

01.06.2013, 11:39 Uhr

Ist der "arabische Frühling" schon in der Türkei angekommen? Angesichts der Tatsache, dass die türkischen Sicherheitskräfte gestern bei einem syrischen "Rebellen" in der Türkei eine 2kg-Flasche Sarin (chemischer Kapmfstoff) gefunden hat, wäre die "rote Linie" Obama`s auch schon überschritten - da muss man nicht lange warten, einfach gleich einmarschieren! ;-)....
Diesen Gestaltern der Weltpolitik (USA, GB u.s.w.) fliegt ihre perfide Hinterhältigkeit selbst noch um die Ohren!

goldeneye

01.06.2013, 13:33 Uhr

Diese Entwicklung betrachte ich schon seit einiger Zeit mit Sorge! Ich denke, dass es gar nicht mehr lange geht, und die Türkei hat wirklich mit dem "arabischen Grühling" zu kämpfen.... und wir mit weiterer Zuwanderung ..... toll, nicht?

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